Stomoxys calcitrans
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LoslegenSynonyme: Musca calcitrans Linnaeus, 1758 (Basionym), Weidestechfliege, Stallstechfliege, Blutsaugende Stallfliege, Wadenstecher
Englisch: stable fly, biting stable fly, biting housefly
Definition
Stomoxys calcitrans ist eine weltweit verbreitete, hämatophage Muscidenart mit nach vorne gerichtetem Stechrüssel. Beide Geschlechter nehmen obligat Blut auf und verursachen ausgeprägten Parasitenstress bei Nutztieren. Die Art zählt zu den wichtigsten vektoraktiven Schadinsekten der Tierhaltung und überträgt mechanisch zahlreiche bakterielle, parasitäre und virale Pathogene.
Taxonomie
Morphologie
Die adulten Tiere erreichen 6–7 mm Körperlänge und ähneln äußerlich Musca domestica, unterscheiden sich jedoch durch den kräftigen, horizontal nach vorne gerichteten Proboscis mit stechend‑saugender Funktion. Der Thorax zeigt vier dunkle Längsstreifen, das Abdomen ein mosaikartiges, grau‑schwarzes Tergitenmuster. Die Flügel werden in Ruhe leicht abgespreizt gehalten.
Die Larven sind apod, zylindrisch, cremefarben und bis 12 mm lang. Sie entwickeln sich in feuchten, organisch stark angereicherten Substraten. Die Puppe liegt in einer braunen, tonnenförmigen Puparie, die gegenüber Trockenheit und Kälte relativ resistent ist.
Lebenszyklus
Der Entwicklungszyklus ist holometabol (Ei – L1–L3 – Puppe – Imago). Die Eiablage erfolgt bevorzugt in feuchten, fermentierenden organischen Materialien wie Pferde‑ und Rindermist, Silageresten oder verrottendem Pflanzenmaterial.[1]
Entwicklungsdauer:
- 20–25 °C: 12–14 Tage
- höhere Temperaturen: deutliche Verkürzung
Die Überwinterung erfolgt überwiegend im Puppenstadium. Die adulten Fliegen leben mehrere Wochen und benötigen für die Oogenese wiederholte Blutmahlzeiten.
Verhalten und Ökologie
Stomoxys calcitrans ist tagaktiv, wärmeliebend und bevorzugt offene, lichtreiche Bereiche in der Nähe von Nutztieren. Die Wirtsfindung erfolgt über visuelle Reize, CO₂, Hautgeruch und Kontrastmuster.
Beide Geschlechter sind hämatophag. Die Blutmahlzeit dauert typischerweise 8–10 Minuten und erfolgt bevorzugt an den distalen Gliedmaßen von Säugetieren.
Die Art zeigt eine hohe Mobilität mit Flugdistanzen von mehreren hundert Metern bis wenigen Kilometern. Ökologisch gilt sie als typischer Synanthrop, der eng an die Tierhaltung gebunden ist.
Medizinische und veterinärmedizinische Bedeutung
Der Wadenstecher verursacht schmerzhafte Stiche, die zu:
- Stressreaktionen
- verminderter Futteraufnahme
- Milchrückgang
- Gewichtsverlust
- Leistungsdepression
führen können.
Die Art fungiert als mechanischer Vektor zahlreicher Erreger, darunter:
- Trypanosoma evansi
- Anaplasma marginale
- Brucella abortus (mechanisch)
- diverse bakterielle und virale Pathogene
Die epidemiologische Bedeutung ist besonders in Regionen mit intensiver Rinder‑ und Pferdehaltung hoch.
Prävention und Bekämpfung
Die wichtigste Maßnahme ist ein konsequentes Hygienemanagement, insbesondere:
- regelmäßige Mistentfernung
- Trocknung feuchter Einstreu
- Reduktion organischer Abfallansammlungen
Weitere Strategien:
- Mechanische Barrieren: Fliegengitter, Klebefallen, physische Abwehrsysteme
- Chemische Kontrolle: Insektizide, Larvizide
- Biologische Kontrolle: Parasitoide Hymenopteren, entomopathogene Pilze
- Managementmaßnahmen: Optimierung der Stallhygiene, Reduktion von Brutsubstraten
Quellen
- ↑ Baldacchino et al., Transmission of pathogens by Stomoxys flies (Diptera, Muscidae): a review, Parasite, 2013
Literatur
- Greenberg, Flies and Disease. Vol. I, Princeton University Press, 1971
- Zumpt, The Stomoxyine Biting Flies of the World, Gustav Fischer Verlag, 1973
- Skidmore, The Biology of the Muscidae of the World, Springer, 1985
- Wall und Shearer, Veterinary Entomology, Springer, 2001
- Mullens und Peterson, Stable fly biology and control, In: Livestock Entomology, Academic Press, 2005