Stimmtherapie
Synonyme: Stimmbildung, Stimmtraining
Englisch: voice therapy, vocal rehabilitation
Definition
Als Stimmtherapie bezeichnet man die evidenzbasierte medizinisch-logopädische Behandlung von Dysphonien. Ziel ist die Verbesserung oder Wiederherstellung der Stimmfunktion unter Berücksichtigung anatomischer, physiologischer, funktioneller und psychosozialer Faktoren.
Ziele
Therapieziele sind die Verbesserung der Qualität und Tragfähigkeit der Stimme, die Reduktion stimmlicher Fehlbelastungen, die Schonung der Stimmlippen sowie die Wiederherstellung der kommunikativen Leistungsfähigkeit im Alltag und Beruf.
Indikationen
Organische Stimmstörungen
- Stimmlippenknötchen
- Stimmlippenpolypen
- Reinke-Ödem
- Narben oder postoperative Veränderungen
- Stimmlippenparesen oder -paralysen
Funktionelle Stimmstörungen
- Hyperfunktionelle oder hypofunktionelle Dysphonie
- Stimmstörungen durch Fehl- oder Überbelastung
- Dysphonien bei inadäquater Sprechtechnik
Psychogene Stimmstörungen
- Psychogene Aphonie
- Psychogene Dysphonie
- Stimmstörungen im Rahmen somatoformer oder affektiver Erkrankungen
Neurologische Stimmstörungen
- Spasmodische Dysphonie
- Parkinson-assoziierte Dysphonie
- Dysarthrophonie bei neurodegenerativen Erkrankungen
Methoden
Die Stimmtherapie umfasst direkte stimmphysiologische Übungen zur Verbesserung von Atmung, Phonation, Resonanz und Artikulation. Ergänzend werden myofunktionelle Maßnahmen zur Koordination der Atem- und Kehlkopfmuskulatur, verhaltensorientierte Strategien zum Stimmschutz sowie feedbackgestützte Verfahren zur objektiven Kontrolle stimmlicher Parameter eingesetzt. Nach chirurgischen Eingriffen dient die Stimmtherapie der funktionellen Rehabilitation der Stimme.
Literatur
- Hammer, Stimmtherapie mit Erwachsenen: Was Stimmtherapeuten wissen sollten, Springer Berlin Heidelberg, 2005
- Spiecker-Henke, Leitlinien der Stimmtherapie, Georg Thieme Verlag, 2014