Somatoforme Schmerzstörung
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LoslegenSynonyme: Psychalgie, anhaltende somatoforme Schmerzstörung
Englisch: persistent somatoform pain disorder
Definition
Die somatoforme Schmerzstörung ist durch schwere, quälende Schmerzen gekennzeichnet, die über mindestens sechs Monate anhalten und somatisch nicht hinreichend erklärt werden können.[1] Emotionale Konflikte oder psychosoziale Belastungen spielen eine entscheidende Rolle für Entstehung, Ausprägung, Verschlechterung oder Fortbestehen der Schmerzen.[2]
Hintergrund
Die Lebenszeitprävalenz der somatoformen Schmerzstörung in der deutschen Allgemeinbevölkerung liegt bei etwa 12,3 %. In der hausärztlichen Versorgung werden Punktprävalenzen von 5 bis 10 % angegeben; in spezialisierten schmerztherapeutischen Einrichtungen liegt der Anteil deutlich höher.[3] Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Klassifikation
In der ICD-10-GM 2026 wird die anhaltende somatoforme Schmerzstörung weiterhin unter F45.40 geführt.[2] In der ICD-11 wird das Krankheitsbild bei erfüllten Diagnosekriterien der Körperstressstörung (Bodily distress disorder; 6C20) zugeordnet. Dies ist eine konzeptionelle Neueinordnung – maßgeblich sind belastende körperliche Symptome und eine übermäßige symptombezogene Aufmerksamkeit.[4]
Ätiologie
Als Auslöser gelten meist belastende Lebenssituationen oder Überforderungen durch die Eltern in der Kindheit. Auch Traumata, wie z.B. sexueller Missbrauch oder körperliche Misshandlungen, werden als Auslösefaktoren diskutiert.
Klinisches Bild
Es kommt zu quälenden brennenden oder ziehenden Schmerzen in einer oder mehreren Körperregionen, zum Beispiel:
In den meisten Fällen sind die Schmerzen von Erschöpfungszuständen begleitet.[5] Diese äußern sich durch Schwindelgefühle, gastrointestinale Beschwerden, Schwitzen, Unruhe und Herzrasen. Außerdem können depressive Verstimmungen und Angstzustände auftreten.
Diagnose
Die präzise Erhebung der Anamnese hat einen besonders hohen Stellenwert bei der Diagnosestellung. Die Diagnostik umfasst eine angemessene somatische Abklärung und parallel eine psychosoziale Anamnese. Unauffällige körperliche Befunde allein begründen die Diagnose nicht. Wiederholte apparative Untersuchungen ohne neue klinische Hinweise sollten vermieden werden.[1]
Differenzialdiagnose
Differenzialdiagnostisch müssen depressive Störungen, Angststörungen, andere somatische Belastungsstörungen, chronische primäre oder sekundäre Schmerzsyndrome sowie Simulation berücksichtigt werden. Insbesondere ist eine Abgrenzung zur chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41) vorzunehmen, bei der im Gegensatz zur somatoformen Schmerzstörung ein somatisches Korrelat der Schmerzen vorliegt, das durch psychische Faktoren in Ausprägung oder Verlauf mitbeeinflusst wird.[3]
Therapie
Die Therapie erfolgt psychotherapeutisch und ggf. pharmakologisch mit trizyklischen Antidepressiva (z.B. Amitriptylin oder Trimipramin). Eine fachärztliche Betreuung durch einen Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist obligat. Die Psychotherapie sollte durch einen erfahrenen Psychotherapeuten erfolgen. Die Beziehung zwischen dem Arzt / Psychotherapeuten und dem Patienten hat einen besonders hohen Stellenwert bei der Behandlung.
Prognose
Die Diagnose wird häufig erst nach mehrjährigem Krankheitsverlauf und wiederholten erfolglosen somatischen Abklärungen gestellt, was die Chronifizierung begünstigen kann.[6] Ein früher Behandlungsbeginn, eine stabile therapeutische Beziehung und die Bereitschaft zur psychotherapeutischen Auseinandersetzung mit den zugrunde liegenden Konflikten wirken sich günstig auf den Verlauf aus. Ungünstige Faktoren sind unter anderem ein langer Krankheitsverlauf vor Diagnosestellung, ein ausgeprägter sekundärer Krankheitsgewinn sowie eine komorbide depressive Störung.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 AWMF - S3-Leitlinie Funktionelle Körperbeschwerden, AWMF-Registernummer 051-001, Stand 2018 (abgelaufen)
- ↑ 2,0 2,1 BfArM: ICD-10-GM 2026, F45.40 Anhaltende somatoforme Schmerzstörung, abgerufen am 14.09.2026
- ↑ 3,0 3,1 Taghizadeh und Benrath, Somatoforme Schmerzstörung, In: Pocket Guide Schmerztherapie, Springer, 2019
- ↑ AWMF - S2k-Leitlinie Ärztliche Begutachtung von Menschen mit chronischen Schmerzen, AWMF-Registernummer 187-006, Version 5.2, Stand 2023
- ↑ Deutsche Schmerzgesellschaft: „Seelenschmerz“ – Somatoforme Schmerzstörung, abgerufen am 14.09.2026
- ↑ Egle et al., Die somatoforme Schmerzstörung, Dtsch Arztebl, 2000