Sindbis-Virus
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LoslegenEnglisch: sindbis virus
Definition
Das Sindbis-Virus, kurz SINV, ist ein Alphavirus aus der Familie der Togaviren. Es ist ein umhülltes RNA-Virus, das von Stechmücken übertragen wird. Das Sindbis-Virus ist der Erreger des Sindbis-Fiebers.
Taxonomie
- Bereich: Riboviria
Das Sindbis-Virus ist die Typusart der Gattung Alphavirus.[1] Im Rahmen der Umstellung auf eine binomiale Nomenklatur hat das ICTV die Artbezeichnung von Sindbis virus zu Alphavirus sindbis geändert.
Innerhalb der Gattung Alphavirus ist das Sindbis-Virus mit weiteren humanpathogenen Arten wie dem Chikungunya-Virus, dem Ross-River-Virus und dem O'nyong-nyong-Virus verwandt. Diese Viren verursachen ähnliche arthritogene Krankheitsbilder.
Genotypen
Anhand phylogenetischer Analysen des partiellen E2-Gens werden sechs Genotypen unterschieden, die jeweils an bestimmte geografische Regionen gebunden sind:[2]
| Genotyp | Verbreitung |
|---|---|
| SINV-I | Europa, Afrika, Naher Osten |
| SINV-II | Australien |
| SINV-III | Südostasien |
| SINV-IV | Asien, Naher Osten |
| SINV-V | Neuseeland (auch als Whataroa-Virus bezeichnet) |
| SINV-VI | Australien |
Humane Erkrankungsausbrüche werden nahezu ausschließlich durch SINV-I verursacht. Phylogenetische Daten sprechen dafür, dass SINV-I nur einmal, vermutlich in den 1920er-Jahren, aus Zentralafrika nach Nordeuropa eingeschleppt wurde.[2]
Eigenschaften
Das Virion ist annähernd kugelförmig und misst etwa 68 nm im Durchmesser. Es besitzt ein ikosaedrisches Kapsid und eine Lipidhülle mit Spikeproteinen aus den Glykoproteinen E1 und E2. Das Genom besteht aus einer linearen, positiv-einzelsträngigen RNA von etwa 11,7 kb Länge. Es kodiert vier Nichtstrukturproteine (nsP1–nsP4) sowie das Kapsidprotein und die Hüllglykoproteine. Als Arbovirus repliziert das Sindbis-Virus sowohl in Wirbeltier- als auch in Arthropodenzellen.
Vorkommen
Das Sindbis-Virus wurde 1952 im Nildelta in Ägypten erstmals aus Culex-Mücken isoliert. Die ersten Infektionen beim Menschen wurden 1961 in Uganda, 1963 in Südafrika und 1967 in Australien beschrieben. Das Virus ist in Afrika, Asien, Australien/Ozeanien und Europa verbreitet. Erkrankungsausbrüche sind jedoch nur aus Südafrika und Nordeuropa bekannt.[2] In Nordeuropa trägt die Erkrankung regional unterschiedliche Namen, darunter Ockelbo-Krankheit (Schweden), Pogosta-Krankheit (Finnland) und Karelisches Fieber.
Übertragung
Das Sindbis-Virus zirkuliert in einem enzootischen Zyklus zwischen ornithophilen Stechmücken und Vögeln, die als Amplifikationswirte dienen. In Schweden ist Culex torrentium der wichtigste enzootische Vektor, Drosseln (Turdus spp.) sind die wichtigsten Amplifikationswirte.[3] Die Übertragung auf den Menschen erfolgt über Brückenvektoren, u.a. aus den Gattungen Aedes, Culex und Anopheles. Der Mensch gilt als Fehlwirt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bislang (2026) nicht nachgewiesen.
Nachweis
Die Diagnose erfolgt in der Regel serologisch über den Nachweis von IgM- und IgG-Antikörpern mittels ELISA oder Immunfluoreszenz. Ein direkter Erregernachweis durch RT-PCR ist nur in der frühen virämischen Phase sinnvoll, die meist schon bei Symptombeginn abgeklungen ist. Die Virusanzucht in Zellkultur bleibt Speziallaboren vorbehalten.
Verwendung
Das Sindbis-Virus ist das Prototypvirus der Alphaviren und wird seit Jahrzehnten als Modellsystem der Virologie eingesetzt, etwa zur Untersuchung von Replikation, Partikelassemblierung und antiviraler Immunantwort. Von SINV abgeleitete Replikonvektoren werden zur Transgenexpression in Säuger- und Insektenzellen sowie in der Forschung zu onkolytischen Viren und Vakzinen genutzt.
Klinik
Die Infektion verläuft häufig asymptomatisch. Symptomatische Verläufe sind durch Fieber, Exanthem, Arthralgien und Myalgien gekennzeichnet. Die Gelenkbeschwerden können über Monate persistieren.
siehe Hauptartikel: Sindbis-Fieber
Quellen
- ↑ Chen R et al. ICTV Virus Taxonomy Profile: Togaviridae. J Gen Virol. 2018;99(6):761-762.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Ling J et al. Introduction and dispersal of Sindbis virus from Central Africa to Europe. J Virol. 2019;93(16):e00620-19.
- ↑ Lundström JO et al. Sindbis virus polyarthritis outbreak signalled by virus prevalence in the mosquito vectors. PLoS Negl Trop Dis. 2019;13(8):e0007702.
Literatur
- European Centre for Disease Prevention and Control. Facts about Sindbis fever, abgerufen am 01.10.2026.
- Harding S et al. JMM Profile: Sindbis virus, a cause of febrile illness and arthralgia. J Med Microbiol. 2023;72(3):001674.