Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Persistierende Milchzahnkappe (Pferd)

1 Definition

Als persistierende Milchzahnkappe bezeichnet man beim Pferd einen im bereits vollständigen Gebiss bestehenden retinierten Rest eines Milchzahnes.

2 Ätiopathogenese

Die Prämolaren besitzen einen Milchzahn als Vorläufer. Das Wachstum des permanenten Zahnes (adultes Gebiss) führt zur Aktivierung von Osteoklasten, welche die Wurzeln des Milchzahnes resorbieren. Auf diese Weise kommt die Krone des Milchzahnes auf dem darunter befindlichen permanenten Zahn zu liegen. Die Zahnkappe lockert sich im Laufe der Zeit und fällt aus.

Bei einer persistierenden Milchzahnkappe gelingt es dem bleibenden Zahn nicht, den Milchzahnrest abzustoßen. Besonders der vierte Prämolare (P4) ist häufig von persistierenden Milchzahnkappen betroffen, da der dritte Prämolar (P3) seine Kappe bereits abgestoßen hat und der erste Molar (M1) komplett durchgebrochen ist. Die Nachbarzähne klemmen auf diese Weise die Milchzahnkappe des P4 ein und verhindern ihr Ausfallen.

Wenn der permanente Zahn der Milchzahnkappe entgegenwächst, wirken im Bereich der Zahnwurzel starke Kräfte auf die Kieferknochen. Diese Kräfte können zur Bildung von charakteristischen Umfangsvermehrung in den Unterkieferästen führen. Diese von außen bereits sichtbaren Umfangsvermehrungen werden im klinischen Sprachgebrauch als Pseudoeruptionszysten bzw. "Bumps" bezeichnet. Läuft der Zahnwechsel physiologisch ab, kommt es zu einer vollständigen Rückbildung dieser knöchernen Auftreibungen. Bei persistierenden Milchzahnkappen hingegen bleiben die Pseudozysten bestehen, sodass sich in weiterer Folge Fisteln bilden. Obwohl auch im Oberkiefer solche Pseudoeruptionszysten entstehen können, sind diese aufgrund der Lage (innerhalb des Nasengangs) in der Regel nicht sichtbar. Persistierende Milchzahnkappen können später Karies, Gingivitis oder Parodontitis verursachen.

3 Diagnostik

Vorwölbungen an den Unterkieferknochen können bereits vor der Sedierung adspektorisch und palpatorisch diagnostiziert werden. Im Rahmen der zahnmedizinischen Untersuchung in Sedierung müssen bei jungen Pferden stets alle Zähne auf retinierte Milchzahnkappen untersucht werden. Insbesondere beim Vorliegen von Pseudoeruptionszysten ist eine genaue Adspektion unumgänglich.

Milchzahnkappen sind nicht immer leicht zu identifizieren. Am besten können die Milchzahnkappen durch eine horizontale Trennungslinie zwischen dem bleibendem Zahn und der Zahnkappe mithilfe eines Zahnspiegels erkannt werden.

4 Therapie

Falls die Milchzahnkappen nach der Zeit ihres physiologischen Zahnwechselalters noch bestehen, sind diese unbedingt zu entfernen. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Zahnkappen nicht zu früh entfernt werden, um den darunter liegenden Zahn nicht zu beschädigen. Die Zahnkappe wird mit einer Zange ergriffen und durch vorsichtige Drehbewegungen gelockert. Nach ausreichender Lockerung kann die Kappe mit einem Wolfszahnextraktor heruntergehebelt werden.

Falls die Nachbarzähne den bleibenden Zahn nach Entfernung der Kappe immer noch einengen, müssen die rostrale bzw. kaudale Seite der Nachbarzähne etwas angeschliffen werden, um das Durchbrechen zu ermöglichen.

5 Quellen

  • Simon T, Herold I. 2009. Praxisleitfaden der Zahn- und Kiefererkrankungen des Pferdes. 1. Auflage. Stuttgart: Parey in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-4178-6

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Juni 2021 um 10:11 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

1 Wertungen (5 ø)

30 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: