Parietale Osteopathie
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LoslegenEnglisch: parietal osteopathy
Definition
Die parietale Osteopathie ist ein Teilbereich der Osteopathie, einer Methode der Komplementärmedizin. Sie befasst sich mit dem Bewegungsapparat, also mit Muskeln, Knochen, Gelenken und dem zugehörigen Bindegewebe.[1]
Hintergrund
In vielen osteopathischen Schulen wird die Osteopathie in drei Bereiche gegliedert: die parietale, die viszerale und die kraniosakrale Osteopathie.[1]
Durchführung
Der Behandler untersucht Beweglichkeit, Spannung und Schmerzhaftigkeit der Strukturen vor allem durch Palpation. Danach wählt er die Techniken individuell aus. Ein festes Protokoll gibt es meist nicht.[2]
Zum parietalen Repertoire gehören unter anderem:
- Weichteiltechniken und Dehnungen[2]
- Muskel-Energie-Technik: eine direkte, aktive Technik, bei der der Patient gegen den Widerstand des Behandlers anspannt[3]
- High-Velocity-Low-Amplitude-Technik (HVLA-Technik): ein kurzer, kontrollierter Impuls auf ein zuvor genau eingestelltes Wirbelsäulensegment[4]
Zur Dosierung gibt es keine einheitlichen Vorgaben. In einer großen randomisierten Studie erhielten die Patienten sechs Sitzungen im Abstand von jeweils zwei Wochen.[5]
Wirkmechanismus
Die Wirkrationale manueller Techniken ist unklar und zum größten Teil nicht belegt. Nach einem gängigen Modell lösen die mechanischen Reize neurophysiologische Vorgänge aus, die Schmerzen dämpfen.
Anwendungsgebiete
Die parietale Osteopathie wird klinisch vor allem bei Beschwerden des Bewegungsapparats eingesetzt, insbesondere bei mechanischen Rückenschmerzen und Nackenschmerzen sowie bei somatischen Funktionsstörungen des muskuloskelettalen Systems.[6][7]
Untersucht wurde die osteopathische Manipulationsbehandlung vor allem bei unspezifischen akuten und chronischen Kreuzschmerzen. Auch für Nackenschmerzen sowie Kreuzschmerzen in Schwangerschaft und Wochenbett liegen Übersichten vor.[2][8]
Evidenz
Von den verschiedenen Bereichen der Osteopathie gibt es für die parietalen Techniken nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin am ehesten Hinweise auf Wirksamkeit.[1] Die meisten Studien untersuchen jedoch die osteopathische Behandlung als Ganzes, nicht einzelne parietale Techniken.
Eine Metaanalyse von 2014 fand bei unspezifischen Kreuzschmerzen eine moderate Evidenz für eine Verbesserung von Schmerz und Funktion. Bei Kreuzschmerzen in der Schwangerschaft war die Evidenz niedrig.[2] Ein Überblick über systematische Reviews sieht ebenfalls Hinweise auf Wirksamkeit bei Kreuzschmerzen, chronischen Nackenschmerzen und Kreuzschmerzen während Schwangerschaft und Wochenbett, bewertet die methodische Qualität der meisten Reviews aber als sehr niedrig.[8]
Bei einer randomisierten Studie mit 400 Patienten mit subakuten und chronischen Kreuzschmerzen verringerte die osteopathische Behandlung die Alltagseinschränkungen nach drei Monaten zwar etwas stärker als eine Scheinbehandlung, die klinische Relevanz ist jedoch fragwürdig.[5]
Sicherheit
Schwere Zwischenfälle nach osteopathischer Behandlung wurden in den ausgewerteten Reviews nicht berichtet. Gelegentlich traten leichte Beschwerden wie Steifigkeit oder Müdigkeit auf. Nebenwirkungen werden in den Studien allerdings uneinheitlich erfasst.[8]
Kontraindikationen
Für Impulstechniken (HVLA) an der Lendenwirbelsäule gelten als absolute Kontraindikationen unter anderem:[4]
- Osteoporose
- Osteomyelitis
- Frakturen oder Knochenmetastasen im Behandlungsgebiet
- schwere rheumatoide Arthritis
- Cauda-equina-Syndrom
- Gelenkinstabilität
- Ablehnung durch den Patienten
Relative Kontraindikationen sind etwa ein akutes Schleudertrauma, Schwangerschaft, Zustand nach Operationen, ein Bandscheibenvorfall und eine Antikoagulation.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Meinert und Rolfes, Das Berufsbild des Osteopathen, Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 2020
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Franke et al., Osteopathic manipulative treatment for nonspecific low back pain: a systematic review and meta-analysis, BMC Musculoskelet Disord, 2014
- ↑ Lafans und Troncoso, Osteopathic Manipulative Treatment: Muscle Energy Procedure – Lumbar Vertebrae, StatPearls, 2024
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Pollock und Skidmore, Osteopathic Manipulative Treatment: HVLA Procedure – Lumbar Vertebrae, StatPearls, 2023
- ↑ 5,0 5,1 Nguyen et al., Effect of osteopathic manipulative treatment vs sham treatment on activity limitations in patients with nonspecific subacute and chronic low back pain: a randomized clinical trial, JAMA Intern Med, 2021
- ↑ American Osteopathic Association, OMT for Low Back Pain, abgerufen am 04.10.2026
- ↑ American Osteopathic Association, OMT of the Cervical Spine, abgerufen am 04.10.2026
- ↑ 8,0 8,1 8,2 Bagagiolo et al., Efficacy and safety of osteopathic manipulative treatment: an overview of systematic reviews, BMJ Open, 2022