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Parafilariose (Pferd)

Synonyme: Parafilaria-Infektion des Pferdes, Sommerbluten

1 Definition

Die Parafilariose des Pferdes ist eine Parasitose, die durch Vertreter der Familie Filariidae verursacht wird.

2 Erreger

Die Parafilariose wird durch Parafilaria multipapillosa verursacht. Parafilaria multipapillosa besitzten feine Querstreifen auf der Kutikula, die am Vorderende durch warzenartige Erhebungen ersetzt werden. Die Mundöffnung ist mit zwei Wülsten versehen und der Ösophagus ist kurz und ungeteilt.

Die Männchen sind 2,8 bis 3 cm lang und haben ein abgerundetes Hinterende. An den deutlich ausgeprägten Kaudalflügeln sind gestielte Analpapillen erkennbar. Die Spicula sind 130 bis 140 bzw. 680 bis 750 μm lang. Die Weibchen sind mit 4 bis 7 cm Länge deutlich größer als die Männchen. Die Vulva liegt nahe der Mundöffnung.

Parafilaria multipapillosa-Eier enthalten einen Embryo und sind 20 - 25 x 45 - 40 μm groß. Die Mikrofilarien sind 160 bis 190 μm lang, unbescheidet und haben ein knopfartig erweitertes Vorderende sowie ein stumpfes und kurzes Hinterende.

3 Vorkommen

Parafilaria multipapillosa kommt beim Pferd, beim Esel und auch beim Maultier vor. Sie sind Auslöser einer während der warmen Jahreszeit auftretenden Dermatitis, die als "Sommerbluten" bezeichnet wird. Derartige Dermatiden sind regional in Nordafrika, Südamerika, Asien und Südwest-, Süd- und Osteuropa endemisch. Treten diese Infektionen in anderen Teilen Europas auf, sind sie meist bei Importtieren zu beobachten.

4 Entwicklung

Die adulten Stadien leben vorwiegend im intermuskulären und subkutanen Bindegewebe. Die Weibchen wandern zur Haut und verursachen Knoten, die innen nekrotisch zerfallen und mit blutigem Exsudat ausgefüllt sind. In diesen Knoten werden die embryonierten Eier abgelegt.

Während der warmen Jahreszeit brechen einzelne Knoten auf, wobei für kurze Zeit blutige Flüssigkeit austritt (Sommerbluten). Auf diesem Wege können die Eier und vereinzelt auch Mikrofilarien nach außen gelangen um im weiteren Verlauf von Fliegen per oral aufgenommen zu werden. Je nach Region und befallenem Tier fungieren unterschiedliche Fliegenarten als Zwischenwirte.

Man geht davon aus, dass die infektiösen Larven die Mundwerkzeuge der Fliegen aufsuchen, um sich bei der nächsten Nahrungsaufnahme am Pferd niederzulassen. Von der Haut aus treten die Parasiten wieder ihre Wanderung in das Bindegewebe an. Die Präpatenz beträgt in etwa 9 bis 13 Monate.

5 Epidemiologie

Untersuchungen im Iran ergaben, dass bei 1.564 Pferden sowie 112 Eseln durchschnittlich 7,4 % bzw. 17,8 % mit Parafilaria multipapillosa befallen waren. Zusätzlich konnten deutliche regionale und klimaabhängige Unterschiede beobachtet werden.

Klinische Erscheinungen zeigten v.a. Pferde im Alter zwischen 2 und 12 Jahre - das Maximum konnte in der Altersgruppe der 5-jährigen Tiere nachgewiesen werden.

6 Pathogenese

Nach einer Inkubationszeit von mehreren Monaten entstehen ziemlich plötzlich einzelne oder multiple, 1 bis 3 cm große, derbe, rundliche oder längliche Knoten, die häufig in der Halsgegend sowie an der Schulter und Seitenbrust (seltener an anderen Körperstellen) ausgebildet sind. Die Knoten können schmerzfrei oder juckend sein und verursachen in der Regel keine lokale Alopezie.

Histologisch betrachtet handelt es sich bei den Knoten um Granulome in der Subkutis und Kutis mit einem nekrotischen Zentrum (mit blutigem Exsudat gefüllt). Manche Knoten können von einer ödematösen Schwellung umgeben sein.

7 Klinik

Die Knoten verursachen nur geringen Juckreiz. In den meisten Fällen können keine klinischen Zeichen bei betroffenen Pferden beobachtet werden. Sind die Knoten in Geschirr- oder Sattellage lokalisiert, können diese zu erheblichen Abwehrreaktionen der Tiere führen.

8 Diagnose

Die Diagnose wird anhand des typischen klinischen Bildes (Sommerbluten) - unter Berücksichtigung der Anamnese und des saisonalen Auftretens der Erkrankung - gestellt. Das Exsudat kann mikroskopisch untersucht werden, wobei in maximal 60 % der Fälle einzelne Eier oder Mikrofilarien aufgefunden werden können. Um eine Diagnose abzusichern, sollte eine histologische Untersuchung unternommen werden.

9 Therapie

Die Parafilariose kann mit Fenbendazol in erhöhter Dosis (täglich 50 mg/kgKG an 5 aufeinander folgenden Tagen p.o.) behandelt werden. Das Mittel der Wahl ist jedoch Ivermectin (0,2 mg/kgKG), das nach einer einmaligen subkutanen Applikation eine rasche und nachhaltige Wirkung erzieht.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

10 Prophylaxe

Prophylaktisch sollten allgemeine Maßnahmen der Fliegenbekämpfung durchgeführt werden.

11 Literatur

  • Boch, Josef, Supperer, Rudolf. Veterinärmedizinische Parasitologie. 6. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Parey Verlag, 2005

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