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Marknagelosteosynthese

Synonym: Marknagelung
Englisch: intramedullary rod

1 Definition

Als Marknagelosteosynthese bezeichnet man die chirurgische Wiederherstellung der Knochenintegrität (Osteosynthese) nach Schaftfraktur eines großen Röhrenknochens durch einen in den Markraum eingetriebenen Marknagel.

2 Indikation

Die Indikation besteht vor allem bei dia- und metaphysären Frakturen an Femur, Tibia und Humerus.

3 Prinzip

Der Marknagel ist eine intramedulläre Schienung einer Schaftfraktur eines großen Röhrenknochens. Der Vorteil besteht in einer kleinen Inzision und vor allem in der Tatsache, dass frakturfern agiert werden kann und die Fraktur an sich nicht eröffnet werden muss. Evtl. mit zusätzlicher Verriegelung an einem oder beiden Enden können Länge und korrekte Rotation bei längerstreckigen Frakturen mit mehreren Fragmenten erhalten bleiben. Verriegelungsnägel sind primär belastungsstabil. Um eine Dynamisierung zu ermöglichen, werden die beiden distalen oder proximalen Verriegelungsschrauben nach 6 Wochen entfernt.

4 Implantate

4.1 AO-Universalnagel

Bei der Verwendung eines AO-Universalnagels wird der gesamte Markraum aufgebohrt. Daraufhin wird ein Hohlnagel eingeschlagen. Eine Verriegelung ist nicht obligat. Durch die Aufbohrung besteht die Gefahr einer Fettembolisation.

4.2 Proximaler Femurnagel und Gamma-Nagel

Proximaler Femurnagel und Gamma-Nagel gelten bei proximalen Femurfrakturen nur noch als Alternative zur dynamischen Hüftschraube. Hierbei handelt sich um einen proximal etwas dickeren Nagel, der abhängig vom Frakturtyp mit oder ohne Schenkelhalsschraube versehen wird und mehrere Möglichkeiten zur Verriegelungsosteosynthese bietet.

4.3 Bündelnagelung

Bei der Bündelnagelung kommen mehrere elastische Federnägel zum Einsatz, welche sich im frakturfernen Knochenfragment auseinanderspreizen und so die Fraktur gegen Drehkräfte sichern. Im Falle einer Aufweitung der Metaphyse in der Nähe des Knochenfensters, wodurch die Nägel eingeschlagen werden, muss man alternativ kürzere Nägel verwenden, um eine Verdrehung zu vermeiden.

4.4 Unaufgebohrter Marknagel

Dieser Nagel ist massiver, aber dünner. In ihm liegt der Vorteil, dass die intramedullären Gefäße geschont werden. Er kommt beispielsweise bei schweren offenen Frakturen alternativ zum Fixateur externa zum Einsatz. Er muss zwingend mit Verriegelungsschrauben versetzt werden.

5 Operative Techniken

Die OP-Technik richtet sich nach der Frakturstelle. Beim Femurnagel wird beispielsweise wie folgt vorgegangen:

Am Fraktur- bzw. Extensionstisch erfolgt die Lagerung und Frakturreposition. Im weiteren Procedere wird mittels Pfriem oder K-Draht die Markhöhle im Bereich der Fossa piriformis eröffnet. Unter Röntgenkontrolle wird der Markraum über einen Führungsdraht gefräst und erweitert. Daraufhin wird der Nagel mit der richtigen Größe in den Femur geschlagen. Proximale Femurfrakturen, Oberschenkelschaftquerbrüche und kurzstreckige Schrägbrüche von der Mitte bis distal können auf diese Weise übungs- bis sogar belastungsstabil versorgt werden.

5.1 Dynamische Verriegelung

Hier wird der Marknagel am frakturnahen Ende durch Querbolzen und eine Schenkelhalsschraube verriegelt. Dies geschieht bei distalen beziehungsweise proximalen oder komplexen Frakturen.

5.2 Statische Verriegelung

Hierbei wird bei gegebener Instabilität distal und proximal verriegelt.

6 Komplikationen

Zu den möglichen Komplikationen der Marknagelosteosynthese zählen unter anderem:

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