MRT-Enterographie
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LoslegenSynonyme: Magnetresonanz-Enterographie, MR-Enterographie
Englisch: MR enterography, magnetic resonance enterography (MRE)
Definition
Die MRT-Enterographie, kurz MRE, ist ein nicht-invasives bildgebendes Verfahren zur Darstellung und Beurteilung des Dünn- und Dickdarms. Es kommt vor allem bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn zum Einsatz. Die MRE ermöglicht eine strahlenfreie Beurteilung von Entzündungsaktivität, Komplikationen und extramuralen Veränderungen.
Formen
Unterschieden werden die MRT-Enterographie (orale Einnahme des Kontrastmittels) und die MRT-Enteroklyse (direkte Kontrastmittelgabe in den Dünndarm über eine nasojejunale Sonde). Der Begriff "MRT-Sellink“ wird in der klinischen Praxis häufig synonym zur MRT-Enterographie verwendet, bezeichnet im engeren Sinne aber die sondengestützte Variante.
Durchführung
Vor der Untersuchung ist eine Nüchternzeit von etwa 4–6 Stunden erforderlich.[1] Zur besseren Darstellung des Dünndarms wird dem Patienten oral etwa 1–1,5 Liter eines neutralen Kontrastmittels, beispielsweise einer Mannitollösung, verabreicht, um den Dünndarm zu distendieren.
Zur Beurteilung der Wandperfusion kann zusätzlich ein gadoliniumhaltiges Kontrastmittel intravenös verabreicht werden. Eine routinemäßige intravenöse Kontrastmittelgabe ist jedoch nicht bei jeder MRT-Enterographie erforderlich; ihr Einsatz richtet sich nach der diagnostischen Fragestellung.[1] Um Bewegungsartefakte zu vermeiden, wird vor der Aufnahme ein Spasmolytikum zur Reduktion der Peristaltik verabreicht (z.B. Butylscopolamin).
Die Bildgebung erfolgt in multiplanaren T1- und T2-gewichteten Sequenzen mit Fettsättigung, gegebenenfalls ergänzt durch Diffusionsbildgebung (DWI) und Cine-Sequenzen zur Beurteilung der Darmmotilität.
Indikationen
Die MRE hat zahlreiche diagnostische Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Gastroenterologie und ist hier ein wichtiger diagnostischer Baustein. Die deutsche S3-Leitlinie zum Morbus Crohn empfiehlt in ihrer Fassung vom März 2024 die MRT-Enterographie zur initialen Dünndarmdiagnostik.[2] Relevante Indikationen für eine MRE sind zum Beispiel:
- Diagnostik und Verlaufskontrolle des Morbus Crohn
- Nachweis von Stenosen und Beurteilung ihrer entzündlichen Aktivität
- Nachweis von Fisteln, Abszessen oder anderen penetrierenden Komplikationen
- Beurteilung extraintestinaler Manifestationen (z. B. Sakroiliitis, primär sklerosierende Cholangitis (PSC), mesenteriale Venenthrombose)
Befundung
Die Beurteilung stützt sich auf definierte MR-Zeichen für Entzündungsaktivität, Fibrose und Komplikationen. Zu den Aktivitätszeichen zählen eine Wandverdickung, ein intramurales Ödem (T2-Hyperintensität), eine vermehrte Kontrastmittelaufnahme der Darmwand, eine Diffusionsrestriktion in der DWI, Ulzerationen sowie eine perienterische Gefäßvermehrung entlang des Mesenterialrands (Comb-Sign) als Ausdruck einer floriden oder abgelaufenen Entzündung.[3]
Zur standardisierten Aktivitätsbeurteilung wurden mehrere validierte Scores entwickelt, u. a. der Magnetic Resonance Index of Activity (MaRIA), der (simplified) MaRIAs, der Clermont-Score, der Nancy-Score, der London-Score (CD-MRI-Index) sowie der Magnetic Resonance Enterography Global Score (MEGS). Ein Goldstandard für die klinische Routine besteht bislang (2026) nicht.[3]
Bei Stenosen liefert die MRE Hinweise auf eine überwiegend entzündliche oder überwiegend fibrotische Genese (z.B. anhand von Wandschichtung und Kontrastmittelverhalten); eine zuverlässige Quantifizierung des fibrotischen Anteils ist mit der MRE jedoch nicht möglich.[4] Eine prästenotische Dilatation kann auf die funktionelle Relevanz einer Stenose hinweisen.[4] Penetrierende Komplikationen zeigen sich als kontrastmittelaufnehmende, flüssigkeits- oder gashaltige Gangstrukturen (Fisteln) bzw. als abgekapselte, randständig anreichernde Flüssigkeitskollektionen (Abszesse).[4]
Vorteile
Gegenüber der CT-Enterographie und der fluoroskopisch gestützten MRT-Enteroklyse entfällt bei der MRE die Strahlenexposition; zusätzlich erlaubt die multiparametrische Bildgebung (T1, T2, DWI, ggf. Cine-Sequenzen) eine kombinierte Beurteilung von Wandmorphologie, Perfusion und Motilität in einer Untersuchung, was sie insbesondere für Verlaufskontrollen bei jüngeren Patienten geeignet macht.[4]
Nachteile
Nachteile sind eine im Vergleich zu Sonographie und CT-Enterographie längere Untersuchungsdauer, eine höhere Anfälligkeit für Bewegungs- und Atemartefakte, eine eingeschränkte Verfügbarkeit sowie höhere Kosten gegenüber. Die diagnostische Aussagekraft ist zudem von einer ausreichenden Darmdistension abhängig, feine, rein mukosale Läsionen werden endoskopisch zuverlässiger erfasst, und im Unterschied zur Endoskopie erlaubt die MRE weder eine Biopsie- noch eine Interventionsmöglichkeit.[4]
Risiken und Kontraindikationen
Die Untersuchung gilt insgesamt als komplikationsarm; am ehesten berichten Patienten über ein durch die orale Kontrastmittelgabe bedingtes Völlegefühl oder leichte Übelkeit, die sich meist ohne Behandlung zurückbilden.
Allgemeine Kontraindikationen der MRT betreffen u.a. nicht MR-sichere aktive Implantate (z. B. bestimmte Herzschrittmacher oder Defibrillatoren), ferromagnetische Fremdkörper sowie eine ausgeprägte, medikamentös nicht beherrschbare Klaustrophobie.[5]
Wird zusätzlich ein gadoliniumhaltiges Kontrastmittel intravenös verabreicht, ist das seltene, aber schwerwiegende Risiko einer nephrogenen systemischen Fibrose (NSF) zu beachten. Eine deutlich eingeschränkte Nierenfunktion (GFR < 30 ml/min/1,73 m²) sowie eine bekannte Kontrastmittelallergie gelten je nach eingesetztem Wirkstoff als (relative) Kontraindikation, weshalb die Nierenfunktion vor Kontrastmittelgabe zu prüfen ist.[6]
Das zur Peristaltikhemmung eingesetzte Butylscopolamin darf u.a. bei Engwinkelglaukom, Harnverhalt, mechanischen Stenosen des Gastrointestinaltrakts sowie Tachyarrhythmie nicht gegeben werden.[7]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Yanai et al., ECCO-ESGAR-ESP-IBUS Guideline on Diagnostics and Monitoring of Patients with Inflammatory Bowel Disease: Part 2, J Crohns Colitis, 2025
- ↑ Sturm et al., Aktualisierte S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn“ der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) (Version 4.1) – living guideline, Z Gastroenterol, 2024 (in Überarbeitung)
- ↑ 3,0 3,1 Seo, Comprehensive Review of Magnetic Resonance Enterography-Based Activity Scoring Systems for Crohn’s Disease, Investigative Magnetic Resonance Imaging, 2025
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Kucharzik et al., ECCO-ESGAR-ESP-IBUS Guideline on Diagnostics and Monitoring of Patients with Inflammatory Bowel Disease: Part 1, J Crohns Colitis, 2025
- ↑ Pedrosa et al., American College of Radiology Manual on MR Safety: 2024 Update and Revisions, Radiology, 2025
- ↑ van der Molen et al., Waiting times between examinations with intravascularly administered contrast media: a review of contrast media pharmacokinetics and updated ESUR Contrast Media Safety Committee guidelines, Eur Radiol, 2024
- ↑ Hummitzsch et al., Butylscopolamin, Notfallmedizin up2date, 2016