Lokale Aktivierungszeit
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LoslegenEnglisch: local activation time
Definition
Die lokale Aktivierungszeit, kurz LAT, bezeichnet in der kardialen Elektrophysiologie den Zeitpunkt der lokalen myokardialen Depolarisation an einem definierten Messort relativ zu einem Referenzsignal. Sie dient der zeitlichen Analyse der intrakardialen Erregungsausbreitung und ist eine Grundlage elektroanatomischer Aktivierungs-Maps.
Hintergrund
Die lokale Aktivierungszeit wird anhand intrakardialer Elektrogramme bestimmt und beschreibt den Zeitpunkt, zu dem ein definiertes Myokardareal elektrisch aktiviert wird. Im bipolaren Elektrogramm stehen mehrere Annotationsmethoden zur Verfügung, darunter die früheste, steilste oder späteste lokale Deflektion. Im unipolaren Elektrogramm wird häufig der Zeitpunkt des maximalen negativen dV/dt verwendet.[1]
Durch die räumliche Zuordnung lokaler Aktivierungszeiten kann die Erregungsausbreitung innerhalb des Herzens rekonstruiert werden. Moderne elektroanatomische Mapping-Systeme stellen die Aktivierungszeiten meist farbkodiert dar und ermöglichen die Erstellung sogenannter Aktivierungs-Maps (LAT-Maps).
Die LAT-Analyse dient insbesondere der Untersuchung von:
- fokalen Tachykardien
- Makroreentry-Tachykardien
- Leitungsblockierungen
- langsamen Leitungszonen
- arrhythmogenen Narbensubstraten
Im Gegensatz zum Voltage-Mapping bildet die LAT-Map primär die zeitliche und nicht die amplitudenbasierte elektrische Aktivität ab.
Messung
Die Bestimmung der lokalen Aktivierungszeit erfolgt im Rahmen invasiver elektrophysiologischer Untersuchungen mithilfe intrakardialer Katheter und elektroanatomischer Mapping-Systeme.
Für jeden Mappingpunkt wird ein intrakardiales Elektrogramm relativ zu einem Referenzsignal analysiert. Als Referenz dienen typischerweise der Beginn des QRS-Komplexes im Oberflächen-EKG, ein Elektrogramm aus dem Koronarsinus oder ein stabil positionierter intrakardialer Referenzkatheter.
Die Annotation erfolgt innerhalb eines definierten Window of Interest (WOI), also eines Zeitfensters relativ zum Referenzsignal. Bei Reentry-Tachykardien umfasst dieses häufig nahezu die gesamte Tachykardiezykluslänge. Die Wahl der Annotationsmethode beeinflusst die Qualität der funktionellen Substratanalyse maßgeblich; für das VT-Substrat-Mapping hat sich die Annotation anhand der steilsten bipolaren Deflektion als überlegen erwiesen.[1] Die Annotation kann manuell oder automatisiert durch das jeweilige Mapping-System erfolgen.
Die Genauigkeit der LAT-Bestimmung wird unter anderem durch Signalqualität, Katheterkontakt, Punktdichte, Filtereinstellungen und die Morphologie intrakardialer Elektrogramme beeinflusst. Insbesondere fraktionierte oder niedrigamplitudige Signale können die eindeutige Annotation erschweren.
Interpretation
Die lokale Aktivierungszeit erlaubt die Analyse der räumlich-zeitlichen Erregungsausbreitung und die Identifikation arrhythmogener Strukturen.
Typische Befunde sind:
- frühester Aktivierungsort als Hinweis auf einen fokalen Ursprung
- kontinuierliche Aktivierungssequenz als Hinweis auf Reentry
- abrupte Zeitgradienten als Hinweis auf Leitungsbarrieren
- verzögerte Aktivierung als Hinweis auf langsame Leitung oder Narbengewebe
Bei fokalen Tachykardien liegt der Ursprungsort typischerweise im Bereich der frühesten Aktivierung. Bei Makroreentry-Tachykardien ermöglicht die LAT-Analyse die Identifikation kritischer Leitungsbahnen oder Isthmen und unterstützt dadurch die Planung einer Katheterablation.[2]
Die Interpretation erfolgt stets im Zusammenhang mit Oberflächen-EKG, Voltage-Mapping, Pace-Mapping und der klinischen Arrhythmiecharakteristik.
Limitationen
Die lokale Aktivierungszeit ist wesentlich von der korrekten Annotation intrakardialer Elektrogramme abhängig. Insbesondere bei fraktionierten, langanhaltenden oder niedrigamplitudigen Signalen kann die Definition eines einzelnen Aktivierungszeitpunkts schwierig sein. In nicht-uniform anisotropem Gewebe – etwa in Narbenrandzonen – ist die Annotation anhand des maximalen negativen dV/dt unzuverlässig, da Fernfeldsignale bevorzugt annotiert werden können.[3]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Hawson J et al. Optimal Annotation of Local Activation Time in Ventricular Tachycardia Substrate Mapping. JACC Clin Electrophysiol. 2024;10(2):206–218. doi:10.1016/j.jacep.2023.10.014
- ↑ Anter E et al. Infarct-Related Ventricular Tachycardia: Redefining the Electrophysiological Substrate of the Isthmus During Sinus Rhythm. JACC Clin Electrophysiol. 2018;4(8):1033–1048. doi:10.1016/j.jacep.2018.04.007
- ↑ Anter E. Limitations and Pitfalls of Substrate Mapping for Ventricular Tachycardia. JACC Clin Electrophysiol. 2021;7(4):542–560. doi:10.1016/j.jacep.2021.02.007