Pace-Mapping
Synonyme: Pacemapping, Stimulations-Mapping
Englisch: pace mapping, pacemapping
Definition
Das Pace-Mapping ist ein elektrophysiologisches Verfahren zur Lokalisation arrhythmogener Foci durch Vergleich der QRS-Morphologie bei künstlicher Stimulation mit der Morphologie einer spontanen oder induzierten Arrhythmie. Es wird vor allem zur Planung und Führung von Katheterablationen eingesetzt.
Hintergrund
Durch elektrische Stimulation des Myokards wird eine Erregung ausgelöst, deren Ausbreitung von der Stimulationsstelle abhängt. Die resultierende QRS-Morphologie im Oberflächen-EKG bildet die ventrikuläre Depolarisationssequenz ab.
Bei fokalen ventrikulären Arrhythmien entspricht die Morphologie des stimulierten QRS-Komplexes der klinischen Arrhythmie, wenn Stimulationsstelle und Ursprungsort übereinstimmen. Unterschiede weisen auf eine räumliche Distanz hin.
Pace-Mapping ist komplementär zum Aktivierungs-Mapping und besonders nützlich, wenn die Arrhythmie schwer induzierbar, selten oder hämodynamisch instabil ist.
Messung
Die Durchführung erfolgt durch Stimulation über einen intrakardialen Katheter an verschiedenen Positionen. Die Stimulation erfolgt im Sinusrhythmus oder unter definierter Zykluslänge – idealerweise nahe der Zykluslänge der klinischen Arrhythmie, sofern reproduzierbar.
Für jede Stimulationsstelle wird die resultierende QRS-Morphologie im 12-Kanal-EKG aufgezeichnet und mit der klinischen Arrhythmie verglichen. Die Bewertung erfolgt visuell oder anhand standardisierter Kriterien der Ableitungsübereinstimmung.
Interpretation
Die Beurteilung erfolgt anhand von:
- QRS-Morphologie
- Achse
- Übergangszone
- Anzahl übereinstimmender Ableitungen
Bei ventrikulären Extrasystolen gilt eine Übereinstimmung in ≥ 11 von 12 Ableitungen als Hinweis auf eine nahe Lokalisation. Aktivierungs-Mapping ist jedoch genauer als Pace-Mapping (räumliche Auflösung 1,2 cm² vs. 1,8 cm²).
Anwendung bei Reentry-Tachykardien
Bei Reentry-Tachykardien identifiziert Pace-Mapping primär die Austrittsstelle des VT-Kreislaufs, nicht unbedingt kritische Isthmen (langsame Leitungszonen). Eine Stimulation an Stellen nahe dem Eingang des Reentry-Kreislaufs kann deutlich unterschiedliche QRS-Komplexe erzeugen. Ein abrupter Wechsel von hoher zu geringer Übereinstimmung kann auf die Orientierung des Isthmus hinweisen.
Limitationen
Die Aussagekraft des Pace-Mappings setzt eine stabile QRS-Morphologie der klinischen Arrhythmie voraus. Die räumliche Auflösung ist begrenzt, somit kann eine hohe Übereinstimmung auch bei Stimulationsstellen in gewisser Distanz zum tatsächlichen Arrhythmieursprung auftreten, insbesondere bei homogener Erregungsausbreitung oder in Narbengewebe. Zudem können unterschiedliche Stimulationsorte ähnliche EKG-Morphologien erzeugen. Zykluslänge, autonomer Tonus und Stimulationsstärke beeinflussen die Genauigkeit der Methode. Epikardiale oder intramurale Ursprungsorte sind endokardial nur eingeschränkt erfassbar.
Literatur
- Wieczorek, Kursbuch Kardiologische Elektrophysiologie, Thieme-Verlag
- Iden et al., Invasive Elektrophysiologie für Einsteiger, Springer-Verlag
- Hoffmann et al., Interventionelle kardiale Elektrophysiologie – Praxis-Lehrbuch, Springer-Verlag