Window of Interest (Elektrophysiologie)
Synonym: Interessensfenster, Aktivierungsfenster
Definition
Das Window of Interest, kurz WOI, ist ein zeitlich definiertes Analysefenster in elektroanatomischen Mapping-Systemen, das festlegt, welcher Abschnitt eines Herzzyklus für das Aktivierungsmapping berücksichtigt wird. Es dient der Darstellung lokaler Aktivierungszeiten bei fokalen und Reentry-basierten Tachykardien.
Hintergrund
Beim Aktivierungsmapping werden lokale Elektrogramme zeitlich relativ zu einem Referenzsignal annotiert. Das WOI definiert dabei den Abschnitt des Tachykardiezyklus, der für die Erstellung der Aktivierungskarte analysiert wird. Nur Signale innerhalb dieses Fensters werden in die Aktivierungskarte einbezogen.
Methodik
Das WOI wird relativ zu einem Referenzsignal festgelegt, dessen Auswahl von der Art der Tachykardie abhängt. Bei ventrikulären Tachykardien dient meist der Beginn des QRS-Komplexes im Oberflächen-EKG als Referenz. Das Zeitfenster beginnt dabei häufig etwa 50 ms vor dem QRS-Onset, um frühe präsystolische Aktivierungen zu erfassen. Bei atrialen Tachykardien werden meist die P-Welle oder ein Signal aus dem Koronarsinus als Referenz verwendet.
Das WOI umfasst typischerweise einen Anteil vor und nach dem Referenzsignal und sollte möglichst den gesamten Tachykardiezyklus abdecken. Bei Reentry-Tachykardien wird deshalb häufig ein Zeitfenster gewählt, das etwa 90–100% der Zykluslänge einschließt.
Bei einer Tachykardie mit einer Zykluslänge von 300 ms kann beispielsweise ein WOI von:
- −150 ms bis +150 ms
- oder −180 ms bis +120 ms
Die genaue Wahl des Fensters beeinflusst direkt die Darstellung der Aktivierungssequenz im Mapping-System.
Bedeutung beim Aktivierungsmapping
Fokale Tachykardien
Bei fokalen Tachykardien dient das WOI vor allem der Identifikation der frühesten lokalen Aktivierung. Der früheste innerhalb des WOI registrierte Aktivierungspunkt entspricht idealerweise dem Ursprungsort der Arrhythmie.
Ein zu kleines oder falsch positioniertes WOI kann dazu führen, dass die tatsächliche früheste Aktivierung nicht erfasst wird.
Reentry-Tachykardien
Bei Reentry-Tachykardien sollte das WOI möglichst den vollständigen Erregungskreislauf abbilden. Ein unvollständiges WOI kann zu scheinbaren Aktivierungslücken („missing colors") oder einer fehlerhaften Darstellung von Leitungsblocklinien führen.
Die korrekte WOI-Einstellung ist daher essenziell für die Identifikation kritischer Isthmen und die Planung einer Katheterablation. Zu beachten ist, dass diastolische Aktivierung auch in passiv aktivierten Bystander-Arealen auftreten kann – eine Differenzierung gelingt ggf. durch ergänzende Entrainment-Manöver.
Early-meets-late-Phänomen
Da Aktivierungskarten zyklisch dargestellt werden, treffen frühe und späte Aktivierungen an einem Übergangsbereich aufeinander. Dieses Areal wird als Early-meets-late-Zone bezeichnet.
Ein korrekt gewähltes WOI ermöglicht die Darstellung kontinuierlicher Reentry-Kreise. Ein ungeeignetes WOI kann dagegen künstliche Aktivierungssprünge erzeugen und die Interpretation der Tachykardie erschweren.
Literatur
- Hawson et. al., Retrospective Window of Interest Annotation Provides New Insights Into Functional Channels in Ventricular Tachycardia Substrate, JACC Clin Electrophysiol . 2023 Jan
- Stevenson et. al., State of the Art: Mapping Strategies to Guide Ablation in Ischemic Heart Disease, JACC Clin Electrophysiol . 2024 Dec
- Guadalini et. al., Ventricular Tachycardia Ablation: Past, Present, and Future Perspectives, JACC Clin Electrophysiol . 2019 Dec