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Histomonas meleagridis

von griechisch: histos - Gewebe; monas - Einheit, Einzelwesen

1 Definition

Die Art Histomonas meleagridis gehört zur Gattung Histomonas und ist Verursacher der Histomonose des Geflügels.

2 Taxonomie

3 Erreger

Histomonas meleagridis ist eine pleomorphe Art. Sie parasitiert im Blinddarmlumen von Vögeln und ist im Erststadium (Stadium I) meist zwischen 8 und 12 µm groß. Dieses Stadium ist formveränderlich und trägt eine - selten auch zwei - Geißeln. Im Gegensatz dazu ist das im Gewebe (Blinddarmwand, Leber, usw.) auftretende Stadium zwischen 8 und 17 µm groß, einkernig und sphäroid gestaltet (Stadium II). Dieses Stadium weist keine Geißeln sondern Pseudopodien auf, die aktive, amöboide Bewegungen ermöglichen. Die sphäroiden Dauerstadien (Stadium III) sind rund 3 µm groß und leben in den Eiern von Heterakis gallinarum - selbst ein Parasit (Nematode aus der Ordnung der Ascaridida).

Stadium Morphologie Lokalisation
Stadium I Erregerstadium
8 bis 12 µm groß
formveränderlich
ein bis zwei Geißeln
Blinddarmlumen
Stadium II Gewebestadium
8 bis 17 µm groß
sphäroid, einkernig
mit Pseudopodien
Gewebe (z.B. Blinddarmwand, Leber, u.a.)
Stadium III Dauerstadium
rund 3 µm groß
sphäroid
Eier von Heterakis gallinarum

4 Entwicklung

Histomonas meleagridis kann sowohl direkt als auch indirekt übertragen werden.

4.1 Indirekte Übertragung

Bei der indirekten Übertragung spielt eine Nematodenart, Heterakis gallinarum, eine wichtige Rolle als Vektor. Heterakis gallinarum parasitiert in den Blinddärmen von Hühnervögeln, wo sie die Histomonaden aufnehmen. Anschließend vermehren sie sich in ihrem Darm und befallen dann das Ovar. Im Anschluss an eine weitere intrazelluläre Vermehrungen dringen die Protozoen in die Oozyten ein, um sich dort und später auch noch im Ei des Nematoden zu vermehren.

Hühnervögel sowie andere empfängliche Vogelarten infizieren sich v.a. durch die Aufnahme von Heterakis-Eiern, die außer einer infektiösen Nematodenlarve auch noch Histomonaden des Stadiums III enthalten. Schlüpft die aufgenommene Nematodenlarve in einem empfänglichen Wirt, werden die Histomonaden freigesetzt. Anschließend siedeln sie sich in den Blinddärmen an, um von dort aus in andere Organe gelangen zu können. Eine weitere Infektionsquelle stellt Koprophagie dar, bei der zuvor infizierte Heterakis-Larven aus dem Darm anderer Wirte eliminiert wurden (transplantatorische Infektion).

4.2 Direkte Übertragung

Truthühner (in Stallhaltungen) können auch direkt (lateral) infiziert werden. Setzen sich Tiere auf frisch ausgeschiedenen und mit Histomonaden kontaminierten Kot, kann durch eine reverse Peristaltik die Einwanderung der Erreger in die Kloake ermöglicht werden (cloacal drinking). Im Gegensatz dazu überstehen oral aufgenommene Histomonaden die Magenpassage nicht.

5 Vorkommen

Histomonas meleagridis ist weltweit verbreitet. Neben dem Truthuhn und Haushuhn sind auch noch andere Hühnervögel (z.B. Pfau, Perlhuhn, Fasan, Wachtel, Birkhuhn, u.ä.) sowie andere Vögel (Strauß, Nandu, u.a.) empfänglich.

6 Epidemiologie

Hühner, die mit Heterakis gallinarum befallen sind, stellen die wichtigsten Reservoirwirte von Histomonas meleagridis dar. Die Ansteckungsgefahr ist für Truthühner bei Auslaufhaltung am größten - besonders dann, wenn auch Hühner gehalten werden.

Histomonaden können in Heterakis-Eier innerhalb der Nematodenlarve unter günstigen Bedingungen (feuchter boden oder in Regenwürmern) über 2 Jahre überdauern. Selbst Temperaturen um die 0 °C töten die Protozoen nicht ab. Nimmt ein Regenwurm solche Eier auf, schlüpfen die mit Histomonaden infizierten Heterakis-Larven und sammeln sich anschließend im Coelom des Regenwurms an (Sammelwirt). Eine direkte Übertragung kann in Truthuhnbeständen zu einer raschen Ausbreitung der Parasitose mit verheerenden Folgen führen.

7 Erkrankung

Ein Befall mit Histomonas meleagridis führt zur Erkrankung der Histomonose des Geflügels. Da die Histomonaden vom Blinddarmlumen in die Darmwand eindringen, verursachen sie während der extrazellulären Vermehrung Ulzera in der Schleimhaut. In weiterer Folge werden weite Teile der verdickten Schleimhaut nekrotisch und es bildet sich ein Exsudat, das sich zu harten, käsigen Propfen verfestigen kann.

Durch hämatogene Streuung gelangen die Histomonaden von der Darmwand aus in die Leber, wo sie vielfältige Läsionen verursachen. Meist sind rundliche, gewöhnlich 3 bis 10 mm große, eingedellte, weiß-gelbliche Nekroseherde mit rötlichem Rand erkennbar, die tief bis ins Lebergewebe reichen und konfluieren können. Die Parasiten können auch andere Organe, wie z.B. Nieren, Lungen, Milz, Gehirn, die Bursa fabricii u.ä. besiedeln, jedoch ohne merkbare Veränderungen zu verursachen.

8 Literatur

  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.

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