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High-T3-Syndrom

Synonyme: Hyperdejodierung, Hyperdeiodierung, Hyperdejodierungssyndrom
Englisch: High-T3 syndrome, hyperdeiodination syndrome, hyperdeiodation syndrome

1 Definition

Das High-T3-Syndrom ist eine seltene allostatische Reaktion des Hypophysen-Schilddrüsen-Regelkreises. Es kann als inverse Verlaufsform eines Non-Thyroidal-Illness-Syndroms (TACITUS) beobachtet werden. Während eine Erniedrigung des T3-Spiegels bei systemisch Kranken häufig ist (Low-T3-Syndrom), sind Erhöhungen meist auf spezielle Krankheitsbilder beschränkt.

2 Hintergrund

Prinzipiell lassen sich drei Konstellationen unterscheiden:

  1. eine T3-Hyperthyreose: Bei einer klassischen Hyperthyreose mit Erhöhung des T4-Spiegels kommt es konsekutiv durch Substratüberschuss zu einer gesteigerten T3-Bildung. Die T3-Hyperthyreose kann mit und ohne Hyperdejodierung einhergehen.
  2. ein isoliertes High-T3-Syndrom: Hier ist üblicherweise der T4-Spiegel erniedrigt oder normal, der T3-Spiegel aber erhöht. Ursache ist eine gesteigerte Aktivität peripherer Dejodinasen.
  3. ein latentes Hyperdejodierungssyndrom: Hier ist die Dejodierungsleistung zwar gesteigert, angesichts eines Low-T4-Syndroms ist der T3-Spiegel aber aufgrund des Substratmangels nicht erhöht.

Nicht jedes Hyperdeiodierungssyndrom führt daher zu einem High-T3-Syndrom. Bei gesteigerter Deiodierung im ZNS (z. B. bei Patienten mit Sepsis) kann sogar eine zentrale Hypothyreose resultieren.

3 Ätiologie und Pathogenese

Im Falle einer T4-Hyperthyreose ist die pathophysiologische Entstehung des High-T3-Syndroms durch den Substratüberschuss gut erklärt.

Die Ursachen einer isolierten Hyperdejodierung sind heterogen. Eine latente Hyperdejodierung resultiert meist aus einem Jodmangel[1] oder einer Aktivierung des TSH-T3-Shunts, z.B. bei beginnender Hypothyreose[2]. Wird der TSH-T3-Shunt bei funktionsfähigem Regelkreis aktiviert, z.B. in Situationen, die mit einer Typ-2-Allostase einhergehen, kann es zu einem zentral vermittelten High-T3-Syndrom kommen. Beispiele sind Schwangerschaft, Ausdauertraining und bestimmte psychiatrische Erkrankungen[3].

In der Literatur wurden High-T3-Syndrome darüber hinaus bei Patienten mit autonomen Adenomen, M. Basedow, follikulären Schilddrüsenkarzinomen und systemischer Sklerose beschrieben.

4 Diagnostik

Diagnosekriterien sind

  • für eine T3-Hyperthyreose: Erhöhter T3-Spiegel und klinische Symptome, die für eine Hyperthyreose typisch sind (s. Burch-Wartofsky-Score). Mitunter (jedoch nicht notwendigerweise) wird eine leichte TSH-Suppression trotz einer normalen FT4-Konzentration beobachtet.
  • für ein High-T3-Syndrom: Erhöhter T3-Spiegel bei normalem oder niedrigem T4-Spiegel, erhöhte Summenaktivität peripherer Dejodinasen.
  • für ein latentes Hyperdejodierungssyndrom: Normaler T3-Spiegel, T4-Spiegel erniedrigt, SPINA-GD erhöht.

5 Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Klinik und der Ursache. Reine High-T3-Syndrome und eine latente Hyperdejodierung ohne Symptomatik bedürfen üblicherweise keiner Behandlung.

Die Behandlung einer T3-Hyperthyreose einschließlich des symptomatischen isolierten High-T3-Syndroms wird durch die Gabe von Betablockern (z.B. Metoprolol und Bisoprolol) unterstützt, da hierdurch die Wirkungen des erhöhten T3-Spiegels am Myokard abgedämpft werden.

Früher wurde die Verwendung unselektiver Betablocker (z.B. Pindolol und Propranolol) propagiert, da hierdurch die Dejodierung gehemmt wird. Dies kann aber nach heutigen Erkenntnissen nicht mehr empfohlen werden, da in einer großen Population thyreotoxischer Patienten eine erhöhte Sterblichkeit unter unselektiven Betablockern beobachtet wurde[4]. Daher sollten heute nur noch beta-1-selektive Betablocker zum Einsatz kommen. Alternativ ist auch das Thyreostatikum Propylthiouracil in der Lage, periphere Dejodinasen zu hemmen. Allerdings ist hierbei eine nicht geringe Hepatotoxizität zu beachten.

6 Einzelnachweise

  1. Obregon MJ, Escobar del Rey F, Morreale de Escobar G. The effects of iodine deficiency on thyroid hormone deiodination. Thyroid. 2005 Aug;15(8):917-29. PMID 16131334
  2. Hoermann R, Midgley JE, Larisch R, Dietrich JW. Homeostatic Control of the Thyroid-Pituitary Axis: Perspectives for Diagnosis and Treatment. Front Endocrinol (Lausanne). 2015 Nov 20;6:177. doi: 10.3389/fendo.2015.00177. PMID: 26635726
  3. Chatzitomaris A, Hoermann R, Midgley JE, Hering S, Urban A, Dietrich B, Abood A, Klein HH and Dietrich JW (2017) Thyroid Allostasis–Adaptive Responses of Thyrotropic Feedback Control to Conditions of Strain, Stress, and Developmental Programming. Front. Endocrinol. 8:163. doi: 10.3389/fendo.2017.00163. PMID 28775711
  4. Isozaki O, Satoh T, Wakino S, Suzuki A, Iburi T, Tsuboi K, Kanamoto N, Otani H, Furukawa Y, Teramukai S, Akamizu T. Treatment and management of thyroid storm: analysis of the nationwide surveys: The taskforce committee of the Japan Thyroid Association and Japan Endocrine Society for the establishment of diagnostic criteria and nationwide surveys for thyroid storm. Clin Endocrinol (Oxf). 2016 Jun;84(6):912-8. doi: 10.1111/cen.12949. PMID 26387649

7 Weiterführende Literatur

  1. Figge J, Leinung M, Goodman AD, Izquierdo R, Mydosh T, Gates S, Line B, Lee DW. The clinical evaluation of patients with subclinical hyperthyroidism and free triiodothyronine (free T3) toxicosis. Am J Med. 1994 Mar;96(3):229-34. PMID 8154510
  2. Kim BW, Daniels GH, Harrison BJ, Price A, Harney JW, Larsen PR, Weetman AP. Overexpression of type 2 iodothyronine deiodinase in follicular carcinoma as a cause of low circulating free thyroxine levels. J Clin Endocrinol Metab. 2003 Feb;88(2):594-8. PMID 12574186
  3. Hoermann R, Midgley JE, Larisch R, Dietrich JW. Is pituitary TSH an adequate measure of thyroid hormone-controlled homoeostasis during thyroxine treatment? Eur J Endocrinol. 2013;168(2):271-80. doi:10.1530/EJE-12-0819. PMID 23184912.
  4. Miyauchi A, Takamura Y, Ito Y, Miya A, Kobayashi K, Matsuzuka F, Amino N, Toyoda N, Nomura E, Nishikawa M. 3,5,3'-Triiodothyronine thyrotoxicosis due to increased conversion of administered levothyroxine in patients with massive metastatic follicular thyroid carcinoma. J Clin Endocrinol Metab. 2008 Jun;93(6):2239-42. Epub 2008 Apr 8. PMID 18397985
  5. Murakami M, Araki O, Hosoi Y, Kamiya Y, Morimura T, Ogiwara T, Mizuma H, Mori, M. Expression and regulation of type II iodothyronine deiodinase in human thyroid gland. Endocrinology. 2001 Jul;142(7):2961-7. PMID 11416017
  6. Shahin AA, Abdoh S, Abdelrazik M. Prolactin and thyroid hormones in patients with systemic sclerosis: correlations with disease manifestations and activity. Z Rheumatol. 2002 Dec;61(6):703-9. PMID 12491136.
  7. Takamatsu J, Sugawara M, Kuma K, Kobayashi A, Matsuzuka F, Mozai T, Hershman JM. Ratio of serum triiodothyronine to thyroxine and the prognosis of triiodothyronine-predominant Graves' disease. Ann Intern Med. 1984 Mar;100(3):372-5. PMID 6546484.

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