Giardien
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LoslegenSynonyme: Giardia, Lamblien
Englisch: Giardia
Definition
Giardien sind eine Gattung mikroskopisch kleiner, begeißelter Dünndarm-Parasiten aus der Gruppe der Protozoen (einzellige Eukaryonten). Mehrere Arten befallen Säugetiere, Amphibien, Reptilien und Vögel. Die für den Menschen bedeutsame Art ist Giardia duodenalis, welche die Giardiasis verursacht.
Taxonomie
- Domäne: Eukaryota
- Phylum: Metamonada
- Ordnung: Diplomonadida
- Familie: Hexamitidae
- Gattung: Giardia
- Familie: Hexamitidae
- Ordnung: Diplomonadida
- Phylum: Metamonada
Heute gelten nur wenige Arten als valide. Sie werden anhand von Morphologie und molekularen Merkmalen unterschieden:[1]
- Giardia agilis – Amphibien
- Giardia muris – Nagetiere
- Giardia microti – Wühlmäuse
- Giardia cricetidarum – Nagetiere
- Giardia ardeae – Vögel (Reiher)
- Giardia psittaci – Vögel
- Giardia peramelis – Beuteltiere
- Giardia duodenalis – Säugetiere inkl. Mensch
Zahlreiche ältere, nach dem Wirt benannte Bezeichnungen (z.B. Giardia canis, Giardia cati, Giardia bovis) gelten heute als Synonyme von Giardia duodenalis. Diese Art wird als Artkomplex aufgefasst und in acht genetische Assemblagen (A–H) gegliedert; die Assemblagen A und B sind beim Menschen dominant.[1]
Morphologie
Der Trophozoit der Giardien besitzt eine annähernd birnenförmige Gestalt mit zwei Zellkernen, die mikroskopisch einem Augenpaar ähneln. Für die Fortbewegung dienen mehrere Geißeln. Über eine ventrale Haftscheibe, die nach dem Prinzip eines Saugnapfes wirkt, heften sich die Trophozoiten an das Epithel der Darmwand. Dort erfolgt eine millionenfache Vermehrung, ohne dass die Parasiten in das Gewebe eindringen.
Das zweite Entwicklungsstadium ist die umweltresistente Zyste, die über den Kot ausgeschieden wird und die infektiöse Form ist.
Vorkommen
Giardien kommen weltweit in einer Vielzahl von Säugetieren, Amphibien, Reptilien und Vögeln vor. Giardia duodenalis besitzt das breiteste Wirtsspektrum und ist ein bedeutsamer Zoonoseerreger.
Übertragung
Die Übertragung erfolgt fäkal-oral über die Aufnahme von Zysten aus verunreinigtem Trinkwasser, kontaminierter Nahrung oder durch direkten Kontakt. Vor der Ausscheidung mit dem Kot umgibt sich der Parasit mit einer widerstandsfähigen Zystenwand, die ihn über Wochen gegenüber Umwelteinflüssen schützt. In feuchtem Boden und kaltem Wasser können die Zysten mehrere Wochen bis Monate infektiös bleiben.
Giardia-Zysten gelten als vergleichsweise desinfektionsmittel-tolerant, werden jedoch – anders als die stark chlorresistenten Oozysten von Cryptosporidium – durch UV-Bestrahlung, Ozon und ausreichende Chlorung wirksam inaktiviert. Bereits niedrige UV-Dosen erzielen eine weitgehende Inaktivierung. Ergänzend bietet die Ultrafiltration in der Wasseraufbereitung eine zuverlässige physikalische Barriere.[2]
Klinik
Ein Teil der Infizierten trägt Giardien asymptomatisch im Darm. Symptomatische Verläufe äußern sich als Giardiasis mit Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Bedeutung hat der Erreger insbesondere bei unzureichend aufbereitetem Trinkwasser, wie es in vielen Ländern vorkommt.
Nachweis
Der Nachweis erfolgt klassisch durch den mikroskopischen Nachweis von Zysten oder Trophozoiten im Stuhl (ggf. an mehreren Stuhlproben). Ergänzend stehen Antigen-Nachweise (ELISA, Immunfluoreszenz) sowie molekularbiologische Verfahren (PCR) zur Verfügung, letztere auch zur Differenzierung der Assemblagen.[1]
Veterinärmedizin
Giardia duodenalis zählt zu den häufigsten Darmparasiten bei Hund, Katze und Nutztieren. Die Infektion verläuft oft subklinisch. Höhere Nachweisraten finden sich bei Jungtieren sowie in Beständen mit hoher Tierdichte (z.B. Tierheime, Zuchten, Zwinger).
Wirtsspezifische Assemblagen
Bei Tieren ist überwiegend der Artkomplex Giardia duodenalis relevant. Die einzelnen Assemblagen sind weitgehend wirtsadaptiert:
| Wirt | Vorrangige Assemblage(n) |
|---|---|
| Hund | C, D (seltener A, B) |
| Katze | F (seltener A, B) |
| Rind, Schaf, Ziege, Schwein | E |
Die wirtsadaptierten Assemblagen C, D, E und F werden beim Menschen nur selten nachgewiesen, weshalb das zoonotische Risiko einer Übertragung von Haustieren auf den Menschen als gering eingeschätzt wird. Ein zoonotisches Potenzial besteht vor allem für die Assemblagen A und B.[1]
siehe auch: Giardiose (Fleischfresser), Giardiose (Wiederkäuer), Giardiose (Schwein)
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Feng Y, Xiao L. Zoonotic potential and molecular epidemiology of Giardia species and giardiasis. Clin Microbiol Rev. 2011;24(1):110-140.
- ↑ Ali A et al. Efficiency of chlorine and UV in the inactivation of Cryptosporidium and Giardia in wastewater. PLoS One. 2019;14(5):e0216040.