Paradoxe Embolie
Synonym: gekreuzte Embolie
Englisch: paradoxical embolism, crossed embolism
Definition
Unter einer paradoxen Embolie versteht man das Übertreten eines Embolus vom venösen in das arterielle System des Körperkreislaufs durch einen Defekt im Bereich der Herzsepten.
Pathogenese
Voraussetzung für eine paradoxe Embolie ist eine Öffnung im Bereich der Herzatrien oder -ventrikel (z.B. Foramen ovale persistens) mit Rechts-Links-Shunt (RLS). Zusätzlicher Faktor ist eine Druckerhöhung im Lungenkreislauf, z.B. durch eine Lungenembolie, aber auch durch heftiges Husten, Niesen oder Pressen beim Stuhlgang.
Diagnostik
Der Nachweis des RLS erfolgt durch:
Komplikationen
Mögliche Folgen einer paradoxen Embolie sind Hirninfarkt, hämorrhagischer Darminfarkt oder Myokardinfarkt.
Therapie
Die Therapie der paradoxen Embolie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und dem individuellen Rezidivrisiko. Drei Strategien stehen zur Verfügung: medikamentöse Behandlung, interventioneller und herzchirurgischer Verschluss des Septumdefekts.[1]
Bei Patienten mit paradoxer Embolie auf dem Boden eines PFO ohne interventionellen Verschluss werden Thrombozytenaggregationshemmer (z.B. Acetylsalicylsäure) zur Sekundärprophylaxe eingesetzt. Alternativ ist eine orale Antikoagulation möglich, insbesondere wenn konkurrierende thromboembolische Ursachen (z.B. eine nachgewiesene tiefe Venenthrombose) vorliegen.[2]
Bei Patienten zwischen 18 und 60 Jahren mit kryptogenem Schlaganfall und PFO als einziger nachweisbarer Emboliequelle ist ein interventioneller Verschluss mittels perkutan eingebrachtem Okkluder indiziert.[3]
Ein operativer Verschluss des PFO ist eine seltene Alternative zum Kathetereingriff und bleibt Ausnahmefällen vorbehalten, etwa wenn ein interventioneller Zugang nicht möglich ist oder wenn ein gleichzeitiger herzchirurgischer Eingriff aus anderem Grund erforderlich ist.
Quellen
- ↑ Pristipino C, Sievert H, D'Ascenzo F, et al. European position paper on the management of patients with patent foramen ovale. General approach and left circulation thromboembolism. Eur Heart J. 2019;40(38):3182-3195.
- ↑ Diener HC, Grau A, Baldus S, et al. Kryptogener Schlaganfall und offenes Foramen ovale. S2e-Leitlinie. Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). AWMF-Registernummer 030-142. 2018. Verfügbar unter: S2e-Leitlinie Kryptogener Schlaganfall und offenes Foramen ovale.
- ↑ Pristipino C, et al. European Stroke Organisation (ESO) Guidelines on the diagnosis and management of patent foramen ovale (PFO) after stroke. Eur Stroke J. 2024;9(2):5-28. doi: 10.1177/23969873241247978.