Epworth Sleepiness Scale
Synonym: Epworth-Schläfrigkeitsskala
Englisch: Epworth sleepiness scale
Definition
Die Epworth Sleepiness Scale, kurz ESS, ist ein Fragebogen zur Erfassung der subjektiven Tagesschläfrigkeit. Er dient der quantitativen Einschätzung der individuellen Einschlafneigung in typischen Alltagssituationen.
Abgrenzung
Im Gegensatz zu objektiven Testverfahren wie dem Multiplen Schlaflatenztest (MSLT) oder dem Multiplen Wachbleibe-Test (MWT) erfasst die ESS ausschließlich die subjektiv empfundene Einschlafneigung. Sie ergänzt apparative Verfahren, ersetzt diese jedoch nicht.
Hintergrund
Die ESS wurde 1991 von dem australischen Schlafmediziner Murray W. Johns am Epworth Hospital in Melbourne entwickelt. Sie dient als einfaches, klinisch praktikables Instrument zur Abschätzung exzessiver Tagesschläfrigkeit unabhängig von apparativer Schlafdiagnostik.
Durchführung
Der Fragebogen wird vom Patienten selbst ausgefüllt. Er umfasst acht Alltagssituationen, in denen die Wahrscheinlichkeit des unbeabsichtigten Einschlafens eingeschätzt wird (z.B. beim Lesen, Fernsehen oder als Beifahrer im Auto).
Die Bewertung erfolgt auf einer vierstufigen Likert-Skala:
- 0 = würde niemals einschlafen
- 1 = geringe Wahrscheinlichkeit
- 2 = mittlere Wahrscheinlichkeit
- 3 = hohe Wahrscheinlichkeit
Die Bearbeitungszeit beträgt in der Regel weniger als 5 Minuten.
Interpretation
Die Einzelwerte werden zu einem Gesamtscore von 0 bis 24 Punkten addiert.
Übliche Interpretationsbereiche:
- 0–9 Punkte: normale Tagesschläfrigkeit
- 10–15 Punkte: erhöhte Tagesschläfrigkeit
- ≥ 16 Punkte: ausgeprägte exzessive Tagesschläfrigkeit
Ein erhöhter ESS-Score weist auf eine klinisch relevante Schläfrigkeit hin, erlaubt jedoch keine ätiologische Zuordnung und ist keine eigenständige Diagnose.
Anwendungsgebiete
Die ESS ist ein etabliertes Screening-Instrument in der Schlafmedizin, Neurologie, Pneumologie und Psychiatrie. Typische Einsatzgebiete sind:
- Verdacht auf obstruktive Schlafapnoe
- Narkolepsie
- Idiopathische Hypersomnie
- Schlafstörungen bei Schichtarbeit
- Verlaufs- und Therapiekontrollen (z.B. unter CPAP-Therapie)
Gütekriterien
Die Epworth Sleepiness Scale weist eine gute interne Konsistenz sowie eine zufriedenstellende Test-Retest-Reliabilität auf. Die Validität gegenüber objektiven Verfahren wie dem MSLT ist moderat, was die unterschiedliche Erfassung subjektiver und objektiver Schläfrigkeit widerspiegelt.
Vorteile
- Einfach, schnell und kostengünstig
- International validiert und breit etabliert
- Geeignet für Screening und Verlaufsbeurteilung
Limitationen
- Subjektive Selbsteinschätzung
- Abhängigkeit von Einsichtsfähigkeit und Alltagserfahrung
- Keine Differenzierung der Ursachen der Tagesschläfrigkeit
Literatur
- Johns, A new method for measuring daytime sleepiness: the Epworth sleepiness scale., Sleep, 1991
- Johns, Reliability and factor analysis of the Epworth Sleepiness Scale., Sleep, 1992