Dent-Krankheit
nach dem britischen Biochemiker Charles E. Dent (1911-1976)
Synonyme: Dent-Syndrom, Morbus Dent
Englisch: Dent's disease
1. Definition
Die Dent-Krankheit ist eine seltene X-chromosomal-rezessiv vererbte, monogene Nierentubulopathie. Sie ist durch eine proximale Tubulusdysfunktion mit Proteinurie, Hyperkalziurie, Nephrolithiasis, Nephrokalzinose und progressivem Nierenversagen gekennzeichnet.
- ICD-10 Code: N25.8
- ICD-11 Code: GB90.42
2. Einteilung
Die Dent-Krankheit wird in drei Subtypen unterschieden:
- Die Dent-Krankheit Typ 1 wird durch inaktivierende Mutationen im CLCN5-Gen verursacht, das für einen spannungsgesteuerten Chloridkanal (ClC-5) kodiert. Es sind bisher (2025) ca. 250 CLCN5-Mutationen bekannt. Dabei handelt es sich in etwa 9 % der Fälle um De-novo-Mutationen.
- Bei der Dent-Krankheit Typ 2 sind Mutationen im OCRL1-Gen auslösend. Sie ist häufig durch zusätzliche extrarenale Manifestationen gekennzeichnet. Dazu zählen u.a. leichte kognitive Einschränkungen, Katarakt und Kleinwuchs.
- Bei Betroffenen der Dent-Krankheit Typ 3 konnte das auslösende Gen bisher (2025) noch nicht identifiziert werden.
3. Epidemiologie
Die Dent-Krankheit betrifft meist nur Männer und manifestiert sich bereits im frühen Kindesalter. Konduktorinnen haben i.d.R. eine leichte Proteinurie und können im Verlauf eine leichte Niereninsuffizienz entwickeln. Die Erkrankung ist sehr variabel und unterscheidet sich auch innerhalb von Familien.
4. Klinik
Die Dent-Krankheit ist durch eine Fehlfunktion der proximalen Tubuli und eine Proteinurie mit niedrigem Molekulargewicht gekennzeichnet. Zusätzlich können folgende Symptome auftreten:
- Hyperkalziurie
- Nephrolithiasis
- Nephrokalzinose
- Niereninsuffizienz
- Wachstumsstörungen
- Rachitis
In einigen Fällen ist eine Assoziation mit dem Fanconi-Syndrom beschrieben.
5. Diagnostik
Die Diagnose basiert auf labordiagnostischen, radiologischen und klinischen Untersuchungen. Sie wird durch einen molekulargenetischen Nachweis einer Mutation im CLCN5- oder OCRL1-Gen bestätigt.
6. Differentialdiagnose
Differentialdiagnostisch sollte u.a. an eine primäre Hyperoxalurie, eine familiäre Hypomagnesiämie mit Hyperkalziurie und Nephrokalzinose sowie an eine Zystinurie gedacht werden.
7. Therapie
Die Therapie ist primär symptomatisch und supportiv. Sie zielt darauf ab, einer Nephrolithiasis vorzubeugen, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sicherzustellen und bestehende chronische Nierenerkrankungen zu behandeln. Eine langfristige Versorgung mit einer citrathaltigen Ernährung oder entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln kann den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.
Bei der Gabe von Vitamin D zur Behandlung einer Rachitis ist jedoch Vorsicht geboten, da es die Hyperkalziurie verstärken und somit das Risiko einer Nephrokalzinose erhöhen kann.
8. Prognose
In den meisten Fällen kommt es zwischen dem dritten und fünften Lebensjahrzehnt bei betroffenen Männern zu einer terminalen Niereninsuffizienz. Transplantierte Nieren sind nicht mehr betroffen.
9. Quellen
- Orphanet – Dent-Krankheit Typ 1, abgerufen am 13.02.2025
- ERKNet – Dent-Krankheit, abgerufen am 13.02.2025