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Charles-Bonnet-Syndrom

Synonyme: Occipitalhirnsyndrom ohne Occiptalhirnaffektion, CBS
Englisch: Charles-Bonnet-sydnrome

1 Definition

Beim Charles-Bonnet-Syndrom treten isoliert visuelle Halluzinationen bei nicht psychiatrisch erkrankten Patienten auf. Von der Erkrankung sind hauptsächlich ältere Menschen mit Sehstörungen (Visusdeprivation) betroffen.

2 Hintergrund

Beim langsamen Verlust der Sehfähigkeit treten unwillkürliche, komplexe Halluzinationen auf (z.B. erscheinen sowohl statische als auch bewegte Menschen, Tiere, Gebäude und Szenen, die kurz bestehen bleiben und dann nach mehreren Minuten wieder verschwinden). Die Patienten bleiben dabei bewusstseinsklar, andere Arten von Halluzinationen (taktile, akustische) treten nicht auf. Es entsteht in der Regel auch kein Wahn. Das Syndrom wurde nach Charles Bonnet, einem schweizer Philosophen und Naturwissenschafter benannt. Das CBS ist eine Erkrankung des hohen Alters, es gibt jedoch auch beschriebene Fälle bei Kindern.

3 Ursache

Das CBS kommt bei Patienten vor, die langsam ihre Sehrkraft verlieren. Ursächlich liegen also eine Schädigung der Sehbahn oder des Auges zu Grunde, dabei kann das Auge selbst oder die Sehrinde geschädigt sein. Zu den auslösenden Erkrankungen zählen:

Meist kommt es bei den betroffenen Patienten zu visuellen Erscheinungen im blinden Gesichtsbereich.

4 Symptome

  • Phosphene (Lichterscheinungen)
  • Photopsien (meist geometrische Figuren mit klarem Umriss)
  • Palinopsien (Objekte, die bereits im Gesichtsfeld gesehen wurden, aber nun persisitieren oder erneut erscheinen)
  • Metamorphopsien (Verkleinerungen, Vergrößerungen oder Verzerrungen von gesehenen Objekten)
  • komplexe Halluzinationen (Phantasiegestalten, Bilder, Szenen)
  • Heautoskopien (Doppelgängerhalluzination)

Die genannten Erscheinungen werden vom Patienten als unecht und realitätsfremd erkannt und er kann sich davon distanzieren. Deswegen zählen diese Erscheinungen zu den Illusionen und Pseudohalluzinationen.

5 Diagnose

Folgende diagnostische Kriterien müssen zutreffen:

  • Stereotype optische Halluzinationen
  • Distanzierung von der Echtheit der Wahrnehmungen
  • Keine Halluzinationen in anderen Qualitäten
  • Kein wahnhaftes Erleben

6 Differentialdiagnose

7 Therapie

Die Therapie ist ursächlich. Es sollte eine Verbesserung der Sehrkraft angestrebt werden (Brille, Operation). Beim Katarakt führt eine Linsenoperation zum kompletten Verschwinden der CBS-Symptome. Wenn die Symptome vorwiegend in der Dunkelheit auftreten so kann eine adäquate Beleuchtung die Beschwerden lindern. Kann eine Verbesserung der Sehkraft nicht erreicht werden, so muss eine psychopharmakologische Therapie erfolgen. Dazu werden meist Antipsychotika (Melperon, Risperidon), Antikonvulsiva (Carbamazepin, Clonazepam) und Serotonin-Antagonisten (Ondansetron) eingesetzt.

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