Casimersen
Handelsname: Amondys 45®
Definition
Casimersen ist ein synthetisches antisense-Oligonukleotid, das zur Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) eingesetzt wird. Es richtet sich gezielt gegen die prä-mRNA des Dystrophin-Gens. Dadurch kann bei Patienten mit geeigneten Mutationen ein verkürztes, aber teilweise funktionstüchtiges Dystrophin-Protein in der Skelettmuskulatur gebildet werden.[1]
Wirkmechanismus
Casimersen wirkt als sogenanntes Exonskipping‑Molekül. Es bindet gezielt an die prä‑mRNA des DMD‑Gens in der Region von Exon 45 und moduliert den Spleißvorgang so, dass dieses Exon beim Prozessieren der mRNA ausgelassen wird. Durch das Überspringen des mutierten Exons kann ein intern verkürztes, aber teilweise funktionelles Dystrophin-Protein gebildet werden, das die Stabilität der Muskelzellmembran verbessert.
Pharmakokinetik
Nach intravenöser Infusion erreicht Casimersen seine maximale Plasmakonzentration typischerweise zum Ende der Verabreichung. Der Wirkstoff weist eine geringe Plasmaproteinbindung auf und wird nicht enzymatisch metabolisiert. Mehr als 90 % des Wirkstoffs werden unverändert im Urin ausgeschieden. Die terminale Halbwertszeit im Plasma beträgt etwa 3,5 Stunden. Bei Patienten mit Duchenne‑Muskeldystrophie ist die Kreatininbestimmung zur Erfassung der Nierenfunktion wegen der reduzierten Muskelmasse eingeschränkt.
Indikationen
Casimersen ist indiziert zur Behandlung von Patienten mit Muskeldystrophie Typ Duchenne ab der Kindheit, bei denen eine genetisch bestätigte Mutation des DMD‑Gens vorliegt, die durch ein Exon‑45‑Skipping korrigiert werden kann. Die Anwendung setzt die sichere Identifikation der Mutationsstelle voraus.[2]
Darreichungsform
Der Wirkstoff wird als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung in sterilen Einzeldosen bereitgestellt und nach Verdünnung intravenös verabreicht.
Dosierung
Die empfohlene Dosis beträgt 30 mg/kg Körpergewicht, einmal wöchentlich als intravenöse Infusion. Fehlende Dosen sollten so bald wie möglich nachgeholt werden, gefolgt vom ursprünglichen wöchentlichen Intervall. Vor Therapiebeginn und während der Behandlung sollten Nierenfunktionsparameter kontrolliert werden.
Nebenwirkungen
Häufig berichtete Reaktionen (≥ 20 % der Behandelten) umfassten:
- Infektionen der oberen Atemwege
- Husten
- Fieber
- Kopfschmerzen
- Gelenkschmerzen
- Schmerzen im Mund‑/Rachenraum
Weitere Nebenwirkungen (≥ 10 %) waren Ohrenschmerzen, Übelkeit, Mittelohrentzündungen und Schwindelgefühl. Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen inklusive Angioödem und Anaphylaxie wurden selten beobachtet.[2]
Kontraindikationen
Casimersen ist kontraindiziert bei bekannter schwerer Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels. Aufgrund des Potenzials für Hypersensitivität sollte besonders auf Anzeichen allergischer Reaktionen geachtet werden.
Zulassung
Casimersen wurde am 25. Februar 2021 von der US‑amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA unter dem Accelerated Approval Program für die Behandlung der DMD mit geeigneter Mutation zugelassen. Die Zulassung beruht auf dem Anstieg der Dystrophinproduktion als Surrogat‑Endpunkt. Die vollständige klinische Wirksamkeit soll durch laufende Studien bestätigt werden. Außerhalb der USA liegt derzeit (2026) keine Zulassung vor.
Quellen
- ↑ Shirley, M.: Casimersen: First Approval. Drugs, 2021
- ↑ 2,0 2,1 FDA: Prescribing Information Casimersen, zuletzt abgerufen am 12.01.2026