Brombeere
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Synonyme: Brambeere, Kratzbeere
Definition
Die Echte Brombeere, botanisch als Rubus fruticosus L. bezeichnet, ist eine Arzneipflanze aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Arzneilich verwendet werden die zur Blütezeit gesammelten, getrockneten Laubblätter (Rubi fruticosi folium), die aufgrund ihres Gerbstoffgehalts adstringierend wirken. Die Kommission E nennt sie zur Anwendung bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen sowie äußerlich bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Rubus fruticosus im engeren Sinn ist eine Sammelart, die zahlreiche schwer unterscheidbare Kleinarten umfasst; allein in Mitteleuropa werden etwa 70 wildwachsende, kultivierte und ausgewilderte Sippen gerechnet.
Geschichte
Blätter und Früchte des Brombeerstrauchs werden bereits in den hippokratischen Schriften erwähnt und dienten dort der Behandlung von eiternden und leicht blutenden Geschwüren.
Botanik
Der Brombeerstrauch ist ein bis 3 m hoher, stacheliger Strauch mit drei- bis fünfteiligen Fiederblättern; die Blätter sind unterseits behaart und besitzen eine bestachelte Mittelrippe. Die weißen bis blassrosa Blüten stehen in reichblütigen, rispigen Blütenständen an den Seitentrieben. Die Früchte sind in unreifem Zustand rot und reifen über purpurrot zu schwarzen Sammelsteinfrüchten heran. Im Unterschied zur Himbeere (Rubus idaeus) bleiben die Einzelsteinfrüchte beim Pflücken mit der saftig werdenden Fruchtachse verbunden. Die Brombeere ist in den gemäßigten Zonen weltweit verbreitet, in Europa und Asien teils einheimisch, teils eingebürgert. Sie wächst auf Waldlichtungen, an Waldrändern und in Gebüschen. Die arzneilich verwendete Droge stammt aus Wildvorkommen, vorwiegend in Mittel- und Osteuropa.
Etymologie
Der Gattungsname Rubus leitet sich vom lateinischen ruber (rot) ab und bezieht sich auf die Färbung unreifer Früchte. Das Artepitheton fruticosus (lateinisch frutex = Strauch) verweist auf den strauchigen Habitus. Die deutsche Bezeichnung „Brombeere" geht auf das mittel- bzw. althochdeutsche bramo/bräme (Dornstrauch) und beri (Beere) zurück.
Arzneidroge
Die arzneilich verwendete Droge Rubi fruticosi folium (syn. Folia Rubi fruticosi) besteht aus den zur Blütezeit gesammelten, getrockneten, ganzen oder geschnittenen Laubblättern. Die Qualitätsanforderungen sind im Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC) sowie in der Pharmacopée française (PF) festgelegt; gefordert wird ein Mindestgehalt an Gerbstoffen von 4%.
Inhaltsstoffe
Brombeerblätter enthalten:
- Gerbstoffe (etwa 5–14%), insbesondere hydrolysierbare Gerbstoffe vom Typ der Gallo- und Ellagitannine
- Flavonoide
- Vitamin C
- Schleimstoffe
- geringe Mengen ätherisches Öl
- organische Säuren wie Citronen- und Isocitronensäure
Die pharmakologisch leitenden Inhaltsstoffe sind die Gerbstoffe.
Wirkprofil
Die Wirkung der Droge beruht im Wesentlichen auf den enthaltenen Gerbstoffen. Diese fällen Proteine der oberflächlichen Schleimhautschicht und bilden eine adstringierende Membran, die mechanisch und entzündungshemmend wirkt sowie das weitere Eindringen von Reizstoffen vermindert.
Indikationen
Innere Anwendung
Nach der Monographie der Kommission E werden Brombeerblätter bei unspezifischen, akuten Durchfallerkrankungen eingesetzt.
Äußere Anwendung
Die Kommission E nennt die äußere Anwendung bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut. Traditionell findet die Droge zudem in Gurgelwässern und Waschungen bei Hautausschlägen Verwendung.
Volksmedizinische Anwendung
In der Volksheilkunde wurden Brombeerblätter früher auch bei übermäßiger Menstruation, Weißfluss sowie zur sogenannten Blutreinigung verwendet. Eine klinische Evidenz hierfür liegt nicht vor.
Hinweis zur regulatorischen Einordnung
Brombeerblätter wurden bislang weder vom HMPC noch von der ESCOP bearbeitet. Eine Einstufung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel im Sinne von § 39a AMG liegt nicht vor.
Zubereitungen
- Teeaufguss aus geschnittener Droge, häufig in Teemischungen (z. B. Magentees, Haustees, NRF-Rezepturen)
- Mundspülung und Gurgellösung aus dem Aufguss
- Bestandteil fermentierter Blattmischungen als koffeinfreier Haus- bzw. Frühstückstee
Dosierung
Tagesdosis: 4–6 g Droge. Üblicherweise werden ca. 1,5 g fein geschnittene Brombeerblätter mit etwa 150 ml siedendem Wasser übergossen, nach 10 Minuten abgeseiht und 3- bis 4-mal täglich zwischen den Mahlzeiten warm getrunken.
Der Aufguss kann auch zur Mundspülung und zum Gurgeln verwendet werden. Bei länger andauernden oder wiederholten Durchfällen sowie bei blutigem Stuhl ist ärztlicher Rat einzuholen.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen sind in den vorliegenden Quellen nicht beschrieben.
Kontraindikationen
Für die Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Sicherheitsdaten vor. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wird die Anwendung mangels belastbarer Daten nicht empfohlen.
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen sind nicht bekannt.
Verwechslungen
Eine Abgrenzung zur Himbeere (Rubus idaeus) ist pharmakognostisch relevant, da deren Blätter (Rubi idaei folium, Ph. Eur.) eine eigene Drogenqualität darstellen und volksmedizinisch teils anders eingesetzt werden.
Botanisch unterscheiden sich beide Arten u. a. dadurch, dass die Sammelsteinfrucht der Brombeere bei der Reife mit der Fruchtachse verbunden bleibt, während sich die Himbeerfrucht beim Pflücken vom Fruchtboden löst.
Trivia
Nach Fermentation werden Brombeerblätter als koffeinfreier Ersatz für schwarzen Tee genutzt und sind Bestandteil verschiedener Frühstücks- und Haustees.
Literatur
Teuscher E., Lindequist U., Melzig M.F. (2020). Biogene Arzneimittel – Lehrbuch der Pharmazeutischen Biologie. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart.
Melzig M.F., Hiller K. (2023). Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg.
Kommission E. Monographie Brombeerblätter (Rubi fruticosi folium). Bundesanzeiger 1990.
Schilcher H. Leitfaden Phytotherapie. Van Wyk B.-E. Handbuch der Arzneipflanzen.
Deutscher Arzneimittel-Codex (DAC): Monographie Brombeerblätter (Rubi fruticosi folium).