Arterielle Thrombose
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LoslegenSynonym: Arterienthrombose
Englisch: arterial thrombosis
Definition
Die arterielle Thrombose ist die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) innerhalb einer Arterie. Sie kann zu einem partiellen oder kompletten Verschluss (Okklusion) des Gefäßes führen. Arterielle Thrombosen entstehen häufig durch Ruptur oder Erosion einer Plaque auf dem Boden einer Atherosklerose. Sie können aber auch andere Ursachen haben.
Pathogenese
Der häufigste Mechanismus ist die Atherothrombose: Auf dem Boden einer Atherosklerose kommt es durch Plaqueruptur oder -erosion zur Freilegung thrombogenen Materials, was Thrombozytenadhäsion, -aktivierung und -aggregation sowie eine plasmatische Blutgerinnung auslöst und so zur Thrombusbildung führt.
Arterielle Thromben sind klassischerweise thrombozytenreich („weißer Thrombus"). Die schematische Gegenüberstellung von thrombozytenreichen arteriellen und fibrinreichen venösen Thromben gilt jedoch als vereinfacht, da auch an arteriellen Thromben Fibrin und die plasmatische Gerinnung wesentlich beteiligt sind.
Ursächlich beteiligte Faktoren lassen sich wie folgt gruppieren:
- atherosklerotische Gefäßveränderungen, insbesondere Plaqueruptur und -erosion
- Gefäßwandschädigung oder -entzündung, z.B. nach interventionellen Eingriffen, Trauma oder bei Vaskulitiden
- Prothesen und Fremdmaterial, z.B. Stents, Gefäßprothesen oder Herzklappenprothesen
- systemische prothrombotische Zustände, z.B. das Antiphospholipid-Syndrom oder myeloproliferative Neoplasien
- seltenere Ursachen, z.B. Malignome oder eine paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie
Bei hohen Scherraten vermittelt der von-Willebrand-Faktor über den Rezeptor GPIb insbesondere die initiale Thrombozytenadhäsion an die geschädigte Gefäßwand bzw. das freigelegte Subendothel. Die nachfolgende Thrombozytenaktivierung und -aggregation wird über weitere Rezeptoren und Mediatoren verstärkt, insbesondere das Integrin αIIbβ3, ADP und Thromboxan A2.[1]
Histopathologie
Charakteristisch ist ein intraluminaler, der Gefäßwand anhaftender Thrombus, häufig auf dem Boden einer atherosklerotischen Plaque. Frische arterielle Thromben weisen thrombozyten- und fibrinreiche Abschnitte auf. Im Verlauf können eine bindegewebige Organisation und eine Rekanalisation auftreten.
Konsequenzen
Eine arterielle Thrombose kann das Gefäßlumen partiell einengen oder vollständig verschließen. Die Folge ist eine Reduktion oder Unterbrechung des Blutflusses mit konsekutiver Ischämie der abhängigen Gewebe.
Eine akute arterielle Okklusion kann eine akute Extremitätenischämie verursachen und ist dann ein gefäßmedizinischer Notfall. Ohne Kontraindikation erfolgen eine umgehende gefäßmedizinische Beurteilung, eine systemische Antikoagulation sowie eine dringliche Revaskularisation.[2]
Löst sich ein Thrombus oder ein Thrombusanteil ab und wird mit dem Blutstrom verschleppt, entsteht ein Embolus. Verschließt dieser eine nachgeschaltete Arterie, spricht man von einer arteriellen Embolie. Der Embolus muss dabei nicht aus derselben Arterie stammen – häufige Quellen sind das Herz (z.B. bei Vorhofflimmern) oder die Aorta.
Risikofaktoren
Arterielle Thrombosen teilen viele Risikofaktoren mit der Atherosklerose. Zu den klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren zählen z.B.:
- höheres Lebensalter
- Rauchen
- Diabetes mellitus
- arterielle Hypertonie
- Dyslipidämie
- Adipositas
- Bewegungsmangel
Daneben begünstigen spezifische Gefäß- und prothrombotische Erkrankungen eine arterielle Thrombose:
- bestehende Atherosklerose bzw. pAVK
- chronische Nierenerkrankung
- Vaskulitiden
- Antiphospholipid-Syndrom
- myeloproliferative Neoplasien
- Malignome in geeigneten Konstellationen
Diagnostik
Die Diagnostik richtet sich nach Lokalisation, klinischer Dringlichkeit und vermuteter Ursache. Basismaßnahmen sind Anamnese und körperliche Untersuchung, einschließlich Pulsstatus und – bei Extremitätenischämie – die Bestimmung der arteriellen und venösen Dopplersignale.
Zur bildgebenden Abklärung dienen je nach Gefäßterritorium und Fragestellung die Duplexsonographie, die CT-Angiographie oder die MR-Angiographie. Die invasive Digitale Subtraktionsangiographie (DSA) wird vor allem bei geplanter endovaskulärer Therapie eingesetzt. Bei der akuten Extremitätenischämie darf die Bildgebung die dringliche Revaskularisation nicht verzögern.[3]
Laboruntersuchungen erfolgen je nach klinischer Konstellation, unter anderem Blutbild und Gerinnungsstatus. Eine weiterführende Thrombophiliediagnostik ist nur bei entsprechendem Verdacht (z.B. junges Lebensalter, rezidivierende Ereignisse, fehlende Atherosklerose) indiziert und nicht routinemäßig erforderlich.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach Ätiologie, betroffenem Gefäßterritorium und klinischer Dringlichkeit. Eine Pauschaltherapie der arteriellen Thrombose gibt es nicht. Grundprinzipien sind die rasche Wiederherstellung der Perfusion, die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache und eine an die Ätiologie angepasste Sekundärprävention.
Bei der akuten Extremitätenischämie wird ohne Kontraindikation eine sofortige systemische Antikoagulation, typischerweise mit unfraktioniertem Heparin, eingeleitet, gefolgt von einer zeitnahen Revaskularisation. Als Verfahren kommen je nach Befund die kathetergestützte Thrombolyse, die mechanische oder chirurgische Thrombektomie sowie die Bypass-Operation infrage. Die Wahl hängt unter anderem von Anatomie, Ursache, Gefäßbett und Zustand des Patienten ab.
Für andere Gefäßterritorien – etwa die Koronar- oder die hirnversorgenden Arterien – gelten eigene, territorien- und zeitfensterabhängige Behandlungsschemata (unter anderem Thrombolyse, mechanische Thrombektomie, Thrombozytenaggregationshemmung oder Antikoagulation).
Die Sekundärprävention hängt von der Ursache ab: Bei atherothrombotischer Genese steht die Thrombozytenaggregationshemmung im Vordergrund (z.B. ASS oder Clopidogrel, bei ausgewählten Patienten eine Kombination aus niedrig dosiertem Rivaroxaban und ASS), bei kardioembolischer Genese dagegen eine orale Antikoagulation.[2][4]
Prognose
Die Prognose ist variabel. Sie hängt von Lokalisation, Ausmaß und Dauer der Ischämie, dem Kollateralkreislauf, der zugrunde liegenden Ursache sowie den Begleiterkrankungen ab. Eine verzögerte Behandlung kann zu irreversiblen Gewebeschäden, Amputation oder zum Tod führen. Insbesondere bei der akuten Extremitätenischämie ist die zeitnahe Wiederherstellung der Perfusion entscheidend.
Assoziierte Krankheitsbilder
Die folgenden Krankheitsbilder können ganz oder teilweise auf einer arteriellen Thrombose beruhen, entstehen häufig aber auch durch Embolie oder andere Gefäßmechanismen:
- akute Extremitätenischämie, z.B. bei akuter Thrombose auf dem Boden einer pAVK
- Myokardinfarkt (meist atherothrombotischer Koronarverschluss)
- ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt) – thrombotischer, embolischer oder anderer Genese
- Zentralarterienverschluss (häufig embolisch)
- Mesenterialinfarkt
Quellen
- ↑ Okhota S, Melnikov I, Avtaeva Y, et al. Shear Stress-Induced Activation of von Willebrand Factor and Cardiovascular Pathology. Int J Mol Sci. 2020;21(20):7804.
- ↑ 2,0 2,1 European Society of Cardiology. 2024 ESC Guidelines for the management of peripheral arterial and aortic diseases. Eur Heart J. 2024;45(36):3538-3700.
- ↑ Gornik HL, Aronow HD, Goodney PP, et al. 2024 ACC/AHA Guideline for the Management of Lower Extremity Peripheral Artery Disease. Circulation. 2024;149(24):e1313-e1410.
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin (DGA). S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK). AWMF-Registernummer 065-003. 2024. Verfügbar unter: AWMF-Leitlinienregister.