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Tourette-Syndrom

Synonym: Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, GTS
Englisch: Tourette syndrome

1 Definition

Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um das Auftreten von motorischen oder verbalen Tics, deren Ursache noch ungeklärt ist.

2 Historisches

Erstmals in der Geschichte wurden solche Beobachtungen im Jahr 1885 von dem französischen Neurologen und Rechtsmediziner Georges Gilles de la Tourette beschrieben, nach dem die Krankheit auch benannt wurde.

3 Allgemeines

Das Tourette-Syndrom zählt zu den neurologischen Erkrankungen, die eine psychische Komponente beinhalten. Die Intelligenz ist hierbei jedoch unbeeinträchtigt. Die Krankheit bildet sich meist erst ab dem 7. Lebensjahr aus, wobei sie in der Pubertät besonders stark ausgeprägt ist und danach ein Leben lang fortbesteht. Manchmal konnte ab dem 25. Lebensjahr jedoch eine völlige Rückbildung der Symptomatik beobachtet werden.

Besonders schwierig ist für die Betroffenen die Wahrnehmung durch ihr soziales Umfeld, wodurch die Psyche oft erheblich belastet wird. Der Patient muss mit der Zeit lernen mit den Tics umgehen zu können und diese in seinen Alltag einzubauen, da eine Unterdrückung kaum möglich ist. Von einer gewissen Kontrolle über die hyperkinetisch ablaufenden motorischen Erscheinungen und die unwillkürliche Aussprache wird jedoch in manchen Fällen auch berichtet.

4 Ätiologie

Man vermutet ein Ungleichgewicht von den Neurotransmittern Dopamin und Serotonin im Gehirn. Eine Autoimmunerkrankung kommt ebenfalls in Frage, bei der sich Autoantikörper gegen die Basalganglien im ZNS richten sollen. Auch eine erbliche Form des Tourette-Syndroms wird heutzutage diskutiert, jedoch gibt es für derartige Theorien bislang keine aussagekräftigen Studien.

5 Klinik

Ähnlich wie zum Beispiel beim Morbus Parkinson kommt es auch beim Tourette-Syndrom zu extrapyramidalen Hyperkinesien, die sich in Form von stereotypisch wiederholend ablaufenden Bewegungen, den sogenannten Tics, äußern. Diese immer gleich ablaufende, rasche und unwillkürliche Gestikulation kann auch mit verbalen Tics einhergehen. Dazu zählen unbeabsichtigte Äußerungen oder für das Umfeld des Betroffenen ungewöhnlich vorkommende Geräusche.

Man unterscheidet hierbei:

Einfache motorische Tics

  • Grimassen, Naserümpfen oder Kopfwerfen

Einfache vokale Tics

  • Artikulieren von Lauten oder Imitation von Geräuschen

Komplexe motorische Tics:

  • Kopropraxie: Präsentieren unwillkürlicher, obszöner Gesten
  • Echopraxie: Handlungen und Bewegungen Anderer werden wiederholt und nachgeahmt.
  • Palipraxie: bezeichnet das Wiederholen eigener Handlungen und Bewegungen.

Komplexe vokale Tics:

  • Koprolalie: Neigung, Fäkalsprache zu verwenden
  • Echolalie: Gehörte Sätze oder Worte werden reflexartig wiederholt.
  • Palilalie: Zwang, eigene Wörter oder Sätze ständig zu wiederholen. Dabei reduziert sich die Lautstärke, während sich die Sprechgeschwindigkeit erhöht.

Die Symptomatik verläuft serienmäßig über den Tag hinaus, wobei Art und Schweregrad individuell variieren. Vor allem in für den Betroffenen als anstrengend empfundenen Situationen (Anspannung, Stress etc.) kommt es zu einer Verstärkung der Symptomatik. Nachts sind solche Erscheinungen meistens nicht zu beobachten und verschwinden somit vollkommen.

Bei vielen Patienten, die an einem Tourette-Syndrom leiden, kann eine Komorbidität beobachtet werden. So kommt es oft zu einer Diagnose folgender Begleiterkrankungen:

6 Diagnose

Das Tourette-Syndrom kann ausschließlich durch Beobachtung diagnostiziert werden.

7 Therapie

Es stehen sowohl Verhaltenstherapie als auch Pharmakotherapie zur Verfügung. Die atypischen Neuroleptika Risperidon und Tiaprid haben sich als Mittel der ersten Wahl etabliert.

Fachgebiete: Neurologie

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