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Epiphyseolysis capitis femoris

Synonyme: jugendliche Hüftkopflösung, Epiphysenlösung
Englisch: femoral head epiphysiolysis

Inhaltsverzeichnis

1 Definition

Die Epiphyseolysis capitis femoris ist eine Epiphysenlösung des Femurkopfes mit Dislokation des Kopffragments.

2 Ätiopathogenese

Die Epiphysiolysis capitis femoris ist am ehesten als Ausdruck einer Wachstumsstörung zu verstehen. Eine anlagebedingte Prädisposition ist anzunehmen. Die Bedeutung einer traumatischen Ursache für die Epiphyseolyse wird oft überbewertet, ein Trauma ist nicht zwingend notwendig. Betroffen sind vor allem Jungen in der Pubertät (etwa ab dem 9. Lebensjahr). Das Verhältnis betroffener Jungen zu Mädchen beträgt etwa 3:1.

Betroffene Jungen weisen auffallend häufig ein Übergewicht/Adipositas auf und/oder haben einen eunuchoid-hochwüchsigen Habitus (z.B. im Sinne eines Klinefelter-Syndroms).

3 Formen

Ausgehend von Entstehung und Ausmaß sind akute Epiphyseolysen (Epiphysiolysis capitis femoris acuta) von schleichend verlaufenden Formen (Epyphysiolysis capitis femoris lenta) abzugrenzen.

Bei der akuten Form liegt in der Regel eine vollständige Ablösung der Epiphyse vor. Die Rate der Hüftkopfnekrose ist hoch. Bei der schleichend verlaufenden Form (Lenta-Form) kommt es selten zur kompletten Lösung. Die Epiphysenfuge verbreitert sich allmählich, die Epiphyse verbleibt im Acetabulum, jedoch disloziert der Schenkelhals durch Verschiebung nach kranial und ventral.

Im Verlauf der Lenta-Form kann es zur Dislokation und Luxation des Hüftkopfes oder zum Stillstand der Epiphysenlösung kommen, wenn unter dem Einfluss von Testosteron die Epiphysenfugen verknöchern.

4 Symptomatik

Betroffene Patienten klagen über Schmerzen in Knie und Vorderseite des Oberschenkels. Schmerzen in der Hüfte können vorkommen, sind aber eher atypisch. Außerdem können auch Schmerzen in der Leiste vorkommen. Bei Dislokation besteht eine diskrete Beinverkürzung mit Hinken, zur Schmerzlinderung wird das Bein in Außenrotation gehalten.

5 Diagnostik

Die körperliche Untersuchung stellt die Weichen. Die Innenrotation im Hüftgelenk ist nicht möglich, am leichtesten zu prüfen bei gebeugtem Kniegelenk. Weicht dabei das Hüftgelenk in die Außenrotation aus, ist das sogenannte Drehmann-Zeichen positiv.

Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch Röntgenaufnahmen:

  • In der a.p.-Ansicht des Beckens zeigt sich eine Auflockerung der Epiphysenfuge, bei weiter fortgeschrittener Erkrankung eine Verkleinerung der Epiphyse
  • In der Lauenstein-Aufnahme der Hüfte kann die dorsale Dislokation der Epiphyse gut dargestellt werden

Eine seltene prognostisch ungünstige Komplikation ist der das Waldenström-Syndrom (kein Morbus Waldenström mit IgM-Exzess!), bei dem eine Auflösung der Knorpelzone in der Epiphysenfuge zu einer Verschmälerung des Gelenkspalts führt.

6 Therapie

Eine akute Epiphysiolysis capitis femoris muss nicht als Notfall (innerhalb von 24h) behandelt werden. Das Risiko einer Hüftkopfnekrose durch den Eingriff sinkt sogar bei einer Behandlung später als 48h. Durch Zug wird ein Repositionsversuch durchgeführt, die Stellung dann durch K-Drähte, die "mitwachsen", von lateral fixiert. Die Reposition birgt ebenfalls ein Risiko der Hüftkopfnekrose. Die Behandlung der Lenta-Form ist vom Schweregrad anhängig zu machen.

Leichte Dislokationen können durch Kirschner-Drähte oder Zugschrauben fixiert werden. Größere Dislokationen erfordern ein intensiviertes Vorgehen. In der Regel wird dabei eine Imhäuser-Operation als korrigierende Osteotomie durchgeführt. Dabei wird der Hüftkopf durch eine entsprechende Osteotomie unterhalb des Trochanter major derotiert und flektiert. Ergänzend erfolgt eine Stabilisierung mit Zugschrauben und Platten.

Entscheidend für den Erfolg der Therapie ist die rechtzeitige Diagnosestellung und rechtzeitiges Handeln bei Dislokationen.

Fachgebiete: Orthopädie

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