Ergocalciferol
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LoslegenHandelsnamen: Vitalipid Infant-/Adult® u.a.
Synonyme: Ergocalciferolum, Vitamin D2, Calciferol u.a.
Englisch: ergocalciferol
Definition
Als Ergocalciferol bezeichnet man das zur Gruppe der Calciferole gehörige Vitamin D2. Es handelt sich um eine Form des Vitamin D, die aus pflanzlichen bzw. pilzlichen Sterinderivaten (Ergosterol) durch UV-Bestrahlung entsteht und dem menschlichen Körper über die Nahrung (v.a. UV-belichtete Pilze) oder über Supplemente zugeführt wird. Ergocalciferol wird zur Behandlung von Knochenmineralisationsstörungen, zur Förderung der Calciumaufnahme und zur Regulierung des Calciumhaushalts eingesetzt.
Chemie
Ergocalciferol ist strukturell ein Secosteroid (Summenformel C28H44O). Ergocalciferol entsteht aus Ergosterol durch UV-Einwirkung, bei der zunächst der B-Ring des Steringerüsts gespalten wird. Über die Zwischenstufe Prävitamin D2 entsteht daraus das Vitamin. Diese Umwandlung findet – anders als die Bildung von Cholecalciferol (Vitamin D3) – nicht in der menschlichen Haut statt, sondern in Pilzen, Hefen und einigen Pflanzen (bzw. industriell). Von Cholecalciferol unterscheidet sich Ergocalciferol durch eine zusätzliche Doppelbindung zwischen C22 und C23 sowie eine Methylgruppe an C24 in der Seitenkette.
Wirkmechanismus
Ergocalciferol ist ein Prohormon und wird zunächst in der Leber zu 25-Hydroxyergocalciferol hydroxyliert. Anschließend entsteht in der Niere die hormonell aktive Form 1,25-Dihydroxyergocalciferol. Diese wirkt – wie Calcitriol – über den Vitamin-D-Rezeptor. Sie steigert die enterale Resorption von Calcium und Phosphat und fördert die renale tubuläre Calciumrückresorption. In den Knochen stimuliert aktives Vitamin D über RANKL an Osteoblasten die Osteoklasten und mobilisiert bei Bedarf Calcium und Phosphat – ein Mechanismus der Calciumhomöostase. Die knochenmineralisierende, antirachitische Wirkung beruht letztlich darauf, dass durch das ausreichende Angebot an Calcium und Phosphat das neu gebildete Osteoid mineralisiert werden kann.
Pharmakokinetik
Ergocalciferol wird peroral (als Lösung, Kapsel oder Emulsion) oder parenteral (z.B. als Infusion) appliziert. Im Blut liegt es nahezu vollständig an Plasmaproteine – v.a. das Vitamin-D-bindende Protein – gebunden vor. Die Aktivierung erfolgt hepatisch und renal. Die Plasmahalbwertszeit der Muttersubstanz wird mit durchschnittlich etwa 33 Stunden angegeben. Der zirkulierende 25-Hydroxy-Metabolit besitzt dagegen eine deutlich längere Halbwertszeit von mehreren Wochen.
Indikationen
Ergocalciferol ist in einigen Ländern zur Behandlung der Vitamin-D-resistenten Rachitis sowie der familiären Hypophosphatämie und des Hypoparathyreoidismus zugelassen. Folgende Erkrankungen sind eine Indikation:
- Rachitis
- Osteomalazie
- Pseudohypoparathyreoidismus, Hypoparathyreoidismus
- Osteoporose
- Malabsorption
Darüber hinaus wird der Arzneistoff zur Vorbeugung von Rachitis bei Säuglingen und Kleinkindern sowie zur Verringerung des Risikos von Vitamin-D-Mangelerkrankungen angewendet.
Nebenwirkungen
- Störungen des Gastrointestinaltrakts: Übelkeit, Erbrechen, Obstipation
- Hyperkalzämie
- allergische Hautreaktionen: Juckreiz, Hautausschlag, Hautrötung, Urtikaria
- Kopfschmerzen, Schwäche, Ermüdung
- Durst, Dehydratation, Harndrang, Harninkontinenz
- Herzrhythmusstörungen
- Gewichtsabnahme
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Hyperkalzämie, Hyperkalzurie
- Sarkoidose und andere granulomatöse Erkrankungen
- schwere Niereninsuffizienz, Nephrolithiasis
Wechselwirkungen
- Thiaziddiuretika: erhöhtes Risiko einer Hyperkalzämie
- enzyminduzierende Arzneistoffe (z.B. Phenytoin, Barbiturate, Rifampicin): beschleunigter Abbau und verminderte Wirkung
- Herzglykoside: erhöhte Arrhythmiegefahr bei begleitender Hyperkalzämie
Zulassung
Ergocalciferol-Monopräparate sind im deutschsprachigen Raum wenig verbreitet. Überwiegend wird Cholecalciferol (Vitamin D3) eingesetzt. In der Literatur wird D3 meist bevorzugt, da es den 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel effizienter und anhaltender anhebt. Die Gleichwertigkeit von D2 und D3 ist umstritten.[1][2]
Quellen
- ↑ Binkley N et al. Evaluation of Ergocalciferol or Cholecalciferol Dosing, 1,600 IU Daily or 50,000 IU Monthly in Older Adults. J Clin Endocrinol Metab. 2011;96(4):981-988.
- ↑ Houghton LA, Vieth R. The case against ergocalciferol (vitamin D2) as a vitamin supplement. Am J Clin Nutr. 2006;84(4):694-697.