Tractus spinothalamicus anterior: Unterschied zwischen den Versionen

(Steht schon unter 5.)
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 14: Zeile 14:


==Verlauf==
==Verlauf==
Der Tractus spinothalamicus anterior führt Afferenzen der grob diskriminierenden Mechanosensorik (früher: "[[protopathische Sensibilität]]"), die zum Beispiel über [[Ruffini-Körperchen]] oder [[Merkel-Zelle]]n und dann über mittelstark [[myelinisiert]]e [[A-β-Faser]]n vermittelt wird. Schmerz- und Temperaturempfindung wird dagegen über den Tractus spinothalamicus lateralis ins Gehirn geleitet.  
Der Tractus spinothalamicus anterior führt Afferenzen der grob diskriminierenden Mechanosensorik, die zum Beispiel über [[Ruffini-Körperchen]] oder [[Merkel-Zelle]]n und dann über mittelstark [[myelinisiert]]e [[A-β-Faser]]n vermittelt wird. Die Schmerz- und Temperaturempfindung wird dagegen über den Tractus spinothalamicus lateralis ins Gehirn geleitet.  


Das 1. Neuron dieser Bahn liegt im [[Spinalganglion]]. Die ins Rückenmark verlaufenden Fasern werden im [[Cornu posterius medullae spinalis]] zunächst auf [[Interneuron]]e der Laminae I und II und von dort auf Strangzellen besonders der Lamina V umgeschaltet. Deren [[afferent]]e Fasern kreuzen ''zumeist'' (ca. 80%) auf Segmenthöhe durch die [[Commissura alba anterior]] zur Gegenseite und projizieren schließlich als Teil des [[Funiculus anterolateralis|anterolateralen Systems]] nach zentral. Ungefähr 20% der Fasern kreuzen erst in der Medulla oblongata. Die Fasern lagern sich im Hirnstamm dem Lemniscus medialis an, der vom Fasciculus gracilis und cuneatus gebildet wird.
Das 1. Neuron dieser Bahn liegt im [[Spinalganglion]]. Die ins Rückenmark verlaufenden Fasern werden im [[Cornu posterius medullae spinalis]] zunächst auf [[Interneuron]]e der Laminae I und II und von dort auf Strangzellen besonders der Lamina V umgeschaltet. Deren [[afferent]]e Fasern kreuzen ''zumeist'' (ca. 80%) auf Segmenthöhe durch die [[Commissura alba anterior]] zur Gegenseite und projizieren schließlich als Teil des [[Funiculus anterolateralis|anterolateralen Systems]] nach zentral. Ungefähr 20% der Fasern kreuzen erst in der Medulla oblongata. Die Fasern lagern sich im Hirnstamm dem Lemniscus medialis an, der vom Fasciculus gracilis und cuneatus gebildet wird.

Version vom 29. Dezember 2017, 00:56 Uhr

Synonym: Dejerine-Bündel (obsolet)
Englisch: anterior spinothalamic tract

Definition

Der Tractus spinothalamicus anterior ist eine aufsteigende Faserbahn der Vorderseitenstrangbahn (Funiculus anterolateralis). Über sie werden grobe Mechanosensorik, sowie viszerosensible Stimuli nach zentral vermittelt.

Topographie

Der Tractus spinothalamicus anterior liegt ventral des Vorderhorns (Cornu anterius) der grauen Substanz innerhalb der Substantia alba und bildet zusammen mit den sich lateral anschließenden Tractus spinoreticularis und spinotectalis die funktionelle Vorderseitenstrangbahn des anterolateralen Systems.

Neurone

Verlauf

Der Tractus spinothalamicus anterior führt Afferenzen der grob diskriminierenden Mechanosensorik, die zum Beispiel über Ruffini-Körperchen oder Merkel-Zellen und dann über mittelstark myelinisierte A-β-Fasern vermittelt wird. Die Schmerz- und Temperaturempfindung wird dagegen über den Tractus spinothalamicus lateralis ins Gehirn geleitet.

Das 1. Neuron dieser Bahn liegt im Spinalganglion. Die ins Rückenmark verlaufenden Fasern werden im Cornu posterius medullae spinalis zunächst auf Interneurone der Laminae I und II und von dort auf Strangzellen besonders der Lamina V umgeschaltet. Deren afferente Fasern kreuzen zumeist (ca. 80%) auf Segmenthöhe durch die Commissura alba anterior zur Gegenseite und projizieren schließlich als Teil des anterolateralen Systems nach zentral. Ungefähr 20% der Fasern kreuzen erst in der Medulla oblongata. Die Fasern lagern sich im Hirnstamm dem Lemniscus medialis an, der vom Fasciculus gracilis und cuneatus gebildet wird.

Projektion

Die Fasern des Tractus spinothalamicus anterior terminieren an den Neuronen des Nucleus ventralis posterolateralis des Thalamus, deren Axone auf den primären und sekundären somatosensorischen Cortex (SI, SII) des Gyrus postcentralis projizieren.

Bei einer Läsion des Vorderseitenstrangs kommt es kontralateral des Läsionsorts unterhalb des betroffenen Segments zu einer Herabsetzung der groben Druck- und Berührungsempfindung.