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'''''Englisch''': ossification''
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==Definition==
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Das Gegenteil, der Abbau von Knochengewebe, nennt sich [[Osteolyse]].
Das Gegenteil, der Abbau von Knochengewebe, nennt sich [[Osteolyse]].


==Hintergrund==
==Physiologie==
Die Ossifikation ist ein physiologischer Prozess, der vom Organismus zum [[Wachstum]] oder zur [[Regeneration]] (z.B. nach einer [[Fraktur]]) eingesetzt wird.
Die Ossifikation ist ein physiologischer Prozess, der vom Organismus zum [[Wachstum]] oder zur [[Regeneration]] (z.B. nach einer [[Fraktur]]) eingesetzt wird. Er beinhaltet den Aufbau einer organischen [[Knochenmatrix]] (im Wesentlichen [[Kollagen I|Kollagen Typ I]]) durch [[Osteoblast|Osteoblasten]] und die [[Knochenmineralisation]]. Durch diese beiden, weitgehend parallel ablaufenden Vorgänge entsteht ein belastungsfähiges Nanokomposit aus kristallinem [[Hydroxylapatit]] und Kollagen.


== Einteilung ==
Neuer Knochen kann sich ''direkt'' aus [[Bindegewebe]] oder ''indirekt'' über [[Knorpel]] als Zwischenstufe bilden. Demnach unterscheidet man zwei Formen der Ossifikation:
Neuer Knochen kann sich ''direkt'' aus [[Bindegewebe]] oder ''indirekt'' über [[Knorpel]] als Zwischenstufe bilden. Demnach unterscheidet man zwei Formen der Ossifikation:
* [[Desmale Ossifikation]]
* [[Desmale Ossifikation]]
* [[Chondrale Ossifikation]]
* [[Chondrale Ossifikation]]
Eine Knochenneubildung kann unter bestimmten Bedingungen auch [[pathologisch]] im [[Bindegewebe]] außerhalb des Skeletts auftreten. In diesem Fall spricht man von [[heterotope Ossifikation|heterotoper Ossifikation]], wie sie z.B. bei der [[Myositis ossificans progressiva]] auftritt.


==Physiologie==
Sowohl bei der desmalen als auch bei der chondralen Ossifikation entsteht zunächst unreifer [[Geflechtknochen]], bei dem die [[Kollagenfibrille]]n der Knochengrundsubstanz noch ungeordnet sind. Der Geflechtknochen - auch Faserknochen genannt -  hat aufgrund dieser "anarchischen" Struktur nur eine geringe mechanische Festigkeit. Durch mechanische Beanspruchung des Geflechtknochens kommt es zum Umbau in den strukturierten und daher stabileren [[Lamellenknochen]].
Sowohl bei der desmalen als auch bei der chondralen Ossifikation entsteht zunächst unreifer [[Geflechtknochen]], bei dem die [[Kollagenfibrille]]n der Knochengrundsubstanz noch ungeordnet sind. Der Geflechtknochen - auch Faserknochen genannt -  hat aufgrund dieser "anarchischen" Struktur nur eine geringe mechanische Festigkeit. Durch mechanische Beanspruchung des Geflechtknochens kommt es zum Umbau in den strukturierten und daher stabileren [[Lamellenknochen]].
 
==Pathophysiologie==
Eine Knochenneubildung kann unter bestimmten Bedingungen auch [[pathologisch]] im [[Bindegewebe]] außerhalb des Skeletts, d.h. [[extraossär]] auftreten. In diesem Fall spricht man von einer [[heterotope Ossifikation|heterotopen Ossifikation]]. Beispiele sind die [[Myositis ossificans]] (MO) oder die [[pulmonale Ossifikation]] (PO). Als mögliche Ursachen kommen neben genetischen Faktoren chronische [[Entzündungsmediator|Entzündungsprozesse]] mit vermehrter Expression von [[Wachstumsfaktor|Wachstumsfaktoren]] in Frage.


==Klinik==
==Klinik==
Krankheitsbilder durch fehlerhafte Ossifikation ([[Ossifikationsstörung]]en) sind die Domäne der [[Orthopädie]]. Hierzu zählt zum Beispiel der [[Morbus Osgood-Schlatter]]
Krankheitsbilder durch fehlerhafte Ossifikation ([[Ossifikationsstörung]]en) sind die Domäne der [[Orthopädie]]. Hierzu zählt zum Beispiel der [[Morbus Osgood-Schlatter]].
 
== Podcast ==
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==Bildquelle==
* Bildquelle Podcast: ©Stefan Spassov/ [https://unsplash.com/de/fotos/0MRtQDBEK74 Unsplash]
 
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[[Tag:FlexTalk]]
[[Tag:Knochen]]
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[[Tag:Knochenbildung]]
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[[Tag:Osteogenese]]
[[Tag:Osteogenese]]
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Aktuelle Version vom 22. März 2024, 14:01 Uhr

von lateinisch: os - Knochen, facere - herstellen
Synonyme: Osteogenese, Knochenneubildung, Knochenbildung
Englisch: ossification

Definition

Als Ossifikation oder Osteogenese bezeichnet man die Bildung von Knochengewebe.

Das Gegenteil, der Abbau von Knochengewebe, nennt sich Osteolyse.

Physiologie

Die Ossifikation ist ein physiologischer Prozess, der vom Organismus zum Wachstum oder zur Regeneration (z.B. nach einer Fraktur) eingesetzt wird. Er beinhaltet den Aufbau einer organischen Knochenmatrix (im Wesentlichen Kollagen Typ I) durch Osteoblasten und die Knochenmineralisation. Durch diese beiden, weitgehend parallel ablaufenden Vorgänge entsteht ein belastungsfähiges Nanokomposit aus kristallinem Hydroxylapatit und Kollagen.

Einteilung

Neuer Knochen kann sich direkt aus Bindegewebe oder indirekt über Knorpel als Zwischenstufe bilden. Demnach unterscheidet man zwei Formen der Ossifikation:

Sowohl bei der desmalen als auch bei der chondralen Ossifikation entsteht zunächst unreifer Geflechtknochen, bei dem die Kollagenfibrillen der Knochengrundsubstanz noch ungeordnet sind. Der Geflechtknochen - auch Faserknochen genannt - hat aufgrund dieser "anarchischen" Struktur nur eine geringe mechanische Festigkeit. Durch mechanische Beanspruchung des Geflechtknochens kommt es zum Umbau in den strukturierten und daher stabileren Lamellenknochen.

Pathophysiologie

Eine Knochenneubildung kann unter bestimmten Bedingungen auch pathologisch im Bindegewebe außerhalb des Skeletts, d.h. extraossär auftreten. In diesem Fall spricht man von einer heterotopen Ossifikation. Beispiele sind die Myositis ossificans (MO) oder die pulmonale Ossifikation (PO). Als mögliche Ursachen kommen neben genetischen Faktoren chronische Entzündungsprozesse mit vermehrter Expression von Wachstumsfaktoren in Frage.

Klinik

Krankheitsbilder durch fehlerhafte Ossifikation (Ossifikationsstörungen) sind die Domäne der Orthopädie. Hierzu zählt zum Beispiel der Morbus Osgood-Schlatter.

Podcast

FlexTalk – Knochen wie Stahlbeton
FlexTalk – Knochen wie Stahlbeton

Bildquelle

  • Bildquelle Podcast: ©Stefan Spassov/ Unsplash