X-chromosomal komplizierte Corpus-callosum-Agenesie
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LoslegenSynonyme: X-linked complicated corpus callosum agenesis,X-chromosomal komplizierte Corpus-callosum-Dysgenesie, X-chromosomale partielle Corpus-callosum-Agenesie
Englisch: X-linked complicated corpus callosum dysgenesis
Definition
Die X-chromosomal komplizierte Corpus-callosum-Agenesie, kurz CCA, ist eine Verlaufsform des L1-Syndroms. Sie ist durch eine partielle bis vollständige Agenesie oder Hypoplasie des Balkens in Kombination mit einer variabel ausgeprägten spastischen Paraparese und einer leichten bis mittelgradigen Intelligenzminderung gekennzeichnet.[1]
Hintergrund
Die X-chromosomal komplizierte Corpus-callosum-Agenesie ist eine der drei klassischen klinischen Erscheinungsformen des L1-Syndroms neben dem X-chromosomalen Hydrozephalus mit Aquäduktstenose (HSAS) und dem MASA-Syndrom. Es handelt sich um eine sehr seltene Erkrankung mit bislang nur einzelnen in der Literatur beschriebenen Familien. Da alle drei Erscheinungsformen auf Varianten desselben Gens zurückgehen, können sie – auch innerhalb derselben Familie – fließend ineinander übergehen.
Ätiologie
Ursächlich sind hemizygote Varianten im L1CAM-Gen auf dem X-Chromosom (Genlokus Xq28), die x-chromosomal-rezessiv vererbt werden. Das Gen kodiert für das neuronale Zelladhäsionsmolekül L1, das am Wachstum von Neuriten, an der Synaptogenese und an der Myelinisierung von Neuronen beteiligt ist. Störungen dieser Prozesse während der Embryonalentwicklung führen zu der charakteristischen Fehlanlage des Balkens sowie zu den begleitenden spinalen und zerebralen Symptomen.
Symptome
Das klinische Bild ist variabel und umfasst:
- Leichte bis mittelgradige Intelligenzminderung
- Variabel ausgeprägte spastische Paraparese der Beine
- Gelegentlich Mikrozephalie
- Selten epileptische Anfälle
- Fakultativ assoziierte Fehlbildungen, z.B. Hirschsprung-Krankheit
Bei einigen Betroffenen fehlen Spastik, Hydrozephalus und adduzierte Daumen vollständig, sodass sich die Erkrankung klinisch nur durch die milde Intelligenzminderung und den Balkenbefund bemerkbar macht.
Diagnostik
In der Magnetresonanztomographie (MRT) zeigt sich ein verkürzter, dysgenetischer Balken, typischerweise mit Hypoplasie von Isthmus und Splenium. Fakultativ finden sich:
- Ventrikulomegalie mit unregelmäßig-höckriger Ventrikelkontur
- Kleinhirn- oder Vermishypoplasie
- Megacisterna magna oder retrovermiane Arachnoidalzyste[2]
Die molekulargenetische Sicherung erfolgt durch Nachweis einer pathogenen Variante im L1CAM-Gen.
Therapie
Eine kausale Therapie existiert nicht. Die Behandlung ist symptomatisch und umfasst je nach Ausprägung Physiotherapie und Ergotherapie bei spastischer Paraparese, Frühförderung und sonderpädagogische Unterstützung bei Intelligenzminderung sowie ggf. eine antikonvulsive Therapie. Betroffenen Familien wird eine humangenetische Beratung angeboten.
Prognose
Die Prognose richtet sich nach dem Ausmaß der Balkenfehlbildung und der Begleitsymptomatik. Mild betroffene Patienten mit isolierter Intelligenzminderung ohne Spastik oder Hydrozephalus haben eine normale Lebenserwartung; bei ausgeprägterer Beteiligung bestimmen Grad der Spastik und assoziierte Fehlbildungen den Verlauf.
Quellen
- ↑ Orphanet: Corpus callosum-Dysgenesie, komplizierte, X-chromosomale, zuletzt abgerufen am 25.09.2026
- ↑ Bousquet I, Bozon M, Castellani V, Touraine R, Piton A, Gérard B, Guibaud L, Sanlaville D, Edery P, Saugier-Veber P, Putoux A. X-linked partial corpus callosum agenesis with mild intellectual disability: identification of a novel L1CAM pathogenic variant. Neurogenetics. 2021;22:43–51.