Weddinger Modell
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LoslegenEnglisch: Wedding Model
Definition
Das Weddinger Modell ist ein recoveryorientiertes, trialogisches Behandlungskonzept für die psychiatrische Akutversorgung. Es wurde 2010 an der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin entwickelt und setzt auf eine umfassende Haltungs- und Strukturveränderung zugunsten von Transparenz, Partizipation, Multiprofessionalität und der Minimierung von Zwangsmaßnahmen.[1]
Kernelemente
| Kernelement | Bedeutung |
|---|---|
| Trialog | Gleichberechtigte Begegnung von Psychiatrie-Erfahrenen, Angehörigen und Fachkräften. Kein Gespräch über Patienten, sondern mit ihnen. |
| Recovery- und Empowerment-Orientierung | Recovery wird als tiefgreifend persönlicher Prozess der Veränderung von Einstellungen, Werten, Gefühlen, Zielen, Fähigkeiten und/oder Rollen verstanden, nicht als Symptomfreiheit, sondern als selbstbestimmtes, bedeutungsvolles Leben. Defizitorientierung weicht konsequent einer Ressourcen- und Resilienz-Sicht. |
| Multiprofessionelle Bezugstherapeutenteams | Ärzte, Pflege, Psychologen, Sozialarbeiter und andere therapeutische Berufsgruppen tragen die Therapie gleichwertig. Flache Hierarchien und gemeinsam verantwortete Entscheidungen ersetzen das klassische Delegationsmodell. |
| Interprofessionelle, partizipative Visiten | Therapiepläne werden gemeinsam mit Patienten, und nach Einverständnis mit Angehörigen, erstellt. Entscheidungen werden transparent kommuniziert und gemeinsam verantwortet. |
| Offene Türen | Durchgängig oder zeitweise offene Stationstüren bilden die strukturelle Voraussetzung für eine gleichberechtigte Beziehungsgestaltung. Offene Türen sind Element einer Strategie möglichst minimaler Restriktionen. |
| EX-IN-Genesungsbegleitung (Peer-Arbeit) | Genesungsbegleiter absolvieren eine einjährige modulare Qualifizierung (12 Wochenend-Module, 2 Praktika, Portfolio) und werden als fester Bestandteil der Bezugstherapeutenteams integriert. Vertrauensvolle Beziehung auf Basis geteilter Erfahrungen. |
| Behandlungsvereinbarungen | Bilaterale schriftliche Vorausverfügungen für künftige Krisen, die Patienten in stabiler Phase gemeinsam mit der Klinik treffen.[2] |
| Standardisierte Nachbesprechung von Zwangsmaßnahmen | Nach jeder Zwangsmaßnahme findet eine gemeinsame Reflexion zwischen Betroffenen, Team und gegebenenfalls Angehörigen statt. Ziel: Traumatisierung reduzieren, Entscheidungen transparent machen, Wiederholungen vermeiden.[3] |
| Kontinuität (ambulant und stationär) | Bezugspersonen begleiten Patienten möglichst über Settingwechsel hinweg. Das ambulante Setting wird dem stationären ausdrücklich vorgezogen. |
Quellen
- ↑ Mahler et al., Therapeutische Haltung und Strukturen in der (offenen) Akutpsychiatrie: das Weddinger Modell, Nervenarzt, 2019
- ↑ Henderson et al., Effect of joint crisis plans on use of compulsory treatment in psychiatry: single blind randomised controlled trial, BMJ, 2004
- ↑ Wullschleger et al., Standardisierte Nachbesprechung von Zwangsmaßnahmen auf psychiatrischen Akutstationen: Ergebnisse einer Pilotstudie, Psychiatr Prax, 2019
Literatur
- Mahler et al., Das Weddinger Modell: Ein recoveryorientiertes Psychiatriekonzept, 2., vollst. überarb. Aufl., Psychiatrie Verlag, 2022
- Mahler et al., Nachbesprechung von Zwangsmaßnahmen: Ein Praxisleitfaden, Psychiatrie Verlag, 2021
- Dietz et al., Behandlungsvereinbarungen: Vertrauensbildende Maßnahmen in der Akutpsychiatrie, Psychiatrie Verlag, 1998
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Fachgebiete:
Psychiatrie, Psychotherapie
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