Vibrio vulnificus
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Loslegenvon lateinisch: vulnus - Wunde
Englisch: Vibrio vulnificus
Definition
Vibrio vulnificus ist ein gramnegatives, motiles, potentiell humanpathogenes Bakterium aus der Gattung Vibrio, das u.a. Wundinfektionen auslösen kann.
Taxonomie
- Domäne: Bakterien
- Phylum: Pseudomonadota
- Klasse: Gammaproteobacteria
- Ordnung: Vibrionales
- Familie: Vibrionaceae
- Gattung: Vibrio
- Spezies: Vibrio vulnificus
- Gattung: Vibrio
- Familie: Vibrionaceae
- Ordnung: Vibrionales
- Klasse: Gammaproteobacteria
- Phylum: Pseudomonadota
Morphologie
Vibrio vulnificus ist ein gekrümmtes, stäbchenförmiges Bakterium mit einer Größe von etwa 0,5–0,8 × 1,4–2,6 μm. Es besitzt eine polare Geißel, die ihm seine charakteristische Beweglichkeit verleiht. Die Zellen können einzeln, in Paaren oder in kurzen Ketten vorkommen. Auf geeigneten Nährmedien bildet das Bakterium glatte, konvexe Kolonien mit grünlicher Färbung.
Eigenschaften
Vibrio vulnificus ist streng halophil. Ab einer Salinität von 5 ‰ und einer Wassertemperatur ab etwa 20 °C muss mit dem Auftreten von Vibrio vulnificus gerechnet werden.
Ein relevanter Pathogenitätsfaktor des Erregers ist seine Polysaccharidkapsel, die eine Phagozytose und Opsonisierung durch das Immunsystem des Wirts verhindert.
Vorkommen
Vibrio vulnificus kommt vor allem in subtropischen und tropischen Ländern vor. In Europa besteht eine Infektionsgefahr in warmen Sommern, bei einer anhaltenden Wassertemperatur über 20 °C. Vereinzelte Infektionen wurden auch in Deutschland an der Ostsee (Lübecker Bucht, Usedom) beschrieben. Aktuelle Studien zeigen eine Zunahme von Vibrio-vulnificus-Infektionen in Nordamerika, die mit der globalen Erwärmung in Verbindung gebracht werden.[1]
Übertragung
Die Übertragung erfolgt beim Baden in kontaminiertem Wasser oder bei der Verarbeitung bzw. beim Essen roher Meeresfrüchte (z.B. Austern).
Klinik
Besonders gefährdet sind Personen mit geschwächtem Immunsystem, z.B. Patienten unter Immunsuppression, Diabetiker, Tumorpatienten und ältere Menschen. Zusätzlich gelten Lebererkrankungen (einschließlich Alkoholismus) sowie ein Alter zwischen 45 und 59 Jahren als weitere Risikofaktoren. Vibrio vulnificus kann bei diesen Personen schwere Wundinfektionen mit tiefgreifenden Nekrosen (nekrotisierende Fasziitis) auslösen, die oft eine Amputation notwendig machen. Kommt es zu einer systemischen Generalisierung, kann die Letalität über 50 % betragen.[2]
Nachweis
Der Nachweis von Vibrio vulnificus erfolgt durch Anzucht auf selektiven Nährmedien wie TCBS-Agar (Thiosulfat-Citrat-Gallensalz-Saccharose-Agar), auf dem die Kolonien grün erscheinen. Die optimale Wachstumstemperatur liegt bei 37 °C. Die Identifizierung erfolgt durch biochemische Tests, insbesondere den positiven Oxidase-Test, sowie durch molekularbiologische Methoden wie PCR. Moderne Diagnostiklabore verwenden zunehmend MALDI-TOF-Massenspektrometrie zur schnellen Speziesidentifizierung.
Therapie
Die Erkrankung erfordert eine sofortige intravenöse Antibiotikatherapie im intensivmedizinischen Setting. Aufgrund zunehmender Antibiotikaresistenzen sollte die empirische Therapie an aktuelle Resistenzmuster angepasst werden. Infrage kommen:
- Cephalosporine der 3. Generation (z.B. Ceftazidim, Cefotaxim) in Kombination mit Doxycyclin
- Fluorchinolone (z.B. Ciprofloxacin, Levofloxacin)
Zusätzlich ist meist ein ausgedehntes Débridement der befallenen Gewebeareale notwendig.
Quellen
- ↑ Archer et al., Climate warming and increasing Vibrio vulnificus infections in North America, Sci Rep, 2023
- ↑ Candelli et al., Vibrio vulnificus-A Review with a Special Focus on Sepsis, Microorganisms, 2025