Tioconazol
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LoslegenHandelsname(n): Trosyd®, Gyno-Trosyd®, Vagistat-1®
Synonym: Thioconazol
Englisch: tioconazole
Definition
Tioconazol ist ein Imidazol-Antimykotikum zur topischen Therapie von Pilzinfektionen der Haut, Nägel und Vaginalschleimhaut. Der Wirkstoff wird nur auf der Haut oder Schleimhaut (intravaginal) angewendet.
Chemie
Tioconazol gehört chemisch zur Gruppe der Imidazole und liegt als racemisches Gemisch vor. Wie andere Imidazol-Antimykotika trägt es eine 1-substituierte Imidazol-Gruppe, die für die Bindung an das Zielenzym essenziell ist.
Wirkmechanismus
Tioconazol hemmt die Lanosterin-14α-Demethylase der Pilze und damit die Bildung von Ergosterol. Dadurch werden Aufbau und Funktion der Plasmamembran der Pilze gestört.
Das Wirkspektrum umfasst insbesondere Dermatophyten und Hefepilze wie Candida-Arten. Darüber hinaus besteht in vitro eine Wirkung gegen verschiedene Schimmelpilze und einige grampositive Bakterien sowie gegen Gardnerella vaginalis und Trichomonas vaginalis. Letzteres erklärt eine gewisse klinische Wirksamkeit bei Trichomonadenkolpitis.[1]
Pharmakokinetik
Nach kutaner oder intravaginaler Anwendung wird Tioconazol nur in geringem Umfang systemisch resorbiert. Entsprechend sind klinisch relevante systemische Wechselwirkungen bei bestimmungsgemäßer lokaler Anwendung nicht zu erwarten.[2]
Indikationen
Die zugelassenen Anwendungsgebiete unterscheiden sich je nach Darreichungsform und Land. Dazu gehören unter anderem:[3]
Darreichungsformen
Tioconazol steht je nach Indikation und Land in unterschiedlichen Zubereitungen zur Verfügung: als 1%ige Creme, Lösung oder Spray-Lösung zur kutanen Anwendung, als 6,5%ige Vaginalsalbe bzw. -creme oder als Ovulum zur intravaginalen Anwendung sowie als hochkonzentrierte (bis 28%) wirkstoffhaltige Nagellack-Zubereitung zur Behandlung von Onychomykosen.
Dosierung
Bei kutaner Anwendung wird Tioconazol 1% in der Regel ein- bis zweimal täglich über 2–4 Wochen auf die betroffenen Hautareale aufgetragen.[4] Bei der vulvovaginalen Candidose wird die Vaginalzubereitung meist als Einzeldosis appliziert. Der wirkstoffhaltige Nagellack wird üblicherweise ein- bis zweimal wöchentlich über mehrere Monate bis zum vollständigen Nachwachsen des Nagels angewendet.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
Die häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind lokale Reaktionen wie Brennen, Pruritus, Haut- oder Schleimhautreizungen und Erytheme. Eine Kontaktdermatitis oder andere allergische Reaktionen können auftreten. Für den tioconazolhaltigen Nagellack ist deren Häufigkeit als nicht bekannt angegeben.[2]
Kontraindikationen
Tioconazol ist bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder anderen Imidazol-Antimykotika sowie bei Anwendung am Auge kontraindiziert. Im ersten Trimenon der Schwangerschaft darf die Anwendung intravaginaler Zubereitungen nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.[4]
Zulassung
In Deutschland sind derzeit (2026) keine tioconazolhaltigen Fertigarzneimittel regulär im Handel. In Österreich und der Schweiz ist der Wirkstoff hingegen weiterhin verfügbar.
Quellen
- ↑ Pfizer AG: Fachinformation Gyno-Trosyd®, Swissmedic, abgerufen am 21.09.2026.
- ↑ 2,0 2,1 Zentiva Pharma UK: Tioconazole 283 mg/ml medicated nail lacquer – Summary of Product Characteristics, Stand: 23.01.2025. Verfügbar unter: EMC, abgerufen am 20.09.2026.
- ↑ AWMF. S2k-Leitlinie: Vulvovaginalkandidose (VVC) (ausgenommen chronisch mukokutane Kandidose). AWMF-Registernummer 015/072. 2022 (Gültigkeit bis 31.08.2025 abgelaufen). Verfügbar unter: S2k-Leitlinie Vulvovaginalkandidose.
- ↑ 4,0 4,1 Altmeyer P, Bacharach-Buhles M: Tioconazol. Altmeyers Enzyklopädie, Stand: 20.08.2024, abgerufen am 21.09.2026.