Stimulus-QRS-Intervall
Definition
Das Stimulus-QRS-Intervall bezeichnet bei der elektrophysiologischen Untersuchung des Herzens die Zeit zwischen einem ventrikulären Stimulusartefakt und dem Beginn des QRS-Komplexes im Oberflächen-EKG. Es beschreibt die Latenz zwischen elektrischer Stimulation und resultierender ventrikulärer Depolarisation. Die Angabe erfolgt in Millisekunden.
Hintergrund
Bei ventrikulärem Pacing breitet sich die elektrische Erregung vom Stimulationsort über das Myokard oder das spezifische Reizleitungssystem aus. Die Dauer des Stimulus-QRS-Intervalls hängt von der lokalen Leitungsfähigkeit, der Nähe zum His-Purkinje-System und vom Vorliegen struktureller Veränderungen ab.
Ein kurzer Abstand spricht für eine unmittelbare Aktivierung des ventrikulären Myokards oder des Reizleitungssystems. Eine Verlängerung kann auf langsame myokardiale Ausbreitung oder narbige Substrate hinweisen.
Messung
Die Bestimmung erfolgt im Rahmen einer invasiven elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) oder während einer Katheterablation. Gemessen wird vom Beginn des Stimulusartefakts im intrakardialen Elektrogramm bis zum frühesten Ausschlag des QRS-Komplexes im Oberflächen-EKG.
Voraussetzung ist eine eindeutige Stimulusmarkierung und eine stabile Ableitung des Oberflächen-EKGs. Filtereinstellungen und Stimulusamplitude können die exakte Identifikation beeinflussen.
Referenzwerte
Ein Stimulus-QRS-Intervall < 30 ms gilt in der Regel als kurz.
Längere Intervalle können bei ventrikulären Narbenarealen oder bei Stimulationsorten mit verzögerter intramyokardialer Ausbreitung auftreten. Die Grenzwerte sind kontextabhängig und variieren je nach Arrhythmiesubstrat.
Klinische Bedeutung
Das Stimulus-QRS-Intervall dient der funktionellen Beurteilung von Ablationszielen bei ventrikulären Tachykardien. Ein langes Intervall bei gleichzeitig guter Pace-Morphologie spricht für eine Stimulation innerhalb eines langsamen Leitungsareals.
In Kombination mit dem Post-Pacing-Intervall ermöglicht es die Identifikation kritischer Reentry-Isthmen.
Der Parameter wird auch zur Beurteilung der Capture-Latenz bei ventrikulärem Pacing herangezogen.
Abgrenzung
Das Stimulus-QRS-Intervall unterscheidet sich vom AH- und HV-Intervall, welche die anterograde Überleitungszeit im AV-Knoten bzw. im His-Purkinje-System beschreiben. Es ist kein spontanes Leitungsintervall, sondern ein pacingabhängiger Parameter.
Literatur
- M. Wieczorek, Kursbuch Kardiologische Elektrophysiologie, Thieme-Verlag
- L. Iden et. al., Invasive Elektrophysiologie für Einsteiger, Springer-Verlag
- E. Hoffmann et. al., Interventionelle kardiale Elektrophysiologie – Praxis-Lehrbuch, Springer-Verlag