AH-Intervall
Definition
Das AH-Intervall bezeichnet in der invasiven Elektrophysiologie des Herzens die Zeit zwischen dem atrialen Signal (A) und dem His-Bündel-Potenzial (H) im intrakardialen Elektrogramm. Es entspricht der atrioventrikulären Überleitungszeit im AV-Knoten. Die Angabe erfolgt in Millisekunden.
Hintergrund
Das AH-Intervall bildet die atrioventrikuläre Überleitungszeit auf Ebene des AV-Knotens ab. Nach atrialer Depolarisation gelangt die Erregung zunächst in den AV-Knoten und wird anschließend auf das His-Purkinje-System weitergeleitet. Die AV-nodale Leitung zeigt eine dekrementale Eigenschaft mit ausgeprägter Frequenzabhängigkeit. Eine Erhöhung der atrialen Stimulationsfrequenz führt typischerweise zu einer Verlängerung des AH-Intervalls. Sympathische und parasympathische Einflüsse modulieren die nodale Leitungszeit.
Messung
Die Bestimmung des AH-Intervalls erfolgt im Rahmen einer invasiven elektrophysiologischen Untersuchung mittels His-Bündel-Katheter. Gemessen wird vom Beginn des atrialen Signals im His-Kanal bis zum Beginn des His-Potenzials. Die Erfassung kann im Sinusrhythmus oder unter programmierter atrialer Stimulation erfolgen. Bei Vorliegen einer dualen AV-Knoten-Physiologie treten sprunghafte Verlängerungen des AH-Intervalls auf.
Referenzwert
- Das AH-Intervall beträgt in Ruhe typischerweise 50–120 ms.
Interpretation
Das AH-Intervall dient der funktionellen Beurteilung der AV-nodalen Überleitung. Eine Verlängerung über 120–130 ms weist auf eine Verzögerung der Leitung im AV-Knoten hin. Ein sprunghafter Anstieg des AH-Intervalls um ≥ 50 ms bei minimaler Verkürzung des Kopplungsintervalls spricht für das Vorliegen einer dualen AV-Knoten-Physiologie.
Eine Verkürzung kann bei gesteigerter sympathischer Aktivität beobachtet werden.
Das AH-Intervall ist ein diagnostischer Parameter bei AV-Knoten-Reentry-Tachykardie. In Kombination mit dem HV-Intervall ermöglicht es die Differenzierung zwischen supranodalen und infranodalen Leitungsstörungen.
Abgrenzung
Das AH-Intervall unterscheidet sich vom HV-Intervall, das die Leitungszeit vom His-Bündel zu den Ventrikeln beschreibt.
Das PR-Intervall im Oberflächen-EKG umfasst atriale, AV-nodale und infranodale Leitungsanteile und ist nicht identisch mit dem AH-Intervall.
Literatur
- M. Wieczorek, Kursbuch Kardiologische Elektrophysiologie, Thieme-Verlag
- L. Iden et. al., Invasive Elektrophysiologie für Einsteiger, Springer-Verlag
- E. Hoffmann et. al., Interventionelle kardiale Elektrophysiologie – Praxis-Lehrbuch, Springer-Verlag