HV-Intervall
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
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Definition
Das HV-Intervall bezeichnet in der invasiven Elektrophysiologie des Herzens die Zeit zwischen dem His-Bündel-Potenzial (H) und dem Beginn der ventrikulären Depolarisation (V) im intrakardialen Elektrogramm. Es entspricht der Überleitungszeit im His-Purkinje-System. Die Angabe erfolgt in Millisekunden.
Hintergrund
Das HV-Intervall bildet die infranodale Erregungsleitung vom His-Bündel über die Tawara-Schenkel bis zum ventrikulären Myokard ab. Nach Passage des AV-Knotens erreicht die Erregung das His-Bündel und wird über das spezialisierte Reizleitungssystem in die Ventrikel weitergeleitet. Die Leitung im His-Purkinje-System ist schnell und weist keine ausgeprägte dekrementale Eigenschaft auf. Veränderungen des HV-Intervalls spiegeln strukturelle oder funktionelle Störungen der infranodalen Leitungsbahn wider.
Messung
Die Bestimmung des HV-Intervalls erfolgt im Rahmen einer invasiven elektrophysiologischen Untersuchung mittels His-Bündel-Katheter. Gemessen wird vom Beginn des His-Potenzials bis zum frühesten ventrikulären Signal im His-Kanal. Die Erfassung erfolgt im Sinusrhythmus oder unter programmierter atrialer Stimulation. Bei bestehenden Leitungsstörungen kann das HV-Intervall verlängert oder intermittierend blockiert sein.
Referenzwert
Das HV-Intervall beträgt in Ruhe typischerweise 35–55 ms.
Interpretation
- Eine Verlängerung über 55–60 ms spricht für eine verzögerte infranodale Überleitung.
- Ein HV-Intervall ≥ 70 ms ist mit einem erhöhten Risiko für höhergradige AV-Blockierungen assoziiert.
- Ein fehlendes ventrikuläres Signal nach His-Potenzial weist auf einen infranodalen Block hin.
Das HV-Intervall dient der Differenzierung zwischen nodalen und infranodalen Leitungsstörungen in Kombination mit dem AH-Intervall. Es ist ein diagnostischer Parameter bei Schenkelblockbildern und bei unklarer Synkope.
Abgrenzung
Das HV-Intervall beschreibt die infranodale Leitungszeit im His-Purkinje-System. Das AH-Intervall erfasst hingegen die Überleitungszeit im AV-Knoten. Das PR-Intervall im Oberflächen-EKG umfasst atriale, nodale und infranodale Leitungsanteile und ist nicht identisch mit dem HV-Intervall.
Literatur
- M. Wieczorek, Kursbuch Kardiologische Elektrophysiologie, Thieme-Verlag
- L. Iden et. al., Invasive Elektrophysiologie für Einsteiger, Springer-Verlag
- E. Hoffmann et. al., Interventionelle kardiale Elektrophysiologie – Praxis-Lehrbuch, Springer-Verlag