Sportverbot
Synonyme: Ärztliches Sportverbot, medizinisches Sportverbot
Definition
Ein Sportverbot ist eine ärztlich angeordnete Einschränkung oder Untersagung sportlicher Aktivität, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden und die Genesung zu sichern.
Terminologie
Der Begriff wird uneinheitlich verwendet. Medizinisch bezieht sich ein Sportverbot häufig nicht auf Bewegung im Allgemeinen, sondern auf bestimmte Intensitäten oder Formen körperlicher Belastung. Während hochintensive oder wettkampforientierte sportliche Aktivitäten untersagt sein können, sind niedrigintensive Bewegungsformen im Alltag häufig weiterhin erlaubt oder sogar empfohlen.
Hintergrund
Sportliche Belastung führt zu einer Aktivierung des kardiovaskulären, respiratorischen und metabolischen Systems. Bei bestimmten Erkrankungen kann dies zu einer Dekompensation oder zu lebensbedrohlichen Ereignissen führen.
Die Entscheidung zum Sportverbot muss daher immer individuell und im Rahmen eines Shared-Decision-Making erfolgen, wobei die Risikostratifizierung, die Art und Intensität der Sportart berücksichtigt werden.
Indikationen
Mögliche Indikationen sind z.B.:
- akute Infektionen (insbesondere bei Fieber)
- Kardiovaskuläre Erkrankungen
- instabile koronare Herzkrankheit
- dekompensierte Herzinsuffizienz
- Hochrisiko-Arrhythmien
- schwere Aorten- oder Mitralklappenvitien
- Myokarditis oder Perikarditis
- Neurologische Erkrankungen
- Muskuloskelettale Erkrankungen
- Frakturen
- Frische Band- oder Sehnenrupturen
- Postoperative Zustände
- Überlastungssyndrome
Der Umfang eines Sportverbots kann sich sowohl auf die Intensität als auch auf die Art der sportlichen Belastung beziehen:
- absolutes Sportverbot: jegliche sportliche Aktivität ist untersagt
- relatives Sportverbot: bestimmte Belastungen oder Sportarten müssen vermieden werden, während andere weiterhin erlaubt sind
Die Dauer eines Sportverbots variiert je nach zugrunde liegender Erkrankung. Sie reicht von wenigen Tagen, etwa bei einem grippalen Infekt ohne Fieber, über mehrere Wochen, zum Beispiel bei Bandverletzungen, bis hin zu mehreren Monaten, wie es etwa bei Myokarditis oder Stressfrakturen erforderlich sein kann.
Beispiele
Für viele Krankheitsbilder fehlen große randomisierte Studien zur Sporttauglichkeit, daher basieren Empfehlungen häufig auf Expertenkonsens. Ein Sportverbot bei internistischen Erkrankungen ist insbesondere angezeigt, wenn akute Symptome, klinische Instabilität oder ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Komplikationen wie plötzlicher Herztod, Arrhythmien oder Organschäden bestehen. Im operativen Bereich ist die Dauer und der Umfang des Sportverbots u.a. vom Verfahren und Umfang der Operation abhängig.
Myokardinfarkt
Nach einem unkomplizierten Myokardinfarkt sollte körperliche Aktivität für etwa 2 Wochen vermieden werden. Danach kann eine sportliche Betätigung in der Regel begonnen und schrittweise gesteigert werden, idealerweise im Rahmen einer kardiologischen Rehabilitation.
Myokarditis
Bei Myokarditis muss eine individuelle Risikostratizierung erfolgen: während früher mindestens 3 Monate Sportverbot als obligat galten, hat die ESC in der IMPS-Leitlinie 2025 diese in gewissen Umständen auf 1 Monat herabgesetzt.
Splenomegalie
Bei Splenomegalie (z.B. durch infektiöse Mononukleose) sollte eine sonographische Verlaufskontrolle der Milz erfolgen, da insbesondere akute Schwellungen die Gefahr einer Milzruptur bergen.
Quellen
- Eichhorn et al., Myocarditis in Athletes Is a Challenge: Diagnosis, Risk Stratification, and Uncertainties, JACC Cardiovasc Imaging, 2020
- American Heart Association Leadership Committee et al, Clinical Considerations for Competitive Sports Participation for Athletes With Cardiovascular Abnormalities, Circulation, 2025