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Spiruridose (Schwein)

Synonyme: Spirurida-Infektion des Schweines, Rollschwanzinfektion des Schweines

1 Definition

Als Spiruridosen bezeichnet man parasitär bedingte Erkrankungen beim Schwein, die durch Vertreter der Spirurida (Rollschwänze) verursacht werden.

2 Erreger

Spirurida-Infektionen sind aufgrund der obligaten Einschaltung eines Zwischenwirtes bei Schweinen nur in Freilandhaltung anzutreffen. In Mitteleuropa sind Wildschweine am häufigsten davon betroffen.

2.1 Ascarops strongylina

Die Männchen sind zwischen 10 und 15 mm lang. Ihr Hinterende ist eingerollt und sie haben asymmetrische Kaudalflügel und zwei ungleich lange Spicula (2,2 - 2,9 und 0,4 bis 0,6 mm). Die Weibchen sind 15 bis 20 mm lang, haben eine lange und zylindrische Mundkapsel und besitzen spiralig gewundene Verdickungen. Die Eier sind elliptisch, 41 - 45 x 22 - 26 µm groß, dickschalig und haben geringgradige Vorwölbungen an den Polen. Sie enthalten bereits eine Larve.

2.2 Physocephalus sexalatus

Die Männchen sind 6 bis 13 mm, die Weibchen hingegen zwischen 20 und 30 mm groß. Die Mundkapsel ist ebenso lang und zylindrisch und mit horizontal verlaufenden Verdickungen versehen. Die Männchen zeigen ein eingerolltes Hinterende mit zwei ungleich langen Spicula sowie symmetrischen Kaudalflügeln. Die Eier sind elliptisch, ca. 45 - 25 µm groß, besonders dickschalig und an den Polen zum Teil leicht eingedellt. Sie enthalten ebenso eine Larve.

2.3 Gnathostoma hispidum

Gnathostoma hispidum erscheint vorn rötlich und hinten grau. Charakteristisch sind seine gelblich durchscheinenden Geschlechtsorgane. Die Männchen sind zwischen 15 und 25, die Weibchen ca. 20 bis 45 mm lang. Sie tragen kissenartige, mit mehreren Stachelreihen besetzte kutikuläre Anschwellungen an ihrem Vorderende. Ihr restliches Integument ist ebenfalls bestachelt. Die Männchen haben ein lappenförmiges Hinterende mit vier Paaren großer Papillen und zwei ungleich lange Spicula. Die Eier sind elliptisch, 73 x 40 µm groß und ihre Oberfläche ist fein granuliert und hat Verdickungen an den Polen. Sie enthalten Blastomere.

2.4 Simondsia paradoxa

Simondsia paradoxa ist 12 bis 14 mm lang und hat eine zylindrische Mundkapsel mit ringförmigen Verdickungen. Als besonders auffallendes Kennzeichen gilt das sackförmig verdickte Hinterende der Weibchen, mit dem sie in der Magenschleimhaut eingebettet sind.

3 Vorkommen

Ascarops strongylina und Physocephalus sexalatus kommen bei Wildschweinen vorwiegend in den Niederlanden, in Deutschland, Österreich sowie in Ost- und Südeuropa vor.

Gnathostoma hispidum kommt in Europa, Asien und Astralien vor. Gnathostoma doloresi tritt hauptsächlich in Asien auf. Simondsia paradoxa kommt hauptsächlich beim Wildschwein vor.

Gonglyonema pulchrum kommt als bis zu 15 cm langer Parasit beim Wildschwein und auch beim Wiederkäuer in Europa und Nordamerika vor.

4 Entwicklung

Die Entwicklung von Ascarops strongylina und Physocephalus sexalatus verläuft unter Einbeziehung von koprophagen Käfern als Zwischenwirte. Infektiöse Larven können sich aber auch in Stapelwirten (Vögel, Kleinsäuger) einkapseln.

Im Wasser schlüpfen aus den Eiern von Gnathostoma histpidum Larven, die von Kleinkrebsen (Cyclops) aufgenommen werden. In den Zwischenwirten entwickeln sich dann die infektiösen Larven. Die Infektion des Endwirtes erfolgt hauptsächlich durch die Aufnahme larvenhaltiger Kleinkrebse sowie häufiger durch paratenische Wirte (Fische, Vögel, Kleinsäuger). Gonglyonema pulchrum hat als Zwischenwirte verschiedene Käfer und Schaben.

5 Pathogenese

Ascarops strongylina und Physocephalus sexalatus parasitieren hautsächlich auf der Magenschleimhaut und verursacht bei einem starken Befall katarrhalische bis hämorrhagische Entzündungen.

Die adulten Formen von Gnathostoma hispidum verursachen Ulzera der Magenmukosa. Bevor sich die Larven im Magen ansiedeln, können sie über die Peritonealhöhle in die Leber gelangen, und dort durch das Parenchym wandern. Anschließend kehren sie zum Magen zurück. Die Präpatenz beträgt 3 bis 5 Monate.

Simondsia paradoxa parasitiert vorwiegend im Magen von Wildschweinen. Gonglyonema pulchrum liegt in mäanderförmigen Windungen in der Schleimhaut des Ösophagus oder in der Zunge.

6 Therapie

Ein Befall mit Ascarops strongylina und Physocephalus sexalatus kann mit Doramectin (0,3 mg/kgKG i.m.) und Ivermectin (0,3 mg/kgKG s.c. oder 2 ppm p.o. mit dem Futter über 7 Tage) behandelt werden.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

7 Literatur

  • Boch, Josef, Supperer, Rudolf. Veterinärmedizinische Parasitologie. 6. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Parey Verlag, 2005

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