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Sapovirus

Synonyme: Sapporo-like Virus, SaV, SV

1 Definition

Sapovirus ist eine Gattung unbehüllter RNA-Viren aus der Familie der Caliciviridae. Es ist eng verwandt mit dem Norovirus, befällt jedoch eher Kleinkinder.

2 Geschichte

Das Sapovirus wurde zum ersten mal 1977 in Japan beschrieben, nachdem es bei einem Gastroenteritis-Ausbruch in einem Kinderheim in der Stadt Sapporo isoliert wurde. Analog zur Nomenklatur des Norovirus benannte man den Erreger "Sapporo-Virus" und alle Genotypen der gleichen Gattung "Sapporo-like Virus" bzw. später "Sapovirus".

3 Charakterisierung

Sapoviren sind positiv-einzelsträngige ((+)-ss), unbehüllte RNA-Viren mit einem ikosaedrischen Kapsid.

3.1 Äußere Systematik

Das Sapovirus gehört zur Familie der Caliciviridae und ist eng verwandt mit einer weiteren Gattung dieser Familie, dem Norovirus.

3.2 Innere Systematik

Die Gattung Sapovirus wird derzeit in sieben Genogruppen unterteilt, GI-GVII. Jede Genogruppe enthält mehrere Genotypen. Humanpathogen sind nur die Genogruppen GI, GII, GIV und GV.[1][2][3][4]

4 Epidemiologie

Das Sapovirus ist ein weltweit vorkommender Erreger von Gastroenteritiden, jedoch mit geringerer Inzidenz als Noroviren.[5] Der Anteil an Durchfallerkrankungen, die durch Sapoviren verursacht werden, schwankt in der Literatur zwischen 0-10%. Im Gegensatz zum Norovirus befällt es überwiegend Kinder unter 5 Jahren, bei 2-4jährigen Kleinkindern liegt sein Anteil am Erregerspektrum bei über 10%.[6]

Das Virus tritt sowohl sporadisch als auch in Form von Ausbrüchen auf, meist im Herbst, Winter oder Frühling[7]. Unter den Erwachsenen sind am häufigsten Patienten über 55 Jahren betroffen.

5 Übertragung

Die Infektiosität der Sapoviren ist sehr hoch, die minimale Infektionsdosis (MID) sehr gering. Erkrankte Personen sind hoch ansteckend und können bei Arbeit in hygienesensiblen Bereichen (z.B. Küche) zu einer massiven Ausbreitung der Erkrankung beitragen. Wie bei anderen Durchfallerregern dominiert der fäkal-orale Infektionsweg. Die Übertragung erfolgt durch virushaltige Tröpfchen (bei starkem Erbrechen) oder direkt als Kontaktinfektion von Mensch zu Mensch. Auch eine Schmierinfektion über kontaminierte Flächen, Gegenstände, oder über die Ingestion roher Nahrungsmittel (Salate, Beeren usw.) oder Wasser ist möglich.

6 Klinik

Das Sapovirus ist ein viraler Erreger zumeist milder Gastroenteritiden des Kleinkindes. Ansonsten entspricht der klinische Verlauf dem der Norovirus-Infektion. Nach einer Inkubationszeit von etwa 1 bis 4 Tagen kommt es zu Übelkeit und zum typischen Brechdurchfall mit wässriger Diarrhoe und möglichen weiteren Symptomen wie Nausea, Kopfschmerzen, Bauchkrämpfen und Myalgien. Sehr selten sind fiebrige und asymptomatische Verläufe. Der Verlauf ist in der Regel selbstlimitierend.

7 Diagnostik

Bei vielen akuten Durchfallerkrankungen wird keine weitere Diagnostik betrieben, da diese meist keine Konsequenz hätte. Zum Nachweis des Virus wird die Reverse Transkriptase-PCR (RT-PCR) angewendet.

8 Therapie

Wie bei vielen anderen Virusinfektionen gibt es zur Zeit (2018) keine kausale Therapie. Die symptomatische Therapie besteht in den üblichen Maßnahmen bei Diarrhoe, wie Rehydratation und Elektrolytsubstitution.

Die präventiven Maßnahmen entsprechen denen des Norovirus.

9 Quellen

  1. Yoneda M, Nakano M, Sugimoto D, Inada M, Fujitani M, Kitahori Y:Epidemiological Characteristics of Sapovirus and Human Astrovirus Detected among Children in Nara Prefecture, Japan, during the 2009/2010-2014/2015 Seasons. Jpn J Infect Dis. 2017 Jan 24;70(1):87-91. doi: 10.7883/yoken.JJID.2015.529.
  2. Wang G, Shen Z, Qian F, Li Y, Yuan Z, Zhang J: Genetic diversity of sapovirus in non-hospitalized adults with sporadic cases of acute gastroenteritis in Shanghai, China. J Clin Virol. 2014 Apr;59(4):250-4. doi: 10.1016/j.jcv.2014.01.007.
  3. Liu X, Yamamoto D, Saito M, Imagawa T, Ablola A, Tandoc AO 3rd, Segubre-Mercado E, Lupisan SP, Okamoto M, Furuse Y, Saito M, Oshitani H: Molecular detection and characterization of sapovirus in hospitalized children with acute gastroenteritis in the Philippines. J Clin Virol. 2015 Jul;68:83-8. doi: 10.1016/j.jcv.2015.05.001.
  4. Murray TY, Nadan S, Page NA, Taylor MB: Diverse sapovirus genotypes identified in children hospitalised with gastroenteritis in selected regions of South Africa. J Clin Virol. 2016 Mar;76:24-9. doi: 10.1016/j.jcv.2016.01.003.
  5. Shioda K, Cosmas L, Audi A, Gregoricus N, Vinjé J, Parashar UD, Montgomery JM, Feikin DR, Breiman RF, Hall AJ: Population-Based Incidence Rates of Diarrheal Disease Associated with Norovirus, Sapovirus, and Astrovirus in Kenya. PLoS One. 2016 Apr 26;11(4):e0145943. doi: 10.1371/journal.pone.0145943.
  6. Liu X, Jahuira H, Gilman RH, Alva A, Cabrera L, Okamoto M, Xu H, Windle HJ, Kelleher D, Varela M, Verastegui M, Calderon M, Sanchez G, Sarabia V, Ballard SB, Bern C, Mayta H, Crabtree JE, Cama V, Saito M, Oshitani H: Etiological Role and Repeated Infections of Sapovirus among Children Aged Less than 2 Years in a Cohort Study in a Peri-urban Community of Peru.J Clin Microbiol. 2016 Jun;54(6):1598-604. doi: 10.1128/JCM.03133-15.
  7. Wang G, Shen Z, Qian F, Li Y, Yuan Z, Zhang J: Genetic diversity of sapovirus in non-hospitalized adults with sporadic cases of acute gastroenteritis in Shanghai, China. J Clin Virol. 2014 Apr;59(4):250-4. doi: 10.1016/j.jcv.2014.01.007.

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