STEMI‑Äquivalent
Englisch: STEMI equivalent
Definition
STEMI‑Äquivalente bezeichnen EKG‑Veränderungen, die trotz fehlender klassischer ST‑Hebungen auf den akuten Verschluss einer Koronararterie (OMI) hinweisen. Solche Muster rechtfertigen in der Regel eine sofortige invasive Abklärung bzw. Reperfusion, vorausgesetzt, die klinische Gesamtsituation (Symptomatik, Hämodynamik, Biomarker) stützen diesen Verdacht.
Beispiele
Zu den wichtigsten STEMI‑Äquivalenten zählen:
- posteriorer Myokardinfarkt: ST‑Senkungen in V1–V3 mit hohen R‑Wellen sowie ST‑Hebungen ≥ 0,05 mV in V7–V9
- De-Winter-Zeichen: ST‑Senkung (> 1 mm am J-Punkt) und aufsteigende T‑Welle in V2/V3 als Hinweis auf RIVA‑Verschluss
- Wellens-Syndrom: biphasische oder tiefe T‑Negativierungen in V2/V3 bei kritischer RIVA‑Stenose
- Linksschenkelblock oder Schrittmacherrhythmus mit Ischämiezeichen: diagnostisch mittels modifizierter Sgarbossa‑Kriterien
- diffuse ST-Senkungen mit ST‑Hebung in aVR: Hinweis auf Hauptstamm- oder proximale RIVA‑Obstruktion
- hyperakute T‑Wellen: frühe Phase eines OMI noch vor Auftreten von ST‑Hebungen
Klinische Bedeutung
Aktuelle (2026) Evidenz zeigt, dass bis zu 40 % der Koronarverschlüsse keine klassischen ST‑Hebungen aufweisen und daher als NSTEMI eingestuft werden, obwohl es sich um akute Koronarverschlüsse handelt, die denselben dringlichen Reperfusionsbedarf haben, wie ein STEMI.[1]
Diese Muster sind in den ESC-Guidelines von 2023 daher explizit als Befunde aufgeführt, die eine sofortige invasive Reperfusionstherapie rechtfertigen, wenn die klinische Situation dies stützt.
Einzelnachweis
- ↑ Kola et al., OMI/NOMI: Time for a New Classification of Acute Myocardial Infarction, J Clin Med, 2024
Quellen
- Byrne et al., 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes, Eur Heart J, 2023
- EMRA – STEMI Equivalents, abgerufen am 17.02.2026
- Emergency Care BC – Diagnosis of STEMI Equivalents, abgerufen am 17.02.2026