Psychokardiologie
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Definition
Die Psychokardiologie ist ein interdisziplinäres Teilgebiet an der Schnittstelle von Kardiologie, Psychosomatik und Psychiatrie. Sie befasst sich mit den wechselseitigen Zusammenhängen zwischen psychischen Faktoren, emotionalen Belastungen und kardiovaskulären Erkrankungen. Im Fokus stehen sowohl der Einfluss psychischer Erkrankungen auf Entstehung, Verlauf und Prognose von Herzerkrankungen als auch die psychischen Folgen kardialer Erkrankungen.
Hintergrund
Psychische Störungen und kardiovaskuläre Erkrankungen treten häufig gemeinsam auf und stehen in einer bidirektionalen Beziehung. Patienten mit koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder nach akutem Koronarsyndrom weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eine erhöhte Prävalenz von Depressionen, Angststörungen und stressassoziierten Erkrankungen auf. Gleichzeitig gelten psychosoziale Belastungen als unabhängige Risikofaktoren für die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen.
Als vermittelnde Mechanismen werden unter anderem die Aktivierung neuroendokriner Stressachsen, autonome Dysregulationen, inflammatorische Prozesse sowie verhaltensbezogene Faktoren wie eingeschränkte Therapieadhärenz, Bewegungsmangel oder Nikotinkonsum diskutiert. Die Psychokardiologie erweitert damit das rein somatische Krankheitsverständnis um psychische und soziale Einflussfaktoren.
Klinische Bedeutung
Psychische Komorbiditäten haben einen relevanten Einfluss auf Symptomlast, Lebensqualität und Prognose kardiologischer Patienten. Insbesondere depressive Störungen sind mit erhöhter Morbidität und Mortalität assoziiert. Angststörungen können die Wahrnehmung kardialer Symptome verstärken und zu wiederholten Notfallvorstellungen sowie zu diagnostischer Überversorgung führen. Die psychokardiologische Perspektive unterstützt eine differenzierte Einordnung kardialer Beschwerden und trägt dazu bei, Chronifizierungsprozesse und Fehlversorgung zu vermeiden.
Der klinische Stellenwert der Psychokardiologie war lange Zeit begrenzt. In den vergangenen Jahren hat sie jedoch durch zunehmende Evidenz deutlich an Bedeutung gewonnen. Psychokardiologische Konzepte sind heute an vielen Herzzentren, Universitätskliniken und spezialisierten Fachkliniken etabliert und werden zunehmend strukturiert in die Versorgung integriert. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Versorgungsbereich in den kommenden Jahren weiter ausbauen wird.
Therapeutische Ansätze
Die Behandlung erfolgt interdisziplinär und ergänzt die leitliniengerechte kardiologische Therapie. Zum Einsatz kommen psychoedukative Maßnahmen, psychotherapeutische Interventionen sowie bei Bedarf psychopharmakologische Behandlungsstrategien. Ziel ist eine Verbesserung der Krankheitsverarbeitung, der Therapieadhärenz und der funktionellen Prognose. Psychokardiologische Konzepte sind zunehmend Bestandteil strukturierter Rehabilitationsprogramme.
Literatur
- Deutsche Herzstiftung: Psychokardiologie: Therapie für Herz und Seele, abgerufen am 17.01.2026
- Psychokardiologie: Informationsportal Psychokardiologie, abgerufen am 17.01.2026