Pin-Prick-Methode
Synonyme: Nadeltest, Pinprick-Test, Neurotips®-Test
Definition
Die Pin-Prick-Methode ist eine klinische Untersuchungsmethode zur Prüfung der Oberflächensensibilität, insbesondere der Nozizeption. Sie dient der Beurteilung der Funktion dünn myelinisierter Aδ-Fasern und unmyelinisierter C-Fasern sowie der Integrität der entsprechenden afferenten Bahnen im peripheren und zentralen Nervensystem.
Indikation
Der Pinprick-Test ist Bestandteil der neurologischen Untersuchung und wird z.B. angewendet bei
- Polyneuropathien, z.B. diabetischer Neuropathie
- Radikulopathie oder Plexopathie
- Schlaganfall oder andere neurologischen Defiziten
- Rückenmarksverletzungen
- Verdacht auf periphere Nerven- oder Nervenwurzelläsionen
Darüber hinaus dient der Test der Erfolgskontrolle nach Regionalanästhesie (z.B. axillärer Plexusblockade).
Durchführung
Der Patient schließt die Augen, um visuelle Hinweise auszuschließen. Nach kurzer Erklärung und ggf. Demonstration an einem Referenzareal werden definierte Hautbereiche mit einem Einmalinstrument abwechselnd spitz und stumpf berührt oder leicht gedrückt, ohne die Haut zu durchstechen. Wichtig ist eine standardisierte Reizintensität. Der Patient gibt an, ob der Reiz als spitz oder stumpf wahrgenommen wird. Zusätzlich erfolgt ein Seitenvergleich symmetrischer Areale. Abweichungen oder Ausfälle werden dokumentiert, um betroffene Dermatome oder Nervenbereiche zu identifizieren.
Auswertung
Normalbefund
Der Patient unterscheidet spitz und stumpf korrekt. Lokalisation und Intensität sind im Seitenvergleich unauffällig. Die Funktion der peripheren nozizeptiven Afferenzen, der spinalen Leitungsbahnen und der supraspinalen Verarbeitung ist intakt.
Hyperalgesie
Der spitze Reiz wird als übermäßig schmerzhaft empfunden (Hyperalgesie). Dies ist ein Hinweis auf neuropathische Veränderungen oder eine zentrale Sensibilisierung, z.B. bei Post-Zoster-Neuralgie oder diabetischer Neuropathie.
Hypalgesie
Der Reiz wird verspätet, abgeschwächt oder nur teilweise wahrgenommen (Hypalgesie). Die Lokalisation kann ungenau sein. Dies ist ein Hinweis auf eine partielle Läsionen peripherer Nerven, Nervenwurzeln oder segmentaler Rückenmarksbahnen.
Analgesie
Der Patient nimmt den spitzen Reiz nicht wahr bzw. kann spitz gegenüber stumpf nicht unterscheiden. Ursache ist meist ein hochgradiger Funktionsverlust nozizeptiver Fasern oder eine relevante Läsion im entsprechenden segmentalen oder zentralen Abschnitt.
Lokalisationsspezifische Muster
Distale symmetrische Ausfälle sprechen für eine Polyneuropathie (z.B. diabetisch, toxisch). Segmentale oder dermatomale Ausfälle weisen auf radikuläre Läsionen oder umschriebene Rückenmarksschädigungen hin. Unilaterale sensible Defizite können sowohl durch periphere Nervenläsionen als auch durch zentrale Läsionen, z.B. im Rahmen eines Schlaganfalls, bedingt sein. Asymmetrische, umschriebene Ausfälle entsprechen häufig einem mononeuropathischen Muster.