NF2-bedingte Schwannomatose
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LoslegenSynonyme: Neurofibromatose Typ II (obsolet), zentrale Neurofibromatose (obsolet)
Englisch: NF2-related schwannomatosis
Definition
Die NF2-bedingte Schwannomatose, kurz NF2-SWN, ist ein genetisch bedingtes Tumorprädispositionssyndrom aus der Gruppe der Schwannomatosen. Die früher als Neurofibromatose Typ 2 bezeichnete Erkrankung ist insbesondere durch bilaterale Vestibularisschwannome charakterisiert.
Genetik
Die NF2-bedingte Schwannomatose wird durch pathogene Varianten im NF2-Gen auf Chromosom 22 am Genlokus 22q12.2 verursacht. Das Gen kodiert für das Tumorsuppressorprotein Merlin. Die Tumorentstehung beruht in der Regel auf der Inaktivierung beider Allele in den betroffenen Zellen entsprechend der Two-Hit-Hypothese.
Die Erkrankung folgt einem autosomal-dominanten Erbgang. Etwa die Hälfte der Fälle entsteht durch eine Neumutation. Bei einem erheblichen Anteil dieser Patienten liegt ein somatisches Mosaik vor: Die ursächliche Variante entsteht erst nach der Befruchtung und ist daher nur in einem Teil der Körperzellen vorhanden. Mosaikformen können einen milderen oder asymmetrischen Befall zeigen. Eine unauffällige genetische Untersuchung des Blutes schließt sie nicht aus – gegebenenfalls ist eine Untersuchung von Tumorgewebe erforderlich.
Bei einer konstitutionellen heterozygoten Variante beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Weitergabe an Nachkommen 50 %. Bei Mosaikformen ist das Risiko abhängig von der Beteiligung der Keimzellen und häufig geringer.
Epidemiologie
Die NF2-SWN ist eine seltene Krankheit, die etwa 1 von 25.000-30.000 Menschen betrifft.
Merkmale
Charakteristisch sind ein bilateral vorliegendes Vestibularisschwannom und multiple Meningeome. Die für die Neurofibromatose Typ 1 typischen Café-au-lait-Flecken sind oft auch bei der NF2-SWN vorhanden, sind jedoch kein zwingend erforderliches Kriterium für die Diagnose.
Neben den typischen Schwann-Zell-Tumoren (Schwannomen), die auch im Bereich der peripheren Nerven und des Rückenmarks auftreten können, leiden NF2-SWN-Patienten häufig auch an Polyneuropathie, sowie okulären Auffälligkeiten (Katarakt).
Therapie
Da NF2-SWN eine genetische Erkrankung ist, existiert zum jetzigen Zeitpunkt (2026) keine kausale Therapie. Bei gegebener Indikation - wie z.B. progredientem Hörverlust - kann man jedoch versuchen, die Tumore chirurgisch zu entfernen. Darüberhinaus zeigte sich, dass man mit einigen zielgerichteten Wirkstoffen (z.B. Bevacizumab, Lapatinib) das Tumorwachstum stoppen oder zumindest verlangsamen kann.