Musculus puboanalis
Wir werden ihn in Kürze checken und bearbeiten.
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von lateinisch: pubis – Schambein; analis – zum After gehörig
Synonym: Pars analis musculi pubococcygei
Englisch: puboanalis muscle
Definition
Der Musculus puboanalis ist ein definierter Faserantheil des Musculus pubococcygeus und damit Teil des Musculus levator ani. Er stellt die direkte muskuläre Verbindung zwischen dem Os pubis und der Wand des Analkanals dar und ist funktionell an der Elevation des Analkanals sowie der Stuhlkontinenz beteiligt.
Anatomie
Verlauf
Die Fasern des Musculus puboanalis entspringen an der Innenfläche des Corpus ossis pubis (Schambeinkörper), lateral der Symphysis pubica (Schambeinfuge), und verlaufen bogenförmig nach kaudodorsal. Sie strahlen beidseitig in die Längsmuskelschicht der lateralen Analwand ein, ohne – im Gegensatz zum Musculus puborectalis – eine vollständige dorsale Schlinge auszubilden.
Ursprung
Innenfläche des Corpus ossis pubis, unmittelbar lateral der Symphysis pubica, sowie angrenzende Anteile der Fascia obturatoria.
Ansatz
Laterale Wand des Analkanals; die Fasern verflechten sich mit der Längsmuskulatur des Analkanals (Musculus longitudinalis ani) und erreichen teils das Corpus perineale.
Innervation
Rami musculares des Plexus sacralis, überwiegend S3–S4, sowie Äste des Nervus pudendus.
Funktion
Der Musculus puboanalis eleviert den Analkanal in Richtung Os pubis und verkürzt ihn dabei geringfügig. Diese Zugrichtung wirkt der durch intraabdominellen Druck bedingten kaudalen Deszension des Analkanals entgegen. In Kooperation mit dem Musculus sphincter ani externus und dem Musculus puborectalis trägt er zur Aufrechterhaltung der analen Kontinenz bei. Bei der Defäkation kommt es – analog zur Relaxation des Musculus puborectalis – zu einer koordinierten Tonusminderung, die die Passage durch den Analkanal erleichtert.
Klinik
Eine Schädigung des Musculus puboanalis, etwa im Rahmen eines geburtstraumatischen Levatorabrisses (levator ani avulsion), geht mit einer Schwächung der Analkanalelevation einher und kann zur Stuhlinkontinenz sowie zur Descensus-Symptomatik beitragen. Sonographisch und im MRT ist er als eigenständige Struktur abgrenzbar; seine isolierte Darstellung gelingt zuverlässig mittels hochauflösender perinealer oder endoanaler Sonographie sowie der 3D-Beckenbodens-MRT. Im Rahmen der Levatortrauma-Diagnostik nach vaginaler Geburt wird er zunehmend als eigenständige Risikostruktur erfasst.
Geschichte
Die grobe Beschreibung der zum Analkanal ziehenden Fasern des Musculus levator ani findet sich bereits in klassischen anatomischen Werken des 19. Jahrhunderts, ohne dass diesen Fasern ein eigenständiger Name zugewiesen wurde. Eine systematische Unterteilung des Musculus pubococcygeus in benannte Unteranteile – darunter der Musculus puboanalis – wurde maßgeblich durch die funktionell-morphologischen Arbeiten von John O. L. DeLancey und Kollegen (University of Michigan) in den 1990er und 2000er Jahren vorangetrieben. Die formale Aufnahme des Terminus musculus puboanalis in die internationale Nomenklatur erfolgte mit der Terminologia Anatomica, herausgegeben durch das Federative International Programme for Anatomical Terminology (FIPAT) der IFAA.
Quellen
- FIPAT – Federative International Programme for Anatomical Terminology: Terminologia Anatomica, 2. Auflage. Thieme, Stuttgart 2019.
- Kearney R, Sawhney R, DeLancey JOL: Levator ani muscle anatomy evaluated by origin-insertion pairs. Obstet Gynecol. 2004;104(1):168–173.
- Lawson JO: Pelvic anatomy. I. Pelvic floor muscles. Ann R Coll Surg Engl. 1974;54(5):244–252.
- Stoker J: Anorectal and pelvic floor anatomy. Best Pract Res Clin Gastroenterol. 2009;23(4):463–475.
- Fritsch H, Kühnel W: Taschenatlas Anatomie, Band 2: Innere Organe. 11. Auflage. Thieme, Stuttgart 2013.