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Multiple endokrine Neoplasie

Synonyme: MEN, MEN-Syndrom
Englisch: Multiple endocrine neoplasia

1 Definition

Als multiple endokrine Neoplasie wird eine Gruppe von genetisch bedingten Syndromen bezeichnet, die mit pathologisch erhöhter Proliferation (Adenom, Karzinom) endokriner Organe einhergehen. Es werden 4 Formen des MEN-Syndroms unterschieden. Die Typen 1 und 2 werden autosomal-dominant vererbt.

Gemeinsame Merkmale der verschiedenen Formen sind:

  • Tumore treten verglichen mit Nichtbetroffenen in einem jüngeren Lebensalter auf.
  • Es sind mehrere Organe (gleichzeitig oder sequentiell) betroffen.
  • Auftretende Tumore sind häufig multifokal, zeigen ein aggressives Wachstumsmuster und rezidivieren häufig.

2 Formen

2.1 MEN Typ 1 (Wermer-Syndrom)

Ein MEN-Syndrom Typ 1 entsteht bei Funktionsverlust (loss of function) des MEN1-Gens (MENIN) auf dem langen Arm von Chromosom 11 (11q13). Es handelt sich um ein Tumorsuppressorgen, welches bei erhaltener Funktion die Proliferation der betroffenen Organe physiologisch regelt.

Bei einem MEN Typ 1 sind charakteristischerweise die Nebenschilddrüsen, das Pankreas und die Hypophyse beteiligt.

2.2 MEN Typ 2

Das MEN-Syndrom Typ 2 entsteht bei aktivierenden (gain of function) Mutationen des RET-Protoonkogens. Das Gen ist auf dem langen Arm von Chromosom 10 (10q11.2) lokalisiert. Es sind mehrere verschiedene Mutationsarten bekannt, die zur Ausbildung des Syndroms führen können.

2.2.1 MEN 2A (Sipple-Syndrom)

Häufig sind die Schilddrüse, das Nebennierenmark und die Nebenschilddrüsen betroffen.

  • Schilddrüse: Ein medulläres Schilddrüsenkarzinom tritt bei praktisch allen unbehandelten Patienten mit MEN 2A auf. Daher wird bei Diagnose eines MEN 2A (auch bei 2B) die Schilddrüse prophylaktisch entfernt.
  • Nebennierenmark: Etwa die Hälfte aller MEN 2A-Betroffenen entwickeln im Laufe ihres Lebens ein Phäochromozytom.
  • Nebenschilddrüse: Ein Drittel der Betroffenen entwickeln eine Hyperplasie der Nebenschilddrüsen und als Folge einen primären Hyperparathyreoidismus.

2.2.2 MEN 2B (William-Syndrom/Gorlin-Syndrom)

Das MEN 2B ähnelt im Befallsmuster der MEN 2A, jedoch ist bei MEN 2B der primäre Hyperparathyreoidismus nicht üblich. Bei Vorliegen eines MEN 2B sind Manifestationen außerhalb der endokrinen Organe vorhanden. Darunter fallen vor allem Ganglioneurome im Gastrointestinaltrakt und ein dem Phänotyp des Marfan-Syndroms ähnelndes Erscheinungsbild.

2.3 MEN Typ 3

2.3.1 MEN Typ 3A

Neurofibromatose Typ 1, Phäochromozytom, Karzinoide des Duodenums

2.3.2 MEN Typ 3B

Inselzelltumore, Phäochromozytom, von-Hippel-Lindau-Syndrom

2.3.3 MEN Typ 3C (Ellenberg-Syndrom)

Primärer Hyperparathyreoidismus und papilläres Schilddrüsenkarzinom

2.4 MEN Typ 4

Die MEN Typ 4 ist durch eine Keimbahnmutation des Gens Cdkn1b/CDKN1B, welches den mutmaßlichen Tumorsuppressor p27Kip1 kodiert, bedingt[1]. Charakteristische Phänotypen sind Hypophysenadenome, primärer Hyperparathyreoidismus und Angiomyolipome.

3 Literatur

  1. Lee M, Pellegata NS. Multiple endocrine neoplasia type 4. Front Horm Res. 2013;41:63-78. doi: 10.1159/000345670. PMID 23652671.

siehe auch: Von-Hippel-Lindau-Czermak-Syndrom

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