Methenaminhippurat
Handelsnamen: Cystohipp®, Hiprex®
Synonyme: Methenamin, Methenamin-Huppurat
Englisch: methenamine hippurate
Definition
Methenaminhippurat ist ein Harnwegsantiseptikum zur Prophylaxe rezidivierender bakterieller Harnwegsinfektionen (HWI). Es gehört nicht zu den klassischen Antibiotika, sondern wirkt durch Freisetzung von Formaldehyd im sauren Urin und besitzt daher kein relevantes Risiko zur Entwicklung bakterieller Resistenzen.
Chemie
Methenaminhippurat ist das Hippursäure-Salz von Methenamin. Die chemische Struktur setzt sich aus dem Methenamin-Kern und der Hippursäureeinheit zusammen, was die wasserlösliche und gut resorbierbare Arzneiform in Tabletten ermöglicht.
Wirkmechanismus
Nach oraler Einnahme wird Methenaminhippurat systemisch resorbiert und renal in den Urin ausgeschieden. Im sauren Urin (pH < 6) erfolgt die hydrolytische Spaltung zu Formaldehyd und Ammoniak. Formaldehyd denaturiert bakterielle Proteine und Nukleinsäuren, was zu einer unspezifischen antibakteriellen Wirkung führt. Da dieser Mechanismus nicht an einen spezifischen bakteriellen Zielstrukturmechanismus gebunden ist, wurde bisher keine klassische Resistenzentwicklung beobachtet. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist ein ausreichend saures Urinmilieu.
Pharmakokinetik
Methenaminhippurat wird nach oraler Verabreichung größtenteils unverändert renal eliminiert. Die Plasmahalbwertszeit von Methenamin beträgt typischerweise einige Stunden.
Indikationen
Methenaminhippurat ist indiziert zur langfristigen Prophylaxe und Suppression rezidivierender unkomplizierter bakterieller Harnwegsinfektionen, insbesondere bei Patienten mit häufig wiederkehrenden Infekten der unteren Harnwege. Es ist nicht zur Behandlung akuter Infektionen geeignet.
Dosierung
Empfohlene Dosierung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren beträgt üblicherweise 1 g zweimal täglich. Bei bestimmten Patientengruppen (z.B. Katheterträgern) kann eine höhere Frequenz (bis 3 × täglich) erwogen werden.
Nebenwirkungen
Mögliche Nebenwirkungen umfassen gastrointestinale Reizungen (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö), Dysurie, Hautausschläge oder Pruritus. Selten können Hämaturie oder Albuminurie bei hohen Dosierungen auftreten.
Wechselwirkungen
Alkalisierende Arzneimittel und Antazida können den Urin-pH erhöhen und dadurch die Freisetzung von Formaldehyd sowie die antiseptische Aktivität vermindern. Die gleichzeitige Anwendung mit Sulfonamiden sollte vermieden werden, da es zur Kristallbildung im Harn kommen kann.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Methenamin oder Bestandteile des Arzneimittels
- schwere Niereninsuffizienz oder Nierenversagen
- schwere Leberfunktionsstörung
- metabolische Azidose
- gleichzeitige Therapie mit Sulfonamiden
- akute Harnwegsinfektion (Prophylaxe erst nach erfolgreicher Eradikation)
Zulassung
Methenaminhippurat ist seit November 2025 in Deutschland zugelassen. Mit der Markteinführung wird im März 2026 gerechnet.
Literatur
- Gelbe Liste: Neueinführung Cystohipp: Methenamin zur Prophylaxe rezidivierender Harnwegsinfektionen, zuletzt abgerufen am 03.03.2026
- S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (HWI), zuletzt abgerufen am 03.03.2026