Marburger Beurteilungsskala zum Asperger-Syndrom
Definition
Die Marburger Beurteilungsskala zum Asperger-Syndrom, kurz MBAS, ist ein Screeningverfahren zur Fremdbeurteilung autistischer Verhaltensmerkmale bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die eine mit durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz aufweisen.
Hintergrund
Die MBAS wurde im deutschsprachigen Raum zur Unterstützung der klinischen Verdachtsdiagnose entwickelt. Die Konzeption orientiert sich an deskriptiven Merkmalen tiefgreifender Entwicklungsstörungen gemäß ICD-10. Sie wurde ursprünglich zur Erfassung des klinischen Phänotyps des sogenannten Asperger‑Syndroms entwickelt und dient der Erkennung autistischer Merkmale im Autismus‑Spektrum bei hohem Funktionsniveau.
Aufbau
Die MBAS besteht aus einer standardisierten Itemliste zur Fremdbeurteilung. Die Items erfassen Verhaltensmerkmale aus den Bereichen soziale Interaktion, Kommunikation, eingeschränkte Interessen sowie Verhaltensbesonderheiten. Die Antworten werden ordinalskaliert erhoben. Die Auswertung erfolgt über Summenwerte und bereichsspezifische Skalenwerte. Die Skala wird ergänzend zu Anamnese, klinischer Verhaltensbeobachtung, Intelligenzdiagnostik sowie strukturierten Interviews (z. B. ADI‑R) verwendet.
Durchführung
Die Beurteilung erfolgt durch Bezugspersonen oder diagnostisch erfahrene Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder Klinischen Psychologie. Voraussetzung ist eine ausreichende Beobachtungsdauer des zu beurteilenden Individuums. Die Durchführung ist papierbasiert und nicht zeitlich limitiert.
Limitationen
Die MBAS ist kein Instrument zur eigenständigen Diagnosestellung nach ICD-10 oder DSM-5 und ersetzt keine strukturierten klinischen Interviews oder umfassende diagnostische Testbatterien. Die Skala ist spezifisch auf autistische Merkmale bei Personen ohne relevante Intelligenzminderung ausgerichtet.
Literatur
- Kamp-Becker et al., Die Marburger Beurteilungsskala zum Asperger-Syndrom (MBAS): ein Screening-Verfahren für autistische Störungen auf hohem Funktionsniveau, Z Kinder Jugendpsychiatr Psychother, 2009