Lungenpuls
Definition
Der Lungenpuls ist eine feine, herzsynchrone Bewegung der Pleuralinie ohne Atemabhängigkeit in der Lungensonographie. Er entsteht durch die Übertragung der Herzpulsationen auf ein nicht oder kaum belüftetes Lungenareal bei erhaltenem Pleurakontakt.
Hintergrund
Das Pleuragleiten gilt sonographisch als Zeichen einer belüfteten, an der Thoraxwand gleitenden Lunge. Fehlt es, kommen mehrere Ursachen infrage, insbesondere Pneumothorax, Atelektase oder ausgeprägte Hypoventilation.
Bei fehlender Belüftung trotz anliegender Pleura werden die Bewegungen des Herzens auf das angrenzende Lungengewebe übertragen. Sie zeigen sich als rhythmische, herzfrequente Bewegung der Pleuralinie und werden als Lungenpuls bezeichnet.
Klinische Bedeutung
Der Lungenpuls ist in der Notfall- und Intensivsonographie relevant. Er dient als Zusatzzeichen zur Interpretation eines fehlenden Pleuragleitens. Sein Nachweis spricht dafür, dass die viszerale und parietale Pleura aneinander anliegen und somit kein Luftspalt zwischen Thoraxwand und Lunge besteht.
In der klinischen Praxis unterstützt der Lungenpuls die rasche Differenzierung zwischen Pneumothorax und nicht belüfteter, aber anliegender Lunge. Typische Konstellationen sind Atelektasen, selektive Intubationen oder schwere Ventilationsstörungen. Der Lungenpuls besitzt dabei keinen eigenständigen Krankheitswert, sondern ist stets im Kontext der Gesamtsituation zu interpretieren.
Sonografisches Erscheinungsbild
- B-Mode: Feine, rhythmische Vor- und Rückbewegung der Pleuralinie, synchron zum Herzschlag.
- M-Mode: Feine, herzsynchrone Modulation der Pleuralinie ohne Seashore-Zeichen, die mit der Herzfrequenz korrelieren.
- Power- oder Farbdoppler: Pulsatile Signale in der Nähe der Pleuralinie, sichtbar als „Color-Flicker“.
Aussagekraft
Ein nachweisbarer Lungenpuls macht einen Pneumothorax an der untersuchten Schallstelle unwahrscheinlich. Die Aussage gilt jedoch nur lokal; ein Pneumothorax an anderen Arealen ist dadurch nicht ausgeschlossen.
In der Gesamtschau ist der Lungenpunkt hochspezifisch für einen Pneumothorax, während der Lungenpuls ein ergänzendes Zeichen zur Einordnung eines fehlenden Pleuragleiten darstellt.
Limitationen
Die Darstellbarkeit des Lungenpulses kann durch subkutanes Emphysem, Adipositas oder ungünstige Schallbedingungen eingeschränkt sein. Tachykardie, ausgeprägte Thoraxbewegungen sowie pulsierende Thoraxwandgefäße oder Artefakte können zu Fehlinterpretationen führen.
Der Lungenpuls ersetzt weder eine systematische Lungensonographie noch die klinische Beurteilung und ist kein globales Ausschlusskriterium für einen Pneumothorax.
Literatur
- T. Hoppen: Pneumothorax erkennen - klare Domäne der Sonografie!, Pädiatrie kompakt 2024, Springer-Verlag, abgerufen am 10.01.2026
- Fomina: Pleurasonographie, abgerufen am 10.01.2026
- Radiology Key: Sonographie von Lunge und Pleura, abgerufen am 10.01.2026