Linksatrialer Druck
Englisch: left atrial pressure
Definition
Der linksatriale Druck, kurz LAP, ist der intrakavitär gemessene Druck im linken Vorhof. Er dient als Surrogatparameter für die linksventrikulären Füllungsdrücke und beschreibt die Druckverhältnisse im pulmonalvenösen Abschnitt des kleinen Kreislaufs.
Physiologie
Der linke Vorhof fungiert im Herzzyklus als Reservoir während der ventrikulären Systole, als passives Konduit in der frühen Diastole und als aktiver Füllungsunterstützer durch Kontraktion in der späten Diastole. Der linksatriale Druck ergibt sich aus dem Zusammenspiel von pulmonalvenösem Zufluss, atrialer Compliance, Mitralklappenfunktion und Relaxation des linken Ventrikels.
Der Druckverlauf zeigt charakteristische Wellen:
- a-Welle: Vorhofkontraktion
- c-Welle: Vorwölbung der Mitralklappe in der frühen Systole
- v-Welle: atriale Füllung bei geschlossener Mitralklappe
Der mittlere linksatriale Druck korreliert unter normalen Bedingungen mit dem linksventrikulären enddiastolischen Druck. Abweichungen können bei Klappenvitien oder veränderter Vorhofcompliance auftreten.
Messung
Direkte Messung
Eine direkte Druckmessung ist über eine transseptale Punktion oder intraoperativ möglich. Sie erfolgt im Rahmen interventioneller oder elektrophysiologischer Prozeduren.
Indirekte Messung
Klinisch wird der linksatriale Druck meist indirekt über den pulmonalarteriellen Verschlussdruck (PCWP) mittels Pulmonaliskatheter bestimmt. Bei korrekter Katheterlage entspricht der PCWP näherungsweise dem mittleren linksatrialen Druck.
Nichtinvasiv erfolgt eine Abschätzung echokardiographisch, z.B. über das Verhältnis E/e’, das linksatriale Volumen oder pulmonalvenöse Flussprofile.
Klinische Relevanz
Der mittlere linksatriale Druck liegt physiologisch bei 5–12 mmHg. Werte > 15 mmHg sprechen für erhöhte linksventrikuläre Füllungsdrücke, ab etwa 20–25 mmHg steigt das Risiko einer pulmonalen Kongestion deutlich an.
Ein erhöhter linksatrialer Druck findet sich typischerweise bei systolischer oder diastolischer Herzinsuffizienz, Mitralklappenvitien oder Volumenüberlastung. Der Druckanstieg wird retrograd auf die Pulmonalvenen übertragen und kann zur interstitiellen Stauung bis hin zum Lungenödem führen.
Chronisch erhöhte Werte begünstigen eine linksatriale Dilatation und fördern Vorhofflimmern. Klinisch ist der Parameter relevant zur Differenzierung kardialer Dyspnoe sowie zur Steuerung der diuretischen Therapie.
Abgrenzung
Der linksatriale Druck ist vom rechtsatrialen Druck (RAP) zu unterscheiden, der die Druckverhältnisse im rechten Vorhof widerspiegelt. Sein Surrogat ist der zentralvenöse Druck.
Er ist nicht identisch mit dem linksventrikulären enddiastolischen Druck, auch wenn beide Parameter unter physiologischen Bedingungen eng korrelieren. Bei Mitralklappenerkrankungen oder verminderter Vorhofcompliance können relevante Differenzen bestehen.