Intraossäres Zugangssystem
Definition
Ein intraossäres Zugangssystem ist ein standardisiertes Set aus Punktionsnadel und Zubehör zur schnellen Anlage eines intraossären Zugangs. Es ermöglicht die Applikation von Medikamenten, Flüssigkeiten und Blutprodukten über das Knochenmark, wenn ein intravenöser Zugang nicht oder nicht rechtzeitig etabliert werden kann.
Hintergrund
Im deutschen Rettungsdienst werden überwiegend elektrisch betriebene Systeme (z.B. EZ-IO®) verwendet, bei denen die Punktionsnadel mittels eines motorbetriebenes Insertionsgerät in den Knochen eingebracht wird. In angloamerikanischen Systemen ist zusätzlich das Bone Injection Gun (B.I.G.) verbreitet, bei dem die Insertion durch eine mechanische Federspannung erfolgt. Manuelle Systeme wie die Cook-Nadel haben in der modernen Notfall- und Akutmedizin hingegen kaum noch praktische Bedeutung und werden nur noch selten eingesetzt.
Indikation
Ein intraossärer Zugang ist in Notfallsituationen indiziert, in denen ein intravenöser Zugang nicht bzw. nicht schnell genug möglich ist und eine vitale Gefährdung besteht.[1] Typische Situationen sind z.B.:
- Reanimation
- Schock (insbesondere Volumenmangelschock)
- schwere Hypothermie
- kritisch Kranke oder Verletzte, bei denen zur Wiederherstellung der Vitalfunktionen eine Medikamenten- und/oder Volumengabe notwendig ist
Ausrüstung
Die in intraossären Zugangssystemen vorgehaltenen Materialien umfassen mehrere aufeinander abgestimmte Komponenten, die eine sichere Anlage und Nutzung des Zugangs ermöglichen:
- Intraossäre Punktionsnadel
- Fixationspflaster
- Verbindungsschlauch
- Dreiwegehahn
- 10 ml NaCl-Spritze
- Luer-Lock Spritze
- Druckinfusionsbeutel
Literatur
- Ziegenfuß: Notfallmedizin, Springer-Verlag 2025, abgerufen am 05.01.2026
- Bernhard et. al., Notfalltechniken Schritt für Schritt, Thieme-Verlag 2016, abgerufen am 05.01.2026