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Gamma-Interferon-Test

(Weitergeleitet von Interferon-Gamma-Release Assay)

Synonyme: Interferon-Gamma-Test, Interferon-Gamma-Release Assay, IGRA
Englisch: gamma interferon test

1 Definition

Der γ-Interferon-Test (Gamma-Interferon-Test) ist eine immunologische Testmethode, die zur Labordiagnostik der Tuberkulose eingesetzt wird.

2 Prinzip

Werden bei einer Tuberkulose-Infektion Erreger durch antigenpräsentierende Zellen aufgenommen, folgt die Aktivierung von T-Lymphozyten, die als Reaktion mit der Ausschüttung von Interferon-γ beginnen.

Dieser Umstand wird in den Testverfahren genutzt, in denen T-Lymphozyten in vitro mit Antigenen von Mycobacterium tuberculosis stimuliert werden. Hat sich das Immunsystem des Patienten in der Vergangenheit bereits mit Antigenen des Tuberkuloseerregers auseinandergesetzt, kann eine Sekretion von Interferon-γ nachgewiesen werden.

2.1 Antigene

Zum Einsatz kommen die Antigene:

  • ESAT-6
  • CFP-10

Diese Antigene sind spezifisch für Mycobacterium tuberculosis und fehlen sowohl im Impfstamm BCG, als auch in den meisten nichttuberkulösen Mycobakterien (z.B. Mycobacterium bovis). Diesem Umstand ist die relativ hohe Spezifität des γ-Interferon-Tests zu verdanken.

3 Verfügbare Testverfahren

In der Europäischen Union sind derzeit zwei Testsysteme für den γ-Interferon-Test zugelassen. Beide können bereits einen Tag nach dem Ansetzen des Tests abgelesen werden.

3.1 QuantiFERON-TB® Gold In-Tube

Das Testkit QuantiFERON-TB® Gold In-Tube der Firma Cellestis weist die Produktion von γ-Interferon mittels ELISA nach. Dabei werden 4 ml heparinisiertes Vollblut benötigt, die als Test und Negativkontrolle über 20 Stunden mit den Antigenen inkubiert werden müssen. Das Ergebnis wird mittels spezieller Software als Konzentration in IU angegeben. Ab einer Konzentration von 0,35 IU/ml gilt der Test als positiv.

3.2 T SPOT.TB®

T SPOT.TB® der Firma Oxford Immunotec weist ebenfalls eine Produktion von Interferon-γ nach, zusätzlich jedoch auch die Anzahl produzierender T-Lymphozyten. Der Nachweis des Interferons und der sensibilisierten T-Lymphozyten erfolgt mit dem ELISPOT-Verfahren. Dazu müssen separierte Zellsuspensionen auf Mikrotiterplatten gegeben werden. Diese werden dann für 20 Stunden mehrfach mit Antikörpern und Substratlösungen inkubiert.

Ein positives Ergebnis liegt bei mindestens 5 positiven (farblich markierten) Spots vor.

4 Aussagekraft

Ein positiver Test weist einen stattgehabten Kontakt des Patienten mit Mycobacterium tuberculosis nach. Er dient nicht dem Nachweis einer aktiven Tuberkulose. Selbst erfolgreich therapierte Patienten zeigen nach Jahren noch einen positiven Test. Der Test ist falsch negativ bei immunsupprimierten Patienten (z.B. AIDS) mit mangelhafter T-Zell-Funktion.

5 Zuverlässigkeit

Der γ-Interferon-Test ist dem Tuberkulin-Hauttest bezüglich Sensitivität und Spezifität überlegen.

Die Sensitivität des γ-Interferon-Tests liegt zwischen 82 und 100 %. Als Testkollektiv dienten dabei meistens Patienten mit bakteriologisch gesicherter Tuberkulose. Die Spezifität wird mit 98 % angegeben.

Ein wertvoller Zusatznutzen des γ-Interferon-Tests ist die Unterscheidungsmöglichkeit zwischen einer Tuberkulose und der nichttuberkulösen Mykobakteriose. Einzig Überschneidungen mit den Antigenen von Mycobacterium marinum und Mycobacterium kansasii können die Unterscheidung erschweren. Diese Erreger spielen in Deutschland jedoch eine untergeordnete Rolle.

6 Indikationen

Der γ-Interferon-Test ist vor allem bei Patienten mit positivem Tuberkulin-Hauttest, jedoch unklarer Klinik bzw. Radiologie ein wertvolles diagnostisches Instrument. Auch bei Zweifeln am positiven Hauttest, beispielsweise bei BCG-Geimpften, kann der γ-Interferon-Test Klarheit schaffen.

Mit dem γ-Interferon-Test ist es auch möglich, eine latente Tuberkulose oder eine mögliche Infektion nach Exposition gegenüber Tuberkulose-Erkrankten schnell und relativ sicher zu prüfen.

Als Instrument zur Verlaufskontrolle unter medikamentöser Tuberkulosetherapie eignet sich der γ-Interferon-Test nach derzeitiger Datenlage jedoch nicht.

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