HEART-Score
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Akronym: History, ECG, Age, Risk factors, Troponin
Definition
Der HEART-Score dient zur schnellen Risikoeinschätzung eines akuten Koronarsyndroms. Es wird primär in der Notaufnahme bei Patienten mit Brustschmerzen angewendet. Es soll den Verlauf von Brustschmerzen schnell und verlässlich interpretieren um eine akkurate Diagnose und therapeutische Entscheidungen schnellstmöglich treffen zu können.[1][2]
Anwendung
Der HEART-Score umfasst fünf Aspekte: die Anamnese, das Elektrokardiogramm, das Alter, die Risikofaktoren, der Troponinwert. Die einzelnen Aspekte erhalten jeweils eine Punktezahl zwischen 0 und 2 Punkten, und anhand der Summe aller Punkte erfolgt die anschließende Risikoeinschätzung.[3]
| Kriterium | Befund | Punkte |
|---|---|---|
| H - History (Anamnese) | Hochgradig verdächtig auf koronare Herzkrankheit (KHK) | 2 |
| Mäßig verdächtig / atypisch | 1 | |
| Unverdächtig / nicht kardial | 0 | |
| E - ECG (Elektrokardiogramm) | Signifikante ST-Strecken-Depression oder -Repolarisationsstörung | 2 |
| Leichte Repolarisationsstörungen | 1 | |
| Normales EKG | 0 | |
| A - Age (Alter) | ≥ 65 Jahre | 2 |
| 45-65 Jahre | 1 | |
| < 45 Jahre | 0 | |
| R - Risk factors (Risikofaktoren*) | ≥ 3 Risikofaktoren | 2 |
| 1 - 2 Risikofaktoren | 1 | |
| Keine Risikofaktoren | 0 | |
| T - Troponin (Laborwert) | ≥ 3-facher Normwert | 2 |
| Erhöhter Wert (> Norm, aber < 3-fache) | 1 | |
| Normwert | 0 | |
| (*) wie z.B. Hypertonie, Diabetes Mellitus, Adipositas, familiäre KHK-Anamnese, Hypercholesterinämie, Rauchen | ||
Interpretation
Auf Grundlage der Gesamtpunktezahl erfolgt die Risikoeinschätzung. Dabei wird zwischen drei Risikogruppen unterschieden, welche jeweils für ein niedriges, mäßiges, oder hohes Risiko sprechen ein schwerwiegendes unerwünschtes kardinales Ereignis (MACE) in den nächsten 6 Wochen zu erleiden.[4][5]
| Summe an Punkten | Risiko | Maßnahme |
|---|---|---|
| 0-3 | Niedrig | Entlassungsmanagement mit ambulanter Abklärung meist möglich |
| 4-6 | Mäßig | Stationäre Aufnahme und kardiologische Überwachung |
| 7-10 | Hoch | Sofortige invasive Diagnostik (z.B. Herzkatheterlabor) |
Limitationen
Der HEART-Score ist vor allem für Personen mit akutem Thoraxschmerz vorgesehen zur Abschätzung kurzfristiger schwerer kardiovaskulärer Ereignisse, jedoch nicht zur langfristigen kardiovaskulären Prävention. Es bietet keine Diagnosesicherung und bei zeitkritischen Diagnosen (ST-Hebungen) besteht unabhängig von einer Score-Einschätzung eine dringliche Reperfusionsindikation. Mögliche Differentialdiagnosen die ebenfalls Thoraxschmerzen auslösen können, müssen separat berücksichtigt werden und können nicht durch den Score ausgeschlossen werden.
Verwechslungsgefahr
Neben dem HEART-Score existiert der "HeartScore" der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Dieser digitalisierte SCORE-Rechner ist ein interaktives Tool zur Berechnung des 10-Jahres-Risikos für tödliche und nicht-tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[6]
Quellen
Six AJ, Backus BE, Kelder JC. Chest pain in the emergency room: value of the HEART score. In: Netherlands Heart Journal. 2008;16(6):191-196 Six et al., 2008.
Backus BE, Six AJ, Kelder JC, et al. Chest pain in the emergency room: a multicenter validation of the HEART Score. In: International Journal of Cardiology. 2010;144(3):433-436 PubMed (Backus et al.).
Backus BE, Six AJ, Kelder JC, et al. A prospective validation of the HEART score for chest pain patients at the emergency department. Int J Cardiol. 2013;168:2153–2158.
McCord J, Cabrera R, Lindahl B, et al. Prognostic utility of a modified HEART score in chest pain patients in the emergency department. Circ Cardiovasc Qual Outcomes. 2017;10:e003101.
Poldervaart JM, Reitsma JB, Backus BE, et al. Effect of using the HEART score in patients with chest pain in the emergency department: a stepped-wedge, cluster randomized trial. Ann Intern Med. 2017;166:689–697.